Serie Vorväter schossen mit Kugeln auf Vögel

Die Stadtarchivarin Carola Eberhard zeigt Spiele aus früherer Zeit.
Die Stadtarchivarin Carola Eberhard zeigt Spiele aus früherer Zeit. © Foto: Margit Haas
Süßen / Margit Haas 03.01.2018

„Vielleicht wurde dieses Spiel sogar auf dem Süßener Ostermarkt gespielt“, spekuliert Carola Eberhard. Vorsichtig nimmt sie es aus einer großen Stoffhülle. „Es war ein typisches Jahrmarktschießspiel vom Anfang des 20. Jahrhundert“.

Die Süßener Stadtarchivarin hält hier ihr „schnellstes“ Objekt in den Händen. Es ist ein Glücksspiel. Auf einer Scheibe sind eine Reihe von Vögeln abgebildet. Auf sie zielt ein langes Eisenrohr, in das eine Kugel eingelegt wurde. Die Mitspieler kauften sich Karten mit dem Bild eines Vogels. Dann wurde die Scheibe gedreht und die Kugel abgeschossen. „Gewonnen hatte der, dessen Bild getroffen wurde“.

Zu sehen sind auf der Spieltafel eine „Maise“ und ein Specht, ein Stieglitz und eine Drossel, aber auch eine „Golle“. Noch ist rätselhaft, was das für ein Vogel war. Denn leider sind die Abbildungen stark zerschossen, so dass das Bild das Geheimnis nicht löst. Auch im Internet ist die Stadtarchivarin nicht fündig geworden und würde sich jetzt freuen, wenn ein Vogelkundler das Geheimnis lüften könnte.

Das Spiel ist Teil des Süßener Stadtarchivs geworden. Ob sich ein Süßener um Haus und Hof brachte, weil er der Spielsucht verfallen war, ist nicht überliefert. Tatsächlich gibt es aber schon sehr früh Berichte von Menschen, die sich beim Spielen ruinierten. 1867 setzte Fjodor Michailowitsch Dostojewski dem Unglücklichen in seinem Roman „Der Spieler“ ein eindrückliches literarisches Denkmal.

Als ältestes Glückspiel der Welt gilt das Würfelspiel. Es soll bereits im alten Ägypten gespielt worden sein. Im 14. Jahrhundert wurden aus Asien eingeführte Kartenspiele auch in Europa ­immer populärer. Das Lotteriespiel kam im 16. Jahrhundert in Europa auf. Im 17. Jahrhundert wurde dann schließlich das Roulette in Frankreich erfunden.

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