Salach Vortrag: "Führung ist Dienstleistung, kein Privileg"

Bodo Janssen, Geschäftsführer eines friesischen Unternehmens, referierte in Salach über den innovativen Umgang mit Mitarbeitern.
Bodo Janssen, Geschäftsführer eines friesischen Unternehmens, referierte in Salach über den innovativen Umgang mit Mitarbeitern. © Foto: Inge Czemmel
Salach / INGE CZEMMEL 14.07.2015
"Wertschöpfung durch Wertschätzung" - 400 Interessierte kamen zur Veranstaltung der Kaufmännischen Schule Göppingen und des EMAG-Forums, um sich den "Upstalsboom Weg" aufzeigen zu lassen.

Zufriedene, glückliche Mitarbeiter, die ihre Arbeit gern tun, eine niedrige Krankheitsquote und eine Verdoppelung des Umsatzes - welcher Arbeitgeber träumt davon nicht? Nach Bodo Janssens Vortrag sah man bei vielen Teilnehmern glänzende Augen, und viele hätten sich am liebsten sofort auf den "Upstalsboom Weg" gemacht.

Der Geschäftsführer der Firma Upstalsboom, einem friesischen Unternehmen, das Hotels und Ferienwohnungsanlagen betreibt, hatte die Zuhörer an den konkreten Erfahrungen teilhaben lassen, die er und seine Mitarbeiter bei der Umstellung auf eine innovative Art der Unternehmensführung gesammelt haben.

Die auf der Wertschätzung der Mitarbeiter basierende Unternehmensführung gab es bei Upstalsboom nicht immer. "Bis zum Jahr 2010 war mein Handeln von den Prinzipien der klassischen Betriebswirtschaftslehre geprägt", erzählte Janssen, der nach dem Tod seines Vaters 2006 die Verantwortung für das Unternehmen übernahm. "Der Fokus der Führungsebene lag auf der Gewinnmaximierung. Wir haben uns viel mit Zahlen, Daten, Fakten beschäftigt, viel gemanagt und die Mitarbeiter wenig geführt." Janssen meinte: "Ich hatte das beste Büro mit der schönsten Aussicht, den größten Schreibtisch und habe mir manchmal selbstgefällig auf die Schulter geklopft und mich als Manager vor dem Herrn gefühlt."

Der Umgang mit den Mitarbeitern habe sich unbewusst an den machtgeprägten Grundsätzen von Machiavelli orientiert, nämlich Zuckerbrot und Peitsche, Führung als Privileg, Intransparenz als Machtinstrument. Fluktuation, häufige Krankheitsfälle, weniger Bewerbungen als Abgänge - irgendwann merkte Janssen, dass nicht alles so lief, wie er es gerne hätte. Eine Mitarbeiterbefragung brachte das Ergebnis: Wir brauchen, um besser arbeiten zu können, einen anderen Chef.

"Die Mitarbeiter fühlten sich schlecht geführt, und die Erkenntnis, dass der Fisch am Kopf, also bei mir, anfing zu stinken, war sehr ernüchternd und schmerzhaft", sagte Janssen. "Flucht ging nicht, also entschloss ich mich der Situation zu stellen." Eineinhalb Jahre lang ging Janssen regelmäßig in ein Benediktinerkloster, um von Pater Anselm Grün und dem "Team Benedikt" für sich neue Sichtweisen zu verstehen. Parallel hierzu beschäftigte er sich mit dem "Corporate Happyend"-Ansatz, auf Basis der positiven Psychologie, und setzte konsequent einen Paradigmenwechsel für eine ökologische und menschliche Unternehmensführung um.

Heute ist Janssen überzeugt: "Führung ist Dienstleistung, kein Privileg." Dazu gehöre Talente und Stärken zu erkennen und zu nutzen, statt Pinguine auf Bäume zu jagen, Potentiale auszuschöpfen, Grundbedürfnisse wie Verbundenheit und Dazugehörigkeitsgefühl zu befriedigen, Rahmenbedingungen für soziales Engagement herzustellen; Impulse zu geben und gemeinsam Werte zu erarbeiten.

Janssen wusste in Salach unzählige interessante und innovative Beispiele zu erzählen und machte deutlich: "Nicht nur das Know-how ist wichtig, sondern auch das Know-why. Wenn Menschen ihre Arbeit sinnvoll finden, bringen sie sich auch ein. Wertschätzung motiviert mehr als jedes Gehalt."

Arbeitgeberattraktivität, Servicequalität und Wirtschaftlichkeit stellten sich wie von selbst ein. Neben vielen weiteren Auszeichnungen und Preisen wurde die Firma Upstalsboom als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet und erhielt von der Zeitschrift Cosmopolitan den Sonderpreis "Fokus Frauen".

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