Dürnau Von Likörgläsern und schwäbischen Weisheiten

Durch die Streuobstwiesen rund um Dürnau führte Friedrich Allmendinger auf dem Schwäbischen Spruchweg. Zuvor hatten die Gäste das Gralglas-Museum besichtigt.
Durch die Streuobstwiesen rund um Dürnau führte Friedrich Allmendinger auf dem Schwäbischen Spruchweg. Zuvor hatten die Gäste das Gralglas-Museum besichtigt. © Foto: Inge Czemmel
Dürnau / INGE CZEMMEL 08.09.2015
Über den Schwäbischen Spruchweg und das Gralglas-Museum zum Kaffeeklatsch - in Dürnau bot der "Sommer der Ver-Führungen" viele neue Erkenntnisse, schöne Aussichten und äußerst leckere Obstkuchen.

"'S gibt a kloine Planänderung", verkündete Friedrich Allmendinger den 18 von Kopf bis Fuß auf Wandern eingestellten Teilnehmern am Treffpunkt Schützenhaus. Das war nicht etwa schon der erste Schwäbische Sinnspruch, sondern eine Tatsache. Aus organisatorischen Gründen war zuerst der Besuch des Gralglasmuseums angesagt, wo Manfred Wolfhard bereits bestens vorbereitet auf die Gäste wartete.

In seiner ganz eigenen amüsanten Art vermittelte der Ortsarchivar jede Menge Informationen über die Glasbläserkunst und die Geschichte der Firma Gralglas. Kognakschwenker, Eierlikörgläser, Weingläser- in den Vitrinen waren, unter anderem, Gläser aus dünnstem Glas und mit edlen Schliffen zu bewundern, von denen manche ganze Geschichten erzählen. Ein Film aus den 70er Jahren zeigte wie einst in Dürnau Mundgeblasenes aus Glas hergestellt wurde. "Von Arbeitssicherheit keine Spur", wunderten sich die Zuschauer, angesichts der Männer, die in kurze Hosen und Schlappen ihre Arbeit am 1450 Grad heißen Schmelzofen verrichteten.

Der fünfjährige Korbinian aus Berlin, der gerade bei seiner Oma Ferien macht, war schwer beeindruckt von der Glasmacherei und dass flüssiges Glas wie Honig aussieht. Den Schwäbischen Spruchweg, zu dem sich schließlich alle aufmachten, fand er weniger spannend. Dafür nickten die erwachsenen Teilnehmer zustimmend mit den Köpfen, als Friedrich Allmendinger den ersten Sinnspruch des Mundartdichters Michael Wahl vorlas. "Meischdens schdegged dia Feadra ned an dem seim Huat, der mo da Vogl abg'schossa hod." "Wie wahr, wie wahr", bestätigte ein älterer Herr, der in seinem Leben wohl auch schon die Erfahrung gemacht haben dürfte, dass andere die Früchte seiner Arbeit ernteten.

Auf dem idyllischen Rundweg, der mehr als einmal herrliche Aussichten auf das Voralbgebiet und die Dreikaiserberge im Hintergrund bot, standen noch jede Menge andere Tafeln mit Sprüchen, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen. Der in Dürnau aufgewachsene schwäbische Mundartautor Michael Wahl bringt so manches direkt auf den Punkt. "Meh als dr Abfluss onda durchlässd, sodd mr oba ned neischüdda" - auch dieser Spruch passt auf viele Situationen. Korbinian hatte es nicht so mit "Schwäbisch". Er interessierte sich mehr für die Bäume und Sträucher, denn der Spruchweg verläuft entlang des Obstlehrpfades. Ein Biss in den einen heruntergefallenen schwäbischen Moschtapfel, ließ ihn allerdings schnell das Gesicht verziehen. Da schmeckten die Brombeeren, von denen auch die Erwachsenen gern naschten schon besser.

"Mensch, hent mir a schöne Landschaft." Der Spaziergang durch die Kulturlandschaft der Streuobstwiesen machte einigen bewusst, welch idyllische Flecken es im Landkreis gibt. Der rund sechs Kilometer lange Rundweg hatte für die "Verführten" noch einige Überraschungen parat. So machte "Obstler" Friedrich Allmendinger, beispielsweise auf einen großen "Bilderrahmen" aufmerksam, der dem Betrachter täglich ein neues Bild auf die davorliegende Landschaft bietet. Daneben können Bilder von vier Dürnauer Künstlern bewundert werden, die ihren persönlichen Blick durch den Rahmen festgehalten haben.

Auf Kunst stieß die Gruppe zufällig noch in Gammelshausen. Jochen Riehle legte gerade letzte Hand an das "Skupturenwegle", das am Samstag offiziell eröffnet wurde und gab den Wanderern vorab und exklusiv einige Erklärungen zu den außergewöhnlichen Skulpturen. Im Schützenhaus wartete dann Lore Allmendinger mit dem wohlverdienten Kaffee und Kuchen. Mit großem Appetit machten sich alle voll des Lobes über Apfel-, Zwetschgen-, Mirabellen- und Kirschkuchen her.

Schon ver-führt?

Freie Plätze In den kommenden Tagen gibt es unter anderem bei diesen Veranstaltungen freie Plätze:

Angebote WMF, Wanderung vom Wäscherschloss nach Lorch, Spaziergang und Führung mit Alpakas in Bad Überkingen, Führung historische Pumpstation Bad Überkingen - Albwasserversorgung, 755 Jahre Bartenbach (11. September), Führung in die Kahlensteinhöhle Bad Überkingen

Ausgebucht Besuch in der Wala Heilmittel GmbH, Revoluzzer, Pioniere und Bierbrauer, Weinwanderung im Remstal, Von Ganslosen nach Auendorf - das Hägenmarkdorf

Anmeldungen direkt beim jeweiligen Veranstalter. Infos zu den einzelnen Angeboten auf www.landkreis-goeppingen.de

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