Uhingen Von Kräutern und unbeliebten Adligen

Uhingen / Margit Haas 10.08.2018
Geschichte und Natur – sie gehen auf Schloss Filseck eine wunderbare Symbiose ein. Groß ist das Interesse an der Geschichte des historischen Ortes.

Bienen, Hummeln, Wespen und vielerlei Insekten erfreuen sich am reich gedeckten Tisch des Kräutergartens von Schloss Filseck. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher sind nicht weniger begeistert. Im Rahmen des „Sommer der Verführungen“ nehmen sie an einer Führung im und rund um das Schloss teil.

Und weil das Interesse so groß ist, dass Schlossführer Hermann Bucher gar nicht alle Interessenten mitnehmen kann, hat der zweite Vorsitzende des Förderkreises Schloss Filseck, Reiner Ruf, kurzerhand Anne Bonsack engagiert. Die Ernährungswissenschaftlerin weiß um die guten, aber auch die schädlichen Wirkungen der Kräuter. „Mit Wolfsmilchgewächsen können Sie Wühlmäuse vertreiben oder jemand umbringen“. Oder: „Der Sonnenhut stärkt das Immunsystem“. Vom Marienkraut weiß sie, dass es die Hormone beruhigt. „Die Mönche haben es früher ins Gebetbuch gelegt“, erzählt sie schmunzelnd und ermuntert die Besucher, sich selbst einen kleinen Kräutergarten anzulegen. Und auch dem, das der Hobbygärtner üblicherweise als Unkraut bezeichnet, Beachtung zu schenken. „Giersch – es gibt nichts Besseres gegen Gicht“, betont sie und warnt gleichzeitig davor, zu viel Rhabarber zu essen: „Er ist ein Kalkräuber“. Dann nimmt sie die Gruppe mit in den Obstgarten. In verschwenderische Fülle hängen die Bäume voll und laden ein zum Naschen. Auf der Wiese wachsen ganz unterschiedliche Kräuter, die die Expertin alle kennt.

Inzwischen hat sich Hermann Bucher mit seiner Gruppe zu einem Spaziergang über die Gemarkung, die ehemals zum Rittergut Filseck gehörte, aufgemacht und besucht auch den Charlottensee. „Filseck war immer eine große Domäne. Hier wurde Landwirtschaft betrieben und nicht wie in Stuttgart große Feste gefeiert“, weiß er.

Im Schlosshof nimmt Reiner Ruf eine weitere Gruppe mit auf die Reise in die spannende Geschichte des Schlosses. Immer wieder hat es seinen Besitzer gewechselt und so gibt es auch entsprechend viele Urkunden und Belege, die das historische Geschehen lebendig werden lassen.

Fast wäre es mit dem Schloss vor fast 50 Jahren vorbei gewesen. Damals zerstörte ein verheerendes Feuer große Teile. „Gaffer waren bei den Löscharbeiten ein Problem“, weiß Ruf zu berichten. „Etwa 2000 waren gekommen und haben die Feuerwehr behindert“. Dann habe der Landkreis die „Ruine mit Dach“ gekauft und „als Kulturdenkmal und Landmarke erhalten“.

Die Ursprünge des heutigen Renaissance-Schlosses, das im 16. Jahrhundert erbaut worden war, liegen in staufischer Zeit, als im heutigen Landkreis rund 80 Burgen entstanden als sichtbares Zeichen eines wachsenden Selbstbewusstseins des Adels. Unter den zahlreichen Besitzern war manch schillernde Persönlichkeit – wie Burkhardt von Berlichingen, der Bauherr des heutigen Schlosses. Er stand im Dienste des württembergischen Herzogs. Dabei waren ihm gewisse finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen worden und er musste das Schloss mit den Festungen auf Hohentübingen und Festung Hohenurach tauschen. Besitzer wurden das Kloster Schöntal, der Augsburger Bankier Christian von Münch und schließlich Freiherr von Podewils. An die Podewils haben ältere Uhinger keine guten Erinnerungen. Keinesfalls durften sie auch nur einen Fuß auf deren Grund und Boden setzen.

Heute ist das Schloss im Besitz der Stiftung Schloss Filseck der Kreissparkasse, die einen Landschaftspark realisiert und damit auf große Begeisterung stößt. „Im Vergleich zu früher – kein Vergleich“, freute sich eine Uhingerin, die das Schloss und seine Umgebung seit ihrer Kindheit kennt.

Bis zum 2. September stellt Veronika von Degenfeld in den Fluren des Schlosses aus. Am 7. September wird eine Ausstellung mit der Gammelshäuser Künstlerin Marion Gaiss eröffnet werden.

Info Unter dem Link https://www.sommer-der-verfuehrungen.de/programmheft-2018/ kann man sich über freie Plätze bei kommenden Veranstaltungen und über ausgebuchte oder abgesagte Veranstaltungen informieren.

Förderkreis organisiert Veranstaltungen auf Filseck

Der Förderkreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit regelmäßigen Veranstaltungen das Schloss in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stellen. Kunstausstellungen, Konzerte und Kunsthandwerkermärkte gehören ebenso dazu wie die  Sammlung des im Schloss Filseck geborenen Künstlers Eugen Wolff-Filseck. Die Mitglieder betreuen ehrenamtlich die Ausstellung zur Schlossgeschichte (Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr). Führungen unter info@schloss-filseck.de.

Bis zum 2. September stellt Veronika von Degenfeld in den Fluren des Schlosses aus. Am 7. September wird eine Ausstellung mit Marion Gaiss eröffnet.

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