Süßen Von Kalauern und Chansons

Mademoiselle Mirabelle nahm bei den Süßener Kleinkunsttagen in der Zehntscheuer das "savoir vivre" auf die Kabarett-Schippe.
Mademoiselle Mirabelle nahm bei den Süßener Kleinkunsttagen in der Zehntscheuer das "savoir vivre" auf die Kabarett-Schippe. © Foto: Hans Steinherr
Süßen / HANS STEINHERR 16.11.2015
Was Franzosen unter "savoir vivre" und Deutsche als Klischee verstehen, wirbelt Musik-Kabarettistin Mademoiselle Mirabelle, alias Birgite Gebhardt, unterhaltsam durcheinander.

Ausgerechnet am Tag nach den fürchterlichen Anschlägen in Paris kam Mademoiselle Mirabelle zu den Kleinkunsttagen nach Süßen. Um mit "Vieles und davon reichlisch" leichtverdauliches Musik-Kabarett zu machen und dabei jedes nur denkbare, Klischee, das Deutsche von "Fronkreisch" mit sich herumtragen, zu bedienen. Sie habe es sich lange überlegt, erklärte Mademoiselle Mirabelle, die eigentlich Birgite Gebhardt heißt, aus Heidenheim kommt und mit dem Kleinkunst-Preis 2014 des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Doch es müsse weitergehen, sagte sie unschuldig charmant, hisste die französische Flagge und feuerte aus einem Baguette heraus eine Salve Glitzerlametta ins Publikum. "C'est la vie" (So ist das Leben).

Durch ihren sympathischen deutsch-französischen Akzent und ihr schulmädchenhaftes Outfit in Rüschen-Hotpants fällt es dem Publikum nicht schwer, an der Frisur und dem mädchenhaften Charme eine Mireille Matthieu wieder in Erinnerung zu rufen. Nichts anders als französisches "savoir vivre" soll innerhalb 90 Minuten in deutsche Lebensfreunde übertragen werden.

Lachen ist gesund. Die Kunstfigur Mademoiselle Mirabelle beherrscht es und steckt an. In Frankreich sagt man, wenn jemand wie ein Trauerkloß daherkommt, er lache wie Angela Merkel, sagt sie. Ein "Hühnchenwort" - pardon ein geflügeltes Wort in der Grande Nation. "Der Spatz aus Heidenheim" flattert trällernd von Kalauer zu Chanson, mit Glamour über l'amour weiter zur amour fou (verrückte Liebe) bis nur noch fou übrig bleibt, mimt den Clochard an der Ziehharmonika und den Johnny Hallyday an der E-Gitarre, scheut keinen Tauchgang in seichtem Gewässer und schafft es auch noch nonchalant charmant hüftschwingend jeden Mann, den sie sich auf die Bühne holt rumzukriegen. Sie dreht ihn ganz einfach mit dem Rücken zum Publikum.

Franzosen sagen nicht einfach bonsoir, sie machen bonsoir. Oh lala! Nur sprachlich hätten Franzosen Defizite, beherrschen außer Französisch keine weitere Fremdsprache mehr und l'amour ohne viel Sprachkenntnisse.

Männer in kurzen Hosen und bedruckten T-Shirts - so wie die deutschen es lieben - sind für Mademoiselle nur dann ein Thema, wenn sie putzen, bügeln und kochen können. Raffiniert ist sie, die Mademoiselle Mirabelle. Und unterhaltsam. Wer unkomplizierte Unterhaltung wollte, kam mit ihr voll auf seine Kosten. Man(n) musste sie einfach lieben und durfte am Ende sogar Frère Jacques im Kanon mitsingen