Wäscherburg Von Heilpflanzen und Giftkräutern

Bei der Führung „Was blubbert da im Hexenkessel?“ auf Schloss Wäscherburg sind alle Teilnehmer in mittelalterlicher Gewandung gekleidet.
Bei der Führung „Was blubbert da im Hexenkessel?“ auf Schloss Wäscherburg sind alle Teilnehmer in mittelalterlicher Gewandung gekleidet. © Foto: Giacinto Carlucci
Wäschenbeuren / Maximilian Haller 14.08.2018

Dicke Burgmauern umgeben das Wäscherschloss im Wäschenbeurer Ortsteil Wäscherhof. Ein antiker Brunnen steht im Innenhof, Speere und Lanzen zieren die Kellerwände. Überall laufen Menschen in mittelalterlicher Kleidung umher. Es ist fast so, als betrete man ein anderes Zeitalter. Unter dem Motto „Was blubbert da im Hexenkessel?“ fand in der Wäscherburg eine Führung zum Thema Medizin im Mittelalter statt.

Silke Allmendinger, Burgherrin und Verwalterin der Wäscherburg, begrüßt die rund 20 Teilnehmer: „Schön, dass ihr euch heute auf Spurensuche begeben wollt.“ Auch wenn das Oberthema der Führung „Medizin“ sei, so drehte sich das mittelalterliche Verständnis von Heilkunst eher um Giftkräuter, Heilpflanzen und Zaubertränke, wie Allmendinger erklärt. Bevor es jedoch losgeht, werden alle Teilnehmer der Führung in mittelalterliche Kleidung gesteckt – die sogenannte Gewandung.

Silke Allmendinger ist ebenfalls von Kopf bis Fuß zeitgemäß gekleidet. Bei der Führung schlüpft sie in die Rolle der „Meierin“, die für den Nachschub auf der Burg verantwortlich ist. Unterstützt wird die Meierin von einer abergläubischen Bäuerin und einem waschechten Waldschrat.

Dass Medizin bereits im Mittelalter zum Alltag gehörte, zeigt Allmendinger bei einer Führung durch das Nahrungsmittelangebot der Burg. „Die Mischung macht’s“, erklärt die Meierin mit Blick auf die zahlreichen Kräuter und Gewürze, die sich in der Küche stapeln. Petersilie, beispielsweise, sei nicht nur als Zutat für Speisen verwendet worden, in großen Mengen zu sich genommen habe die Pflanze auch bei unerwünschten Schwangerschaften Abhilfe geschaffen. Die Burgbewohner wussten darüber hinaus, welche Tiere Krankheitserreger mitbrachten und die es deshalb zu vermeiden galt. Dazu gehörte natürlich auch die Ratte.

Nächster Halt auf dem Rundgang ist die Kammer der Burgherrin. Mehr oder weniger unabsichtlich schüttet der Waldschrat hier eine unbekannte Flüssigkeit in den Trunk der Burgherrin. Die Meierin lässt kurzerhand einen kleinen Jungen aus der Führung vorkosten. „Wir müssen dann halt beobachten, ob er umkippt“, sagt Allmendinger scherzend. In der Kammer steht auch ein Haus­altar. Obwohl die Menschen des Mittelalters hauptsächlich dem Christentum angehörten, habe sich das „alte Wissen“ nie komplett verdrängen lassen. Ganz im Gegenteil, wie Allmendiger erklärt: „Der katholische Glauben hat aus dem Heidnischen viel übernommen. Das läuft Hand in Hand.“

Nach einem Besuch in der Waffenkammer geht es weiter in den Festsaal. Dieser Raum sei nicht nur ein Ort für Speis und Trank, sondern auch ein Ort der Intrigen. Vorzugsweise werde mit Gift gearbeitet. Um das zu verhindern, haben sich die Burgbewohner ein paar Tricks ausgedacht, „einen davon macht man heute noch“, sagt Allmendinger. Beim schwunghaften Anstoßen der Kelche schwappten die Getränke über – Gift inklusive. Wer also bereit war, anzustoßen, der kam auch nicht als Giftmischer in Frage. Alternativ ließ man laut Allmendinger das Dienstpersonal vorkosten, was jedoch einen dementsprechenden Verschleiß an Angestellten mit sich zog.

Dass das Leben im Mittelalter alles andere als leicht war, lernen auch die Kinder bei der Führung. Hühner rupfen und Fische ausnehmen stand damals für die ganz Kleinen auf der Tagesordnung.

Auch selbst etwas zubereiten dürfen die Mittelalterbegeisterten bei der Führung: Die Aufgabe der Kinder ist es, ein Gewürzsalz für ihre Eltern zuzubereiten. Sie vermischen Petersilie, Thymian, Majoran, Schnittlauch und Liebstöckelblätter und zermahlen die Mischung so fein wie möglich mit einem Mörser. Anschließend wird das Ganze mit Salz vermengt und in kleine Beutel abgefüllt. Fertig ist das originale Kräutersalz und der Tag im Mittelalter geht zu Ende.

Regelmäßige Führungen auf Schloss Wäscherburg

Verwaltung Von 2013 bis 2017 wurde Schloss Wäscherburg von Silke Allmendinger gepachtet. Seit 2018 fungiert sie als Verwalterin der Burg im Auftrag der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG).

Führungen Jeden Sonntag finden auf der Wäscherburg Familienführungen statt. Zusätzlich sind dort gebuchte Führungen und Kindergeburtstage möglich. Die nächste Sonderführung zum Thema Medizin findet am Donnerstag, 23. August, um 13 Uhr statt.

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