Künstlerporträt Hannelore Fehse fasziniert durch Klarheit

Einige Bilder mit Albhäusern hat Hannelore Fehse in ihrem Atelier hängen. Immer wieder wird sie angefragt, mit diesem Motiv Ausstellungen zu bestücken. Jetzt stellt sie in Rottenburg aus.
Einige Bilder mit Albhäusern hat Hannelore Fehse in ihrem Atelier hängen. Immer wieder wird sie angefragt, mit diesem Motiv Ausstellungen zu bestücken. Jetzt stellt sie in Rottenburg aus. © Foto: Hannelore Fehse
Bettina Verheyen 15.09.2017
Im Schaffen der Degginger Künstlerin Hannelore Fehse spielen Albhäuser eine ganz wichtige Rolle – ein Motiv, von dem sie sich immer wieder aufs Neue inspirieren lässt.

Häuser ohne Fenster und Türen, Häuser mit großflächigen, tiefgezogenen Dächern, Häuser, reduziert auf einfache geometrische Formen und auf zwei, maximal drei Farbtöne, ineinander verschachtelte Häuser, die nicht in eine Landschaft eingebettet sind, sondern merkwürdig unabhängig die Leinwand besetzen: Das sind Hannelore Fehses Albhäuser. Die Degginger Künstlerin kann auch anders, kommt aber immer wieder zu ihrem Häuser-Motiv zurück, das sie stets aufs neue inspiriert und herausfordert.

Ihre ersten Arbeiten hätten mehr Atmosphäre gehabt, erzählt die Lehrerin im Ruhestand. Da sah man zum Beispiel auch eine Weide im Hintergrund oder es lehnten landwirtschaftliche Geräte an der Hauswand. Im Laufe der Zeit wurden ihre Bilder immer reduzierter. „Das ist ein Prozess“, stellt Fehse fest. „Ich stelle mir immer wieder die Frage: Was will ich?“

Mittlerweile konzentriert sie sich ganz auf die Flächen und deren Proportionen. „Es gibt auch keine Schattenwürfe mehr“, macht sie klar. „Ich habe das mal gerne gemacht, aber jetzt ist es nicht mehr mein Thema.

Sie malt, was sie sieht, darauf besteht Hannelore Fehse. Ihr Sehen sei ganz intensiv geworden, Sie ist beeindruckt von der Schlichtheit und Funktionalität der alten Häuser und Scheunen auf der Alb, vergleicht ihre Architektur in der Konzentration auf das Wesentliche mit der Bauhausarchitektur. Ihre Motive müssen etwas Klares haben, das spiegele ja auch eines Geisteshaltung, eine innere Ordnung wider, erklärt sie. Darauf verweisen auch immer wieder die Autoren, die in ihren Katalogen Texte geschrieben haben. So zum Beispiel Uwe Degreif anlässlich einer Ausstellung im Haus des Landkreises in Ulm: Er stellt fest, dass Fehses Bilder ohne Menschen, ohne Tiere, ohne Bäume, ohne Fahrzeuge sind. Er schreibt: „Es wäre unangemessen, Hannelore Fehse eine Realistin zu nennen. Eher eine, die Ordnung schafft und für Klarheit sorgt.“

Fehse, die in der Uckermark geboren wurde, in Bonn und Tübingen studierte und 1986 von Darmstadt auf die Schwäbische Alb zog, möchte durch ihre Albhäuser auch ihre Wertschätzung für Mentalität der Albler, ihre spezielle Kultur ausdrücken.Wenn sie mit ihrem Skizzenblock vor einem Haus steht, kommt sie immer wieder mit den Leuten vor Ort ins Gespräch. Viele wundern sich, dass da jemand so fasziniert ist von den alten Häusern und Scheunen. Worüber sich Fehse freut, ist, wenn sie von Freunden und Bekannten zu hören bekommt: „Seit wir deine Bilder kennen, sehen wir die Alb anders.“

Heute Ausstellungseröffnung „Ausblicke“

Vernissage Heute um 17 Uhr wird im Kulturzentrum Zehntscheuer in Rottenburg die Ausstellung „Ausblicke“ eröffnet.

Thema Mit der Aus­stellung zeigt der Rottenburger Kunstverein Zehntscheuer den ­malerischen Blick von Carola Dewor, Hannelore Fehse und Johanna ­J­akowlev auf Landschaft und Architektur. Gemeinsam ist allen ­Arbeiten, dass sie sich mit Architektur auseinandersetzen, ohne dabei Menschen abzu­bilden.

Ort Kulturzentrum Zehntscheuer, Bahnhofstraße 16, Rottenburg

Öffnungszeiten Mi - Fr 15 bis 18 Uhr; Sa/So/Feiertage 13 bis 18 Uhr

Dauer Die Ausstellung ist bis 12. November zu sehen.