Eislingen Von alten Akten fasziniert

Eislingen / ELKE BERGER 13.07.2012
Martin Mundorff liebt seine Bücher. Die stehen zwar nicht auf einer Bestsellerliste, sind aber dafür durchaus mal 250 Jahre alt. Sie stehen in Mundorffs zweitem Wohnzimmer: dem Eislinger Stadtarchiv.

Wer braucht Krimis oder Fantasy-Romane, wenn er im Großeislinger Lager- und Gerechtigkeitsbuch von 1767 schmökern kann? Unter "historischen Schinken" versteht Archivar Martin Mundorff eben etwas völlig anderes als ein klassischer Romanleser.

"An Albrecht von Rechberg, den Schiller genannt, als ein Mann-Lehen gegeben worden...", pflügt Mundorff durch die in schwer lesbarer Kanzleischrift geschriebenen Texte. Schon zieht er den nächsten alten Schmöker aus dem feuersicheren Stahlschrank. "Das ist mein Lieblingsort", schwärmt er mit leuchtenden Augen.

Seit 2002 ist das Eislinger Stadtarchiv in der Alten Post untergebracht. Auf zwei Stockwerken lagern etwa 150 laufende Meter Bücher und Ähnliches, meist Unikate. Zur Kategorie "Ähnliches" gehört beispielsweise eine alte, handgemalte Karte von 1741, auf der Großeislingen und Kleineislingen nebst der mäandernden Fils abgebildet sind. Mitten durch die Flusslandschaft zieht sich eine gerade Linie, die die Wassernutzungsgrenze zwischen den beiden Orten darstellen soll. "Durch dieses Dokument wissen wir, wie Eislingen damals ausgesehen hat", erklärt Mundorff - "und, dass zu dieser Zeit" - er zeigt auf ein liebevolles Detail auf der Karte - "ein Storch auf dem Großeislinger Kirchturm gebrütet hat."

In der Alten Post laufen für den waschechten Eislinger verschiedene Fäden zusammen: "Hier treffen sich Beruf, Ehrenamt und persönliche Dinge." Als hauptamtlicher Göppinger Stadtarchivar betreut Mundorff das Eislinger Archiv ehrenamtlich. Doch schon als Schüler hatte er einen Bezug zu diesem Gebäude. "In den Ferien habe ich als Briefträger gejobbt und jeden Morgen hier meine Post abgeholt. Der Job war klasse, ich war am frühen Nachmittag bereits im Freibad."

Als Archivar hat Mundorff eines seiner Hobbys zum Beruf gemacht. Schon als Kind begeisterte er sich für sämtliche Winkel von Eislingen und ihre Geschichte. Wenn er beispielsweise auf den Vater wartete, der mit dem Zug aus Stuttgart ankam, nutzte er die Zeit, um die Gegend um den Bahnhof herum mit jugendlicher Neugier zu erforschen. Eine prima Grundlage. "Der Archivar kennt vieles im Ort wie sein Westentäschle", meint er.

Sein Wissen behält er aber nicht bei sich, die Erkenntnisse aus den Archivalien werden auch veröffentlicht. So hält Mundorff regelmäßig Vorträge, zum Beispiel am 18. Oktober über den Weinbau in Eislingen. Doch ist dies nur ein Teil seiner Aufgabe. Es sorgt auch dafür, dass die Unterlagen für Studien zur Verfügung stehen. "Wir bekommen Anfragen für alles zwischen Schulprojekt und Doktorarbeit", erzählt Mundorff. Zudem muss das Archiv den rechtlichen Anforderungen, die für die Aufbewahrung von Dokumenten gelten, genügen . "Ein Stadtarchiv beherbergt Dokumente, die dauerhafte Gültigkeit haben wie beispielsweise Konzessionsverträge für Strom." Was sonst noch alles aufbewahrt wird und was nicht, liegt in seiner Verantwortung.

Außerhalb "seines" Archivs hat er natürlich auch noch ein paar Stellen in der Stadt, die er sehr mag. Dazu zählen das Quartier Vogelgarten oder das Schlosstheater, wo er in den 80er Jahren gerne im Programmkino war. Auch der herrliche Blick auf den Hohenstaufen wertet die Eislinger Kulisse mächtig auf. "Ich fühle mich wirklich sehr wohl hier in Eislingen", bekräftigt er.

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