Bad Boll/Stuttgart Vom Handicap lernen

Laura Brückmann, die selbst die Inklusionsschule in Bad Boll durchlaufen hat, macht mit den Schülern der Schickhardt-Schule Ausdruckstanz. Gemeinsam präsentieren sie sich auf der Bildungsmesse Didacta. Foto: Heinrich-Schickhardt-Schule
Laura Brückmann, die selbst die Inklusionsschule in Bad Boll durchlaufen hat, macht mit den Schülern der Schickhardt-Schule Ausdruckstanz. Gemeinsam präsentieren sie sich auf der Bildungsmesse Didacta. Foto: Heinrich-Schickhardt-Schule
JÜRGEN SCHÄFER 22.03.2014
Große Bühne für die Bad Boller Gemeinschaftsschule: Sie zeigt auf der Bildungsmesse Didacta ein besonderes Beispiel von Inklusion - den Ausdruckstanz einer Tänzerin mit Handicap mit einer Schülergruppe.

Ein einmaliges Erlebnis wartet auf sechs bis acht Fünftklässler der Heinrich-Schickhardt-Schule Bad Boll: Sie fahren am kommenden Dienstag zur Bildungsmesse Didacta, unter der sie sich noch wenig vorstellen können, und sind dort mittendrin statt nur dabei. Unter den Blicken von Messebesuchern und Prominenz zeigen sie einen Ausschnitt ihres Schulalltags, der die Möglichkeiten von Inklusion aufzeigt. Laura Brückmann, die selbst die Inklusionsschule in Bad Boll durchlaufen hat und inzwischen eine vielbeachtete Künstlerin ist, macht mit ihnen Ausdruckstanz.

Das ist an der Bad Boller Schule noch neu und ein Angebot für das laufende Schuljahr. An zwei Nachmittagen in der Woche, parallel zum Sportunterricht, kommt Laura Brückmann in ihre alte Schule, um ihre ganz eigene Art von Tanz zu leben und damit zu inspirieren. "Es ist spannend und jedesmal anders", weiß Schulleiter Thomas Schnell. "Wie sie erstmal die Atmosphäre wahrnimmt, ist etwas, was uns eher abgeht", staunt er. Seine Schilderung: "Musik setzt ein, sie bewegt sich dazu, wie sie die Musik wahrnimmt. Das hat nichts zu tun mit einem klar strukturiertem Ablauf, das ist emotional und intuitiv. Sie überlegt sich vorher, was sie macht, aber das wird uns nicht transparent."

Den Schülern bringt das viel, sagt Schnell. "Ihre Fähigkeit, sich frei zu bewegen, reißt auch Kinder mit, die eher etwas gehemmt sind und nicht die Figur von Topmodels haben." Für den Schulleiter ein Beispiel, was Menschen mit und ohne Handicap voneinander lernen können. Das ist sein Credo - und eine Botschaft für das Messepublikum auf den Fildern. Aber für Schnell gibt es noch eine zweite Botschaft, die Laura Brückmann verkörpert. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, dass es für Menschen mit Handicap nach der Schulzeit weitergehe, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft finden. Darauf macht Schnell seine Schüler und die Öffentlichkeit derzeit auch mit einer anderen Aktion aufmerksam. Er hat eine Fotoausstellung von Menschen mit geistiger Behinderung an seine Schule geholt, die erfolgreich und mit unbändiger Lebensfreude bei den Special Olympics ins Rennen gingen. Noch bis Mitte Juli sind die Bilder in der Aula zu sehen.

Laura Brückmann ist schon als Schülerin im Fernsehen gekommen, erzählt Schnell, damals als Wunschkind Laura im Kreis ihrer Familie. Er hat noch vor Augen, wie sie mal zehn Minuten zu spät in die Schule gekommen ist und mit einem Lachen darüber hinwegging - auch davon könne man lernen. Sie gehörte damals zum ersten Jahrgang mit Inklusion und bringt heute ihrer alten Schule Glanz. Längst ist sie eine Künstlerin mit Auftritten in ganz Deutschland. Nächsten Monat steht sie in Bad Boll vor der Kamera, verrät Schnell, da wird wieder ein Film über sie gedreht.

Ein Auftritt bei der Didacta - das ist eine Premiere für die Heinrich-Schickhardt-Schule. Sie hat sich erstmals beworben, übrigens mit mehreren Beiträgen, und landete mit dem Ausdruckstanz einen Volltreffer. "Wir sind richtig stolz und freuen und drauf", sagt Schnell. Er kann von seiner Schule sagen: "Bad Boll kennt man im Ländle". Jetzt werde das noch ein bisschen ausgebaut.

Und dies mit einem prominenten Platz. Gleich nach der Eröffnung am Dienstag Vormittag, von 10.30 bis 11.15 Uhr, nimmt Laura Brückmann die mitgereisten Fünftklässler "auf eine Entdeckungsreise in den Bereichen Körpergefühl, Selbstwahrnehmung und Tanz" mit, wie es im Programm heißt. Und zwar im Gläsernen Klassenzimmer, dem Stand des Kultusministeriums auf der Messe. Die Bad Boller bringen den ersten Beitrag zur Inklusion, eines von sechs Top-Themen von Dienstag bis Samstag.