Wissen Vom Giftcocktail zur Erfrischung

Im alten Wasserwerk stammen die Kolbenpumpen aus dem Jahr 1881.
Im alten Wasserwerk stammen die Kolbenpumpen aus dem Jahr 1881. © Foto: Jochen Horndasch
Bad Überkingen / Jochen Horndasch 13.09.2018

 „Der Genuss von Trinkwasser ist gesund“, sagte Martin Pulvermüller, Wassermeister der Wasserversorgung Ostalb mit Sitz in Gerstetten, den Anwesenden beim „Sommer der Ver-Führungen“ im Wasserwerk von Bad Überkingen.

Das war nicht immer so. Wasser war auf der Alb bis vor rund 140 Jahren ein wahrer Giftcocktail, verantwortlich für Cholera, Ruhr, Typhus und Epidemien. Es wurde oft über die strohgedeckten Dächer der Bauernhäuser in Dachbrunnen gesammelt, die mit Lehm abgedichtet waren. Die gelbe bis kaffeebraune Brühe wurde mangels eines besseren Getränks gegen den Durst getrunken. Und die Wasserqualität in den Hülen unterschied sich nur wenig von Jauche und war selbst für das Vieh eine Zumutung. Lediglich das mit Fuhrwerken aus dem Tal angelieferte Nass war einigermaßen genießbar. Allerdings war für 20 Liter der Tageslohn eines Knechts fällig.

„Erst durch das Engagement und den Einsatz des königlichen Hofbaurats Karl von Ehmann, der im Jahr 1880 ein Gesamtkonzept für die Wasserversorgung plante und verwirklichte, veränderte sich das Leben der Menschen auf der Alb grundlegend“, sagte Pulvermüller, der mit seinem Kollegen Steffen Nagel durch das Wasserwerk führte.

Vorher trafen sich die Tour-Teilnehmer an Hausens Sportplatz, beim ersten von drei Pumpwerken, in denen Grundwasser gesammelt wird. Im Pumpwerk Hausen laufen 32 Kubikmeter in der Stunde zusammen und aus der wenige hundert Meter davon entfernten Grube Karl, einem ehemaligen Bergwerksstollen, kommen weitere 52 Kubikmeter ins Wasserwerk Überkingen. Aus der dritten und letzten Anlage zur Wassergewinnung, der sogenannten Sickergalerie, direkt beim Wasserwerk stammen weitere 36 Kubikmeter.

Doch bevor das gesammelte Rohwasser den hohen qualitativen Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht, durchläuft es im Wasserwerk zwei mit 40 Kubikmeter Quarzsand gefüllte Filterkessel. Dort werden die Schwebstoffe herausgeholt. Weitere Verunreinigungen wie Kolibakterien und Keime werden mit Chlor abgetötet. Erst dann wird das Reinwasser durch elektrisch betriebene Kreiselpumpen auf die Albhochfläche in die Hochbehälter Bad Überkingen, Oberböhringen, Aufhausen und Hausen gepumpt. Vom Hochbehälter geht’s dann in das Ortsnetz, das von den jeweiligen Gemeinden in Eigenregie betrieben wird.

Neben Bad Überkingen betreibt die Wasserversorgung Ostalb zwei weitere Wasserwerke, in Bolheim unweit von Heidenheim und in Eybach. Mit diesen drei Anlagen wird ein 500 Quadratkilometer großes Gebiet versorgt in dem 46 000 Einwohner rund 2,3 Millionen Liter Trinkwasser pro Jahr verbrauchen. „Gemessen an der an Fläche sind wir der drittgrößte Regionalversorger in Süddeutschland“, sagt Pulvermüller.

Das 1990 fertiggestellte Wasserwerk Bad Überkingen gehöre zu den modernsten Anlagen im süddeutschen Raum. Mit Hilfe  einer elektronischen Steuerung und Überwachung werden auf einer mit Mosaikbausteinen zusammengesetzten Warte alle Betriebsabläufe haarklein dargestellt und von Computern überwacht. Das Kontrastprogramm dazu befindet sich nur wenige Meter entfernt im alten Wasserwerk. Dort ist alles noch so wie im Jahr 1881, als die Anlage in Betrieb ging.

In dem restaurierten Backsteingebäude, das seit 2005 ein technisches Museum ist, erhalten die Frauen und Männer einen faszinierenden Einblick in die Gründerzeit der Wasserversorgung. Die beiden Kolbenpumpen mit ihren vier Zylindern hatten eine Förderleistung von 40 Kubikmeter in der Stunde und transportierten das Wasser mit einem Druck von 30 bar auf die 300 Meter höher gelegene Albhochfläche. Bis 1992 war das Werk in Betrieb, wobei der Antrieb der Pumpen schon früh durch eine Dampfmaschine und später durch einen Elektromotor ersetzt wurde.

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