Der Modellfliegerclub Heiningen kämpft um eine Aufstiegsgenehmigung für erlaubnispflichtige Modellflugzeuge auf seinem Fluggelände. Weil das seit 25 Jahren genutzte Plätzchen an der Heininger Steige in einem kürzlich von der EU ausgewiesenen Vogelschutzgebiet liegt, befand die Naturschutzbehörde des Landratsamts, dass der Flugbetrieb mit größeren Modellen nachteilige Auswirkungen auf das Brutverhalten und die Population der Vögel habe. Daraufhin versagte das Regierungspräsidium (RP) die Genehmigung, auch eine Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart brachte kein anderes Ergebnis.

Unterstützt vom Bundesverband klagten die Modellflieger daraufhin bei der höchsten Instanz in Baden-Württemberg, dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim. Dessen 12. Senat machte sich nach Heiningen auf, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Der Vorsitzende Richter Karlheinz Schenk setzte auf einen Kompromiss. In keinem der beiden Gutachten werde deutlich, dass der leichte Artenschwund einzig auf die Modellfliegerei zurückzuführen sei, erklärte er. Nirgends werde der ständig zunehmende Verkehr und das nahegelegene Müllheizkraftwerk erwähnt, die Auswirkungen auf die Population haben könnten. Schenk wollte von den Vertretern des RP und der Naturschutzbehörde wissen: "Können Sie sich ein Entgegenkommen vorstellen?" Peter Arndt, Amtsleiter der Naturschutzbehörde, machte klar: "Ein Kompromiss ist aus unserer Sicht unmöglich." "Ein Kompromiss ist nie unmöglich", erklärte Schenk leicht verärgert und wollte die Angelegenheit nicht auf die lange Bank schieben.

Ein Obergutachten, das ein Beobachten der Situation über mehrere Jahre erfordere und dem Verlierer hohe Kosten verursache, sei das Schlimmste, was herauskommen könne. Schenk ließ auch Heiningens Bürgermeister Norbert Aufrecht zu Wort kommen. Der erklärte, dass in dem Gebiet auch der Wertstoffhof und Wochenendgrundstücke angesiedelt seien. Zudem werde dort intensive Landwirtschaft betrieben und es seien viele Spaziergänger und Radfahrer unterwegs. "Ruhe herrscht hier schon lange nicht mehr, ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Flugbetrieb in bescheidenem Maße eine Rolle spielt."

Vor Ort im Grünen versuchte der Senat nochmals, einen Kompromiss herbeizuführen. "Einigt euch jetzt", forderte Richter Schenk die Beteiligten auf. Der Verein, ohne den die Wiese längst Ackerland wäre, zeigte sich hinsichtlich von Startzeiten und -häufigkeiten kompromissbereit, doch die Naturschutzbehörde pochte auf eine neue FFH-Verträglichkeitsprüfung. Der Anwalt der Flieger bot eine zusätzliche Aussage eines der bisherigen Gutachter über Auswirkungen des Flugbetriebs an. Der Senat entschied: "Das Büro für Faunistik in Köln trifft auf der Datenbasis von 2007 eine Aussage zu Auswirkungen eines erweiterten Flugbetriebs. Die Entscheidung wird den Beteiligten mitgeteilt, jedoch nicht vor dem 16. August."

Ein Hoffnungsschimmer für den Modellfliegerverein? Auf jeden Fall schienen die Richter den Außentermin und die Aussicht auf die drei Kaiserberge zu genießen. "Das ist richtig schön hier", meinte Schenk und nahm sich vor, bald ohne Robe in die Gegend zu kommen.