Windkraft Windpark Wangen: Vögel werden erneut gezählt

Wangen / Dirk Hülser 15.01.2018
Investoren des Windparks bei Wangen geben nach der Untersuchung einer Bürgerinitiative ein zweites Gutachten in Auftrag.

Ob der Windpark auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots bei Wangen im Schurwald kommt, ist weiter offen. Sicher ist aber, dass eine mögliche Genehmigung und Inbetriebnahme sich verzögern. Das Bauherren-Konsortium hat nun bekanntgegeben, in diesem Jahr zuerst einmal mit einem zweiten Gutachten das Aufkommen bestimmter Vogelarten zu untersuchen.

Hintergrund ist ein Gutachten, das Windkraftgegner in Auftrag gegeben hatten und das im August vergangenen Jahres fertiggestellt wurde. Demnach befindet sich in einem  3300-Meter-Radius um die bis zu vier geplanten Windräder an der Grenze zum Rems-Murr-Kreis ein Dichtezentrum für den Rotmilan. Im 1000-Meter-Radius gebe es außerdem Brutvorkommen des Schwarzmilans, des Wespenbussards und des Baumfalken.

Die „Unternehmenskooperation zum Windvorranggebiet GP-03“ – sie besteht aus der Energieversorgung Filstal sowie den Stadtwerken Fellbach und Schorndorf – reagiert nun auf dieses Gutachten: „Im Vergleich zu den ursprünglichen Untersuchungen aus dem Jahr 2015 deuten die Ergebnisse dieser Kartierung auf ein aktuell höheres Aufkommen windkraftempfindlicher Vogelarten hin.“ Das Konsortium will nun mit der neuen Prüfung „Planungssicherheit und Klarheit“ erlangen. Die Ergebnisse der Untersuchungen würden für Herbst dieses Jahres erwartet.

Das Gutachten der Windkraftgegner war vom Verein „Lebensraum Östlicher Schurwald“ in Auftrag gegeben worden, ein Drittel der Kosten von mehr als 12­.000 Euro übernahm die Gemeinde Adelberg. Nach der Veröffentlichung bescheinigte der Verein dem Artenschutzgutachten des Konsortiums „substanzielle Mängel“.

Das will der Umweltdezernent des Rems-Murr-Kreises – dessen Landratsamt muss den Windpark genehmigen – so nicht stehen lassen. „Bei Gutachten würde ich nicht von falsch oder richtig sprechen“, sagt Peter Zaar. Es gebe schlechte Brutjahre, so wie das von den Stadtwerken untersuchte. Da habe es viel geregnet und sei kalt gewesen, Greifvögel hätten sehr schlechte Bruterfolge gehabt. „Das hat sich im ganzen Land beobachten lassen.“

Umso mehr begrüßt Zaar, dass nun erneut kartiert wird: „Ich finde es sehr schön, dass bei der Bürgerinitiative und dem Antragssteller der Wille da ist, aufzuklären.“ Dann könne seine Behörde auch auf „wirklich gesicherter Basis“ entscheiden. Die Pressesprecherin der Energieversorgung Filstal (EVF), Soja Paunowa, geht nicht davon aus, dass nun die Chancen auf Realisierung des Windparks sinken. Allerdings werde das neuerliche Gutachten den Zeitplan durcheinanderbringen: Mit rund einem Jahr Verzögerung sei zu rechnen, sagt sie.

„Wir warten das Gutachten jetzt natürlich ab“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Adelberger Vereins, Gemeinderätin Sabine Beißwenger. Wenn es vorliege, werde der Verein es anfordern und prüfen. Dennoch zeigt sich Beißwenger verwundert: „Ich tue mich schwer damit, dass die nochmals ein Gutachten machen und wieder Geld in die Hand nehmen.“ Denn in der Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde des Rems-Murr-Kreises zur Expertise des Vereins sei festgestellt worden, „dass sie einem neuen Gutachten keine große Chance einräumen“.

4 Vogelarten

Vogelarten, die empfindlich auf Wind­räder reagieren, hat der Gutachter gezählt, der seine Expertise im Auftrag des Vereins „Lebensraum Östlicher Schurwald“ und der Gemeinde Adelberg erstellt hat. Demnach leben rund um das ehemalige Bundeswehrdepot der Rot- und Schwarzmilan, Wespenbussard und Baumfalke.

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