Gosbach Visionen dürfen nichts kosten

Es bleiben auch etliche Plätze frei: 120 Bürger kommen zur ersten Bürgerversammlung in Gosbach unter dem neuen Bürgermeister Herbert Juhn.
Es bleiben auch etliche Plätze frei: 120 Bürger kommen zur ersten Bürgerversammlung in Gosbach unter dem neuen Bürgermeister Herbert Juhn. © Foto: Bernward Kehle
Gosbach / BERNWARD KEHLE 27.11.2015
Am Mittwoch fand die erste Bürgerversammlung mit Bad Ditzenbachs neuem Bürgermeister Herbert Juhn statt. 120 Bürger in der Gosbacher Turnhalle erfuhren vor allem eines: Die Gemeinde muss weiter sparen.

Gleich zu Beginn bat der neue Bürgermeister erst um Verständnis, wenn "das eine oder andere nicht so gut läuft". Obwohl schon sieben Monate Schultes in Bad Ditzenbach, sei seine Einarbeitung noch nicht abgeschlossen: "Das dauert seine Zeit."

Der Schultes startete mit einem Rückblick: Schon einiges sei gelaufen. So wurden im Bauhof zwei Stellen gestrichen. Die Haushaltslage sei aber weiter angespannt, das Landratsamt wolle der Finanzplanung von 2016 bis 2018 so nicht zustimmen. Nur zwei Investitionen könne man stemmen: das Gewerbegebiet "Sänder Nord" und das neue Feuerwehrfahrzeug. In einer Klausurtagung habe der Gemeinderat Einsparungen beschlossen. So gebe es keine Geschenke an Mitarbeiter und Gemeinderäte mehr. "Ein bisschen stolz" war Juhn, dass die Überdachung des Marktcafés statt der erwarteten 20 500 Euro durch den ehrenamtlichen Einsatz von Gemeinderäten und dank Spenden nur noch 3000 Euro gekostet hat. Der Bürgermeister streifte noch die Route der Industriekultur, die "Bad Ditzenbach App" und das Gewerbegebiet "Sänder Nord". Dort wolle Edeka erweitern, was jedoch nicht so schnell umsetzbar sei.

Zur aktuellen Lage berichtete Juhn zunächst über Flüchtlinge: Derzeit sind in der Hauptstraße 35/38 in Bad Ditzenbach 16 Asylbewerber untergebracht, außerdem 16 junge Syrer in einer Wohnung über der ehemaligen Abfüllanlage der Vinzenz-Klinik. Dort stehe eine weitere Wohnung zur Verfügung. Der Landkreis fordere aber noch mehr Wohnraum in Bad Ditzenbach. 61 Plätze sind geplant. Darüber hinaus ist der "Tourismusbeirat" wieder ins Leben gerufen worden, der alle zwei Monate tagt. Kurz vor dem Abschluss stehe auch der Kauf des katholischen Gemeindehauses, wo die Kommune ein "Bürgerhaus" einrichten will.

Unterstützt vom Bauhof haben FTSV-Mitglieder die Turnhalle in Eigenleistung saniert, wodurch erheblich Kosten gespart wurden. "Der Kontakt mit den Vereinen ist mir sehr wichtig", betonte der Schultes. Hier könne aber nicht nur gefördert, sondern müsse auch gefordert werden. Lobend erwähnte Herbert Juhn, dass die Musikkapelle sich im neuen Bürgerhaus mit Eigenleistungen einbringen will.

Bei den "Zukunftsprojekten" sprach der Bürgermeister den Bau der neuen, 3,6 Millionen Euro teuren Turnhalle an. Zukunft auch deshalb, weil die Gemeinde derzeit nicht in der Lage sei, so ein Projekt finanziell zu stemmen. Die nächsten ein bis zwei Jahre sei das nicht finanzierbar. Juhn bat die Bürger um Verständnis, zumal noch zwei offene Verfahren der Gemeinde zu schaffen machen: Zum einen die von der Stadt Geislingen geforderte Beteiligung an der Sanierung des Michelberg-Gymnasiums. Aus Bad Ditzenbach besuchen das MiGy 40 Schüler, für jeden forderte Geislingen zuletzt 10 000 Euro. Wie berichtet, haben die Umlandgemeinden dagegen eine Sammelklage erhoben. Zum anderen bereitet dem Gemeinderat das Gewerbegebiet Sänder-Nord Bauchschmerzen, da dort die Erschließung ansteht.

Darüber hinaus denke man über eine Jugendkonferenz nach, in der Jugendliche ins Gemeindegeschehen eingebunden werden sollen. Außerdem soll die Lokale Agenda im Rahmen einer Kreativwerkstatt neu belebt werden. Juhn will auch eine Bürgerstiftung ins Leben rufen, Friedhofskonzepte in allen Ortsteilen schaffen und zwei neue Wohngebiete realisieren. In Auendorf ist es Wettenbach-Süd, in Bad Ditzenbach Klingenbrunnen-Nord.

"Zukunftsprojekte sind für mich Visionen", meinte Juhn. Er denkt dabei an die "Erlebbarkeit der Fils", an den Breitbandausbau, Mobilfunk für Auendorf, die weitere Sanierung der Hiltenburg, an die Albvereinshütte und an das Naturgenusszentrum, wo eine Infostelle Streuobstparadies geschaffen werden soll.

Mit Fragen von Gosbachern über den desolaten Zustand der Schulstraße und der darüber liegenden Hochspannungsleitungen, einem Dorfentwicklungsplan zur Finanzierung der anstehenden Aufgaben, dem Bau der Turnhalle und dem Albaufstieg endete die sachlich und fair verlaufende Bürgerversammlung. Dabei schlug ein Gosbacher vor, dass der Gemeinderat neben Geschenken doch auch auf die Sitzungsgelder für den Gemeinderat verzichten könne. Dies habe der damalige Gosbacher Gemeinderat auch getan, als der Neubau der Turnhalle anstand.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel