Eschenbach/Deggingen Viele Fragen zum Birkhof-Areal

Eschenbach/Deggingen / Claudia Burst 13.02.2018
140 Bürger interessieren sich für das Degginger Baugebiet Birkhof. Es gibt Infos, aber auch Kritik wegen des Lärmschutzes.

Im Degginger Neubaugebiet Birkhof sollen 45 Bauplätze entstehen. „Die Bauplätze werden nicht billig. Dafür haben wir schon jetzt zu viel Geld in die Planungen gesteckt“, sagte Bürgermeister Karl Weber den 140 Besuchern bei einem Infoabend im Degginger Bürgerzentrum. Dabei war dem Schultes sein Frust anzumerken. Frust darüber, dass seit dem Aufstellungsbeschluss zum Baugebiet Birkhof im Gemeinderat bereits 36 Monate vergangen sind – „Monate voller Gespräche mit Behörden, Auflagen, Diskussionen im Gemeinderat, neue Planungen, neue Auflagen“, erklärte Karl Weber, bevor er Manfred Mezger vom Stadtplanungs-Büro „mquadrat“ das Wort übergab.

Der schaffte es, seine Zuhörer mit den Fakten zum neuen Baugebiet, das am Ortseingang von Deggingen aus Geislingen kommend parallel zur B 466 liegen wird, eine Stunde lang zu faszinieren. Immerhin gehörte fast die Hälfte der Besucher zu den insgesamt beinahe 100 Interessenten für einen Bauplatz.

Vergabekriterien noch unklar

Allerdings wird es dort auf 3,5 Hektar nur 45 Bauplätze geben, die unterschiedlich groß sind. Nach welchen Kriterien die Bauplätze vergeben werden, steht noch nicht fest. Dies müsse noch im Gemeinderat diskutiert werden. „Aber erfahrungsgemäß sind es am Ende bei Weitem nie so viele tatsächliche Interessenten, wie es sich anfangs darstellt“, beruhigte er.

Das Baugebiet wird eingeteilt in eine etwa 1,75 Hektar große Misch­fläche nahe der Bundesstraße, in dem kleinere Gewerbe sowie Büro- und Geschäftsgebäude möglich sind sowie ein reines Wohngebiet dahinter. „Angeschlossen wird das Gelände über einen Kreisverkehr mit 35 Metern Durchmesser auf Höhe der Jahnstraße“, informierte Manfred Mez­ger und erntete dafür hörbar geflüsterte Zustimmung. Vor allem, als er die Hoffnung äußerte, dass sich durch den Kreisverkehr auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge in den Ort – und damit die Lärmbelästigung der Anwohner – reduziert.

Die Haupterschließungsstraße wird sowohl einen Parkstreifen als auch einen Gehweg erhalten. Zur Sonnenhalde hin gibt es für die Bewohner keine Durchfahrtsmöglichkeit, sondern eine Wende­platte. Mit der Gartenstraße soll die neue Wohnstraße verbunden werden, jedoch ohne dass die Gartenstraße dafür verbreitert wird. Dies sorgte bei einigen Bewohnern der Gartenstraße für Unmut. „Ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie das gehen soll. Die Straße ist am Ende doch so schmal“, sagte beispielsweise Angelika Dombrowski.

Umsiedlung von einer Eidechse

In seinen Überlegungen machte Manfred Mezger deutlich, welche Herausforderungen es in Bezug auf gesetzliche Vorgaben gegeben hatte. Zwei mögliche Bauplätze etwa waren wegen möglicher Überflutungsgefahr in Extremzeiten weggefallen. Viel Zeit müsse jetzt im Frühjahr dafür aufgewendet werden, um die eine Zauneidechse, die hier gefunden wurde und die unter Artenschutz stehe, umzusiedeln. „Wir müssen ihr am Klingelgraben ein neues Heim schaffen. Dort muss sie aber freiwillig hin“, sagte der Stadtplaner.

Sechs Meter hoher Lärmschutz?

Ein weiteres Problem sei der Lärm der Bundesstraße. Aktive Lärmschutzmaßnahmen seien nicht möglich, „weil das Baugebiet höher liegt als die Straße. Das heißt, eine Wand müsste sechs Meter hoch sein“, erläuterte Mez­ger. Deshalb würden im Bebauungsplan passive Maßnahmen wie etwa spezielle Schallschutzfenster vorgeschrieben.

Dieses Problem ärgerte in der Fragerunde am Ende die meisten der Zuhörer. „Ich finde es gut, wie das Wohngebiet geplant ist. Aber dass es keine aktive Lärmschutzmaßnahme geben soll, finde ich schade. Ich bin überzeugt, wenn man nach einer Lösung sucht, würde man auch eine finden“, meinte etwa Christof Inger, der sich für einen Bauplatz interessiert. Bashkim Dajaku fand die Veranstaltung „sehr gut organisiert, alle meine Fragen wurden beantwortet“. Der Landschaftsgärtner interessiert sich für ein Baugebiet im Mischgebiet.

Das sollten Interessenten wissen

Zwischen 500 und etwa 600 Quadratmeter groß werden die Bauplätze sein.

Die Firsthöhe wird auf 7,50 Meter begrenzt.

Zwei Parkplätze sind pro Wohnung vorgesehen. Bei zwei Wohneinheiten in einem Haus sind drei Stellflächen vorgesehen.

Sattel- und Flachdächer sollen erlaubt werden, Pult- oder Walmdächer oder Ähnliches aber nicht.

Maximal zwei Wohneinheiten sind  pro Haus erlaubt.

Ob eine engere Bebauung wie bei Doppel- oder eventuell Reihenhäusern erlaubt wird, steht noch nicht fest.

Mindestens ein Baum soll auf jedem der geplanten Bauplätze in Richtung zur Straße stehen.

Fragen und Vorschläge der Besucher

Das Überqueren der B466 am Kreisverkehr zu den dort geplanten Omnibushaltestellen ist gefährlich, ist ein Steg über die Straße möglich? Darüber hatten sich die Planer noch keine Gedanken gemacht, es wird diskutiert, wäre aber auf jeden Fall teuer und wegen Barrierefreiheit schwierig umzusetzen.

Wie viel Fläche des Grundstücks darf bebaut werden? 40 Prozent (ohne Garage oder Schuppen, im Mischgebiet 60 Prozent).

Warum wird nur eine kleine Fläche im Zentrum als Quartiersmitte mit wenigen Spielmöglichkeiten geplant und nicht etwa die weggefallenen Bauplätze im Vielleicht-Überschwemmungsgebiet? Dort ist wegen gesetzlicher Vorgaben auch kein Spielplatz erlaubt.

Was, wenn mehrere Interessenten denselben Bauplatz wollen? „Dann hat der Erstbewerber das Vorrecht“, erklärt Karl Weber.

Ein Glasfaseranschluss ist geplant.

Gibt es einen Gas-Anschluss? Kommt auf die Entscheidung des Energieversorgers an.

Ein höheres Verkehrsaufkommen in der Gartenstraße befürchten einige der Anwesenden: „Wir halten die Auswirkungen für angemessen“, betont Planer Manfred Mezger.