„Die Politik allein hätte das nicht geschafft“: Der Eislinger Oberbürgermeister Klaus Heininger bekundete in der Gemeinderatssitzung am Montagabend all jenen seinen Respekt, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert haben. „Was in all den Jahren auf ehrenamtlicher Basis geleistet wurde, ist enorm“, sagte Heininger. Gleichzeitig bescheinigte er den beiden seit knapp einem beziehungsweise halben Jahr bei der Stadt beschäftigten Integrationsmanagern, die Flüchtlingsarbeit auf einen guten Weg gebracht zu haben. „Sie tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass der soziale Friede in unserer Stadt ist wie er ist“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ulrike Haas zur Arbeit der Manager.

Renate Völlinger und ihr Kollege Veit Hagl beraten die in Anschlussunterbringung lebenden Flüchtlinge und klopfen ab, was notwendig ist, damit diese in Eislingen Fuß fassen und selbstständig ihren Alltag bewältigen können. 818 Beratungsgespräche haben die Mitarbeiter (1,5 Stellen) seit März 2018 geführt, 106 Integrationspläne erstellt. Das Fazit nach fast einjähriger Tätigkeit fällt zum Teil ernüchternd aus.

Der Stadt Eislingen bescheinigen die Integrationsmanager Strukturen und Angebote, die den Menschen das Einleben erleichterten. Das einmal wöchentlich geöffnete Café Asyl werde rege besucht, heißt es in der Sitzungsvorlage. Neben den Integrationsmanagern seien auch die ehrenamtlichen Helfer des Eislinger Bündnisses für Flüchtlingshilfe in die Betreuung der Menschen eingebunden. Geräuschlos und unkompliziert verlaufe die Belegung der ehemaligen Gemeinschaftsunterkunft an der Ulmer Straße, wo jetzt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wohnen.

Größte Hemmnisse bei der Integration seien Sprache und Bildung. Der Großteil der Geflüchteten sei nach westlichen Standards ungebildet. „Die meisten Männer haben nur zwischen drei und sechs Jahren eine Schule besucht“, erklärte Völlinger in der Sitzung. Insbesondere die Mathematikkenntnisse reichten bei den meisten nicht aus, um eine Ausbildung zu machen. Auch mit dem Erlernen der deutschen Sprache tun sich viele schwer. „Beim B1-Niveau sind die meisten überfordert“, aber selbst dieses Level reiche nicht für die Berufsschule.

Viele Flüchtlinge seien hochmotiviert nach Deutschland gekommen und hätten Sprachkurse besucht. Allerdings verlernten vor allem Frauen die Kenntnisse wieder, weil regelmäßige Sprechkontakte fehlten und sie sich nicht trauten, zu sprechen. Dem wird in Eislingen nun gegengesteuert. Die Integrationsmanager haben ehrenamtlich betreute Gruppen initiiert, in denen die Flüchtlinge zum Sprechen animiert werden sollen, um ihr Deutsch zu verbessern.

Damit die Menschen in Deutschland arbeiten und ihren Lebensunterhalt bestreiten können, bedürfe es weiterer Anstrengungen, lautet das Fazit der Integrationsmanager, deren Bericht mit einem Appell schließt: Es brauche noch einmal einen Anlauf wie 2015/16, „als alle kamen und jeder sie willkommen hieß“ – alllerdings auf neuen Feldern wie gezieltes Coaching und Hilfe zur Selbsthilfe.

Die meisten sind aus Syrien geflüchtet


Zahlen In Eislingen leben 344 Flüchtlinge, darunter 214 Kinder und Jugendliche (97 unter 14 Jahren und 117 im Alter von 15 bis 18 Jahren).

Nationalitäten Die größte Gruppe sind die Syrer (160), gefolgt von Irakern (33), Afghanen (28) und Gambiern (21). 30 Menschen stammen aus anderen Nationen.

Asylstatus 138 der in Eislingen lebenden Flüchtlinge genießen Schutz und haben eine Aufenthaltserlaubnis. Von 75 Menschen liegen keine Daten vor.

Unterbringung 281 der Geflüchteten sind auf dem privaten Wohnungsmarkt untergekommen, 54 leben in Gemeinschaftsunterkünften und 9 wurden von der Stadt untergebracht.

Sprachniveau 27 haben Deutschkenntnisse auf dem Level A1/A2, 23 B1/B2 und 47 weniger als A1. Von 246 Flüchtlingen liegen keine Daten vor, elf sind Analphabeten.