Kreis Göppingen Tote in Göppinger Klinik: Leichen wurden obduziert

Die Klinik am Eichert in Göppingen.
Die Klinik am Eichert in Göppingen. © Foto: dpa
Kreis Göppingen / Susann Schönfelder 24.09.2018
Nach der Verwechslung von Infusionen in der Klinik am Eichert wurden die beiden Leichen am Montag obduziert. Die Ermittlungen laufen.

Noch immer stehen die Klinikleitung und die Mitarbeiter unter Schock: Wie konnte es einer erfahrenen Krankenschwester in der Göppinger Klinik am Eichert passieren, zwei völlig verschiedene Infusionslösungen zu verwechseln? Licht ins Dunkel soll die Obduktion der beiden Patienten bringen, die in der Nacht auf Mittwoch durch den verhängnisvollen Vorfall starben.

Die anatomische Untersuchung, die dazu dient, die genaue Todesursache festzustellen, fand am Montag statt. Mit Ergebnissen könne frühestens am Dienstag gerechnet werden, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Adamski von der Staatsanwaltschaft Ulm. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren: „Wir sind dabei, Vernehmungen zu machen.“ Beabsichtigt sei, auch die betroffene Krankenschwester zu befragen. „Ob sie etwas sagt, muss man sehen, sie ist ja dazu nicht verpflichtet“, betont Adamski. Gegen die Frau wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt.

Die Krankenschwester hatte in der Nacht auf Mittwoch offenbar sechs Patienten versehentlich statt einer harmlosen Kochsalzlösung eine Infusion mit einem lokalen Betäubungsmittel gegeben, das nicht intravenös verabreicht werden darf. Mit schlimmen Folgen: Zwei Patienten, eine 62-jährige Frau und ein 78 Jahre alter Mann, starben.

Überwachte Patienten wohlauf

Die vier überlebenden Patienten wurden vorsorglich auf der Intensivstation überwacht – genauso wie ein weiterer Patient, bei dem nicht klar war, ob er ebenfalls das falsche Medikament bekommen hatte. „Zwei der fünf Patienten konnten bereits am Freitag entlassen werden. Die anderen drei Patienten befinden sich noch aufgrund ihrer Grunderkrankung zur Behandlung auf einer Normalstation“, teilt Christiane Karrar, Pressesprecherin der Alb-Fils-Kliniken, mit. Keiner der Patienten habe gesundheitliche Folgeschäden davon getragen.

Unterdessen gibt es erste Solidaritätsbekundungen für die betroffene Pflegekraft. Carolyn Thomas von der „Mobilen Praxis Sonnenschein“, selbst Gesundheits- und Krankenpflegerin, ruft dazu auf, „für die Patienten und auch für meine Kollegen jetzt aktuell nicht wegzuschauen“. Ihrer Ansicht nach sei es wichtig, „dass alle Pflegekräfte im Umkreis aufstehen und Solidarität zeigen für diese arme Kollegin, der nach 25 Jahren, vielleicht aus Erschöpfung, einfach auch mal ein Fehler passiert ist“. Sie will eine Versammlung initiieren und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

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