Alles im grünen Bereich – so zumindest lautet die Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zur hausärztlichen Versorgung in Eislingen. Auf Antrag der Freien Wähler stand dieses Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Die Stadt hat das Thema schon länger auf dem Schirm, erklärte Oberbürgermeister Klaus Heininger, immer wieder seien in den vergangenen Jahren Anläufe unternommen worden, weitere Ärzte in der Großen Kreisstadt anzusiedeln. Denn viele Bürger empfänden die Lage als angespannt und klagten, darüber, in Eislinger Praxen nicht unterzukommen.

Eislingen im Mittelbereich

„Eislingen ist noch ausreichend versorgt“, betonte Ilka Latuske, Leiterin der Niederlassungsberatung der KV Baden-Württemberg. Was die Zahl der niedergelassenen Ärzte betrifft, zählt Eislingen rechnerisch zum Mittelbereich Göppingen. Weder hier noch in Baden-Württemberg könne von einer Unterversorgung die Rede sein. Aber die KV-Vertreterin räumte auch ein, dass die Zahl der niedergelassenen Ärzte stark abnehme und aufgrund der Altersstruktur der Mediziner in den kommenden Jahren weitere Praxisschließungen zu erwarten seien.

Noch zehn Hausärzte in Eislingen

In Eislingen ist dieser Wandel spürbar. „Seit ich 1990 angefangen habe, hat sich die Anzahl der Praxen halbiert“, berichtet Dr. Georg Mates, mit 66 ältester und dienstältester der mittlerweile noch zehn Hausärzte in Eislingen. Diese sind mit ihren Kapazitäten am Anschlag, wie drei Mediziner übereinstimmen erklären. „Wir haben jeden Tag 30 Anfragen von Patienten die bei uns aufgenommen werden wollen“, berichtet Dr. Michael Schelian, der mit Dr. Marco Höpfner eine Gemeinschaftspraxis betreibt, in der auch noch eine Ärztin arbeitet. Rund 3000 Patienten pro Quartal behandelt das Ärzte-Trio. Das sei mehr als grenzwertig „Wir müssen Patienten ablehnen, obwohl es uns das Herz bricht, weil wir den Menschen ja helfen wollen.“ Jedoch gehe es um die Qualität der Behandlung: „Es bringt ja nichts, wenn man nur noch eine Minute für die Leute Zeit hat.“

Auf rund 2800 Patienten pro Quartal kommen auch Dr. Oliver Bernas und seine in Teilzeit beschäftigte Kollegin Dr. Alexandra Rauch. Das sei gerade noch leistbar, meint Bernas – auch er sieht seine Praxis an der Kapazitätsgrenze. Aber wenn die alljährlichen Infektionswellen anrollten, sei die Grenze der Belastbarkeit schon mal überschritten. „Auch  wir müssen teilweise neue Patienten ablehnen“, sagt Bernas. „Eislinger versuchen wir aber aufzunehmen.“

Viel darf nicht passieren

Verschärft habe sich die Situation in den Eislinger Arztpraxen durch die Erweiterung des Altenpflegeheims St. Elisabeth. Dadurch seien weitere Hausbesuchspatienten zu versorgen, sagt Georg Mates. Zum Glück pflegten die Eislinger Ärzte einen kollegialen Umgang, unterstützten sich gegenseitig und hätten  die zusätzlichen Patienten, die einer intensiven Betreuung bedürften, gerecht aufgeteilt. Die ärztliche Versorgung sei nicht schlecht, so das Fazit des Mediziners, „aber viel darf nicht passieren“, meint Mates und sieht durchaus Bedarf für eine weitere Praxis, „die wäre auch gut beschäftigt“.

Eine weitere Praxis für Allgemeinmedizin soll im Bauprojekt „Drei Kaiser“ an der Stuttgarter Straße kommen. „Wir gehen davon aus, dass in Kürze der bereits besprochene und mittlerweile auch schon zu Papier gebrachte Mietvertrag unterzeichnet sein wird“, erklärt Sylvia Gairing vom Bauträger Immobilien-Marquardt. Aktuell gebe es noch  zwei Flächen, die ebenfalls als Praxisräume geeignet seien.

Medizinische Versorgung ändert sich

Die Stadt habe darauf gedrängt, dass in dem Neubauprojekt Arztpraxen eingerichtet werden,  berichtet OB Heininger. Die Information über die Ärztesituation im Gemeinderat solle nur ein Auftakt gewesen sein, um tiefer in die Materie einzusteigen. Heininger sieht Bedarf an weiteren Haus- und Facharztpraxen, vor allem ein Kinderarzt steht auf der Wunschliste. Der Vorsitzende der Kreisärzteschaft, Dr. Frank Genske, riet den Stadträten, am Ball zu bleiben. „Wir müssen uns alle darauf einstellen, dass die medizinische Versorgung sich ändert.“

Rein rechnerisch gibt es keine Unterversorgung bei Hausärzten


Ärzte Aktuell sind nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Eislingen in fünf Hausarztpraxen insgesamt zehn Mediziner (Voll- und Teilzeit) zugelassen.

Versorgung Als ausreichende Versorgung gilt nach bundesweiten Vorgaben  im Mittelbereich Göppingen (27 Kommunen), zu dem Eislingen zählt, ein Hausarzt für 1652 Einwohner. Der Bereich sei ausreichend mit Hausärzten versorgt, der Versorgungsgrad liegt laut KV bei 92,5 %, von einer Unterversorgung ist erst die Rede, wenn diese unter 75 % liegt.

Rechenspiele Die oben genannten Zahlen sind Durchschnittswerte. In einzelnen Kommunen im Mittelbereich Göppingen, zum Beispiel Lauterstein und Ottenbach, gibt es keine Hausarztpraxis, so dass die Eislinger Mediziner auch viele Patienten aus Ottenbach versorgen.

Praxen Insgesamt sind laut KV im Mittelraum Göppingen zurzeit 16 Hausarztsitze zu vergeben. Über das Aktionsprogramm Landärzte gibt es einen Landeszuschuss bis 30 000 Euro bei Eröffnung einer Praxis in einem unterversorgten Raum. Dazu zählt zum Beispiel Lauterstein.