Wechsel Verscheinsschaffer muss kürzer treten

Heiningen / Jürgen Schäfer 25.07.2018

Er hat einen gesundheitlichen Warnschuss abgekriegt. „Die gelbe Karte“, sagt er. Und so zieht er die Bremse und sagt: „Alles auf Null.“ Der Heininger Ralf Schwantzer (Foto rechts) gibt seine Ehrenämter auf. Im Gemeinderat wurde der SPD-Rat am Montagabend verabschiedet. Im März will er den Vorsitz im Musikverein Heiningen-Eschenbach abgeben. Aber wie es so ist: Zuvor feiert der Verein noch sein Fünfzigjähriges, und so hat Schwantzer gesagt: „Das mach ich noch.“

Der 56-Jährige hat nie Nein gesagt, wenn es Arbeit gab, merkte Bürgermeister Norbert Aufrecht bei der Verabschiedung an. „Sie haben sich unglaublich viel aufgebürdet.“ Ralf Schwantzer war mittendrin und vornedran im Heininger Dorfleben. „Mit Moderation für alle Lebenslagen“, so Aufrecht. Beim Starenfest hat Schwantzer moderiert und beim Rathaussturm der Narren. Das ist alles immer so auf ihn gekommen. Vor acht Jahren war Schwantzer zweiter Vorsitzender des Musikvereins, der erste hörte auf, und so stand er vor der Frage: Soll er einen neuen suchen  oder es selber machen? Einfacher fand er Letzteres. Der Vorsitz brachte es mit sich, dass er dann auch mal fürs ganze Starenfest „den Hut“ aufhatte. Wobei: Er hat ja alles immer gerne gemacht. „Es hat Spaß gemacht.“ Und halt auch Kraft gekostet.

Dass er ein Kirschkernspucker wurde: Familiensache. Seine Frau Petra hat die Heininger Narrenzunft ins Leben gerufen und ist bis heute die Chefin. Ihr Mann war im Ausschuss und „ganz dick mit dabei“, so Aufrecht. Er war ein Vereinsschaffer, angefangen vom Pommes-Brutzeln, und die bekam man von ihm auch am Eschenbacher Martinimarkt. Alles auf Null – geht das? „Bitte hören Sie nicht mit allem auf“, gab ihm der Schultes mit auf den Weg.

Seine Ehrenämter haben sich auch mal überkreuzt. Als er vor neun Jahren anfing im Gemeinderat, war der Proberaum für den Musikverein schon ein dickes Thema, erinnerte Aufrecht. „Wie kriegen wir ihn in die Schule?“ hieß es damals. Ein Raum in der Voralbhalle war auch schon im Gespräch. Heute, Kämpfe später,  ist der starke Verein für gleich zwei Gemeinden ins frühere Heininger Fechterheim, das jetzt Musikerheim heißt, eingezogen. Schwantzer sinniert: Das Lager im Alten Schulhaus, das so geschickt war für alles rund ums Rathaus, ist nun auch mit rübergewandert. Und ist schon wieder bei der Frage: Wie organisiert man das künftig?

Als Gemeinderat hätte er ohnehin aufgehört. Nächstes Jahr, mit Ablauf der zweiten Amtsperiode. Es wären dann 45 Jahre in Ehrenämtern zusammengekommen, wenn man alles addiert, was er so nebeneinander gemacht hat, und dazu zählen auch fünf Jahre als Schriftführer beim FC Heiningen. Aber die Wehmut packte Schwantzer beim Abschied dann schon. Was er künftig mache ohne die Kommunalpolitik – er weiß es nicht. Er lässt mal alles auf sich zukommen.

Für Schwantzer kommt Harald Scherer (Foto unten) – ein Rückkehrer. Er war in der vorigen Amtsperiode schon längere Zeit Gemeinderat und ging bei der Wahl 2014 leer aus, weil die SPD ihre drei Mandate nicht halten konnte.  Jetzt kommt Scherer erneut als Nachrücker, mittlerweile 67 und im Ruhestand.

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