Ebersbach Vermittlerin steht unter Strom

Die Teilzeit-Bäuerin und vielfach ehrenamtlich Aktive Yvonne Birk im Garten in Sulpach.
Die Teilzeit-Bäuerin und vielfach ehrenamtlich Aktive Yvonne Birk im Garten in Sulpach. © Foto: SABINE ACKERMANN
Ebersbach / SABINE ACKERMANN 31.08.2018
Die 60-jährige Yvonne Birk mischt neben Beruf und Familie in vielen Zusammenschlüssen in Sulpach und Ebersbach mit.

Warum es das „Schwarzwaldmädel“ aus Horb am Neckar ins untere Filstal verschlagen hat? Ganz einfach: der Liebe wegen. „Sulpach hat mir gleich gefallen“, verrät Yvonne Birk über den Ebersbacher Teilort, aus dem ihr Mann Eugen stammt und der nun mehr als 30 Jahre ihre neue Heimat ist. Kennengelernt haben sie sich 1986 und bereits ein Jahr später geheiratet. Aus ihren vorherigen Ehen brachte jeder einen Sohn mit, 1988 wurde der gemeinsame Sohn Moritz geboren.

Doch nicht nur in der idyllisch gelegenen 1500-Seelen-Gemeinde fühlte sich Yvonne Birk von Beginn an wohl, auch die bis dato ungewohnte Arbeit in der Landwirtschaft, die als Nebenerwerb betrieben wird, bereitet ihr bis heute Spaß. „Es ist toll mit den Tieren“, bestätigt die Teilzeit-Bäuerin, die sich gerne um ihren überschaubaren Zoo bestehend aus Rindviechern, Milchkühen, Schweinen, Hühnern, Gänsen, Enten und Hasen kümmert.

Sind diese versorgt, geht es nach Uhingen zur Firma Thermohauser, wo sie seit 2000 beschäftigt ist. Ihre Ausbildung zur Handelsfachwirtin hat Yvonne Birk in Freudenstadt absolviert und anschließend als Filialleiterin in einem großen Drogeriemarkt in Balingen gearbeitet. „Ja, ich war tatsächlich mal eine Schleckerfrau“, verrät sie lachend. Rund sieben Jahre lang war sie für die Haushaltswaren zuständig und gibt zu: „Wir gingen damals nicht im Frieden auseinander.“

Inzwischen ist viel Zeit vergangen, das Leben der mittlerweile fünffachen „Mädchen-Oma“, hat sich total verändert. Dass in Sulpach das Brauchtum gepflegt und gelebt wird, ist genauso wenig ein Geheimnis wie die Tatsache, dass Yvonne Birk in vielen Vereinen oder Organisationen tüchtig mitmischt.

Im zweijährigen Rhythmus ehrt die Stadt Ebersbach all die Menschen, die sich im außergewöhnlichen Maße für das Gemeinwohl ehrenamtlich engagieren. Und weil die Auflistung ihres Schaffens besonders reichhaltig ist, wurde auch die umtriebige Schwäbin 2017 mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet.

Begonnen hat im Grunde alles 1991 mit den Landfrauen. „Meine Nachbarin Gertrud hat mich eines Tages mal mitgeschleift“, verrät Yvonne Birk mit einem Schmunzeln. Gerne erinnert sie sich die Sulpacherin an das erste Aufeinandertreffen mit den Landfrauen zurück, besonders deshalb, weil sie sich schnell als ein Teil dieser tollen Gemeinschaft fühlte. Schon ein Jahr später leitete sie die dazugehörige Gymnastik- und Turngruppe, die sich bis heute einmal pro Woche trifft. „Ohne qualitativ hochwertige Ausbildung mit anschließender Prüfung bekommt man keine Lizenz zur Übungsleiterin“, berichtet die Sulpacherin, die sich quasi wie beim Tüv alle zwei Jahre dafür qualifizieren muss.

Und man wundert sich nicht, dass man ihr 1996 auch den Vorsitz des Ortsvereins Ebersbach anvertraute. „Du kannst das, du machst das, fertig“, wurde sie für diese Amt „bestimmt“, und die „passionierte Landfrau mit Lust, Liebe und Herzblut“ hat ihr „Ja“ noch keine Sekunde bereut. „Ich mach das noch immer sehr gerne“, verrät Yvonne Birk und ergänzt fast bescheiden: „Wir haben die letzten 22 Jahre viel erreicht, sind ein tolles Team mit guten Mitarbeiterinnen.“

Der Erfolg gibt ihr recht. Waren es 1996 noch 74 Frauen, ist der Ortsverein Ebersbach unter ihrer Leitung um 80 Vereinsmitglieder auf 154 gewachsen. Beim Festabend zum 70-jährigen Jubiläum der Ebersbacher Landfrauen im März dieses Jahres freute sich die Vorsitzende über die positive Entwicklung der Mitgliederzahlen und gab darüber hinaus ihrer Hoffnung Ausdruck – „auch in Zukunft ein attraktives Programm anbieten zu können“. Trotz ihres ehrenamtlichen Schaffens gehört Yvonne Birk zu den Menschen, für die Kindererziehung, Familie, Haushalt und Landwirtschaft stets am wichtigsten waren, und sie betont: „Ich war und bin sehr gerne zu Hause.“ Nur manchmal, da konnte sie nicht „Nein“ sagen.

Das liegt vielleicht auch daran, weil sie sich nie als „Reingschmeckte“ fühlte und ihren „Bildungshunger und Gemeinsinn“ stets hoch hielt. So ist die 60-Jährige außerdem jeweils Gründungsmitglied des Schlachtvereins Ebersbach, der Sulpacher Dorfgemeinschaft sowie der Friedhofsgemeinschaft Sulpach.

Ohne dabei überlastet zu wirken, hat die vielseitig interessierte Sulpacherin den Dreh heraus, sich in jedem Verein, in jeder Gemeinschaft mit Herzblut und Entspanntheit einzubringen. So führte sie im Schlachthausverein viele Jahre lang das Protokoll, in der Friedhofsgemeinschaft bringt sie sich durchweg seit 1993 als Schriftführerin ein, seit 1997 verstärkt sie als Ausschussmitglied die Dorfgemeinschaft, und seit längerem hält sie schriftlich alles Wesentliche bei den Sitzungen der Jagdgenossenschaft Weiler-Sulpach fest.

Yvonne Birk kommt bei der Auflistung ihrer ehrenamtlichen Ämter und Aufgaben selbst ins Staunen, ist sich dieser Menge gar nicht so bewusst. „Vielleicht liegt es daran, dass ich immer um einen Ausgleich bemüht bin. Immer versuche, einen Kompromiss, einen gangbaren gemeinsamen Weg zu finden“, beschreibt sie ihr Handeln und schiebt einen für sie ganz wichtigen Satz nach: „Ich sehe mich eher als Vermittlerin“.

Die vielfach Engagierte kann aber auch anders: „Wenn ich für etwas brenne, kommt die Kämpferin in mir durch“, betont sie. Egal, in welcher Eigenschaft sich die Sulpacherin einsetzt, ihrer Verantwortung als Stadträtin im Gemeinderat von Ebersbach für die Fraktion der Freien Wähler ist sich Yvonne Birk seit 2004 voll bewusst.

Porträtreihe über starke Frauen im Landkreis

Jubiläum In diesem Jahr feiert der Landkreis Göppingen seinen 80. Geburtstag, zudem wird das Frauenwahlrecht 100 Jahre alt. Die NWZ veröffentlicht aus diesem Anlass die Reihe „Starke Frauen“, die als „Heldinnen des Alltags“ oft im Verborgenen Großartiges leisten. Ob die Pflege von Angehörigen, herausragende Leistungen als Unternehmerin, Künstlerin, Sportlerin oder im Ehrenamt – die Serie zeigt Frauen und ihre Arbeit.

Bisher wurden Ilse Birzele, Barbara Küpper, Susanne Weißkopf, Caroline Märklin, Lena Urbaniak, Claudia A. Schlürmann, Angeline Fischer, Margret Hofheinz- Döring, Marga Lorch, Renate Mutschler, Birgit Göser, Gabriele von Trauchburg, Claudia Leber, Helene Mühlhäuser, Emilie Eisele, Pia Schäfer-Mayer, Margret Keller-Rehm, Marianne Rasch, Melanie Schulze, Sandra Skutta, Elnora Hummel, Elisabeth Sigmund, Friederike Wackler, Astrid Vöhringer, Gudrun Lamparter, Anna von Sprewitz, Susanne Gieler-Breßmer, Anneliese Hermes und Vera-Maria Schäfer vorgestellt.

Kooperation Die Serie erscheint in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Lidwine Reustle, dem Kreisfrauenrat sowie der Geislinger Zeitung.

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