Kreis Göppingen Verleihsystem fährt langsam an

Kreis Göppingen / Kristina Betz 02.05.2018
Im Mai startet das Verleihsystem „Regio-Rad“, das den Großraum Stuttgart vernetzen soll. Nur eine Kommune im Kreis ist von Beginn an dabei.

Statt mit Bahn oder Auto mit dem Fahrrad zum Ziel zu fahren, könnte im Großraum Stuttgart und im Kreis bald komfortabler werden. Ab dem 1. Mai startet das von der Stadt Stuttgart initiierte Radverleihsystem „Regio-Rad“ mit insgesamt 685 Fahrrädern und 340 Pedelecs an 94 Stationen. Allein in Stuttgart soll es 60 Stationen geben.

Es soll ein neuer Versuch für ein einheitliches Radverleihsystem in der Region sein. Bislang gibt es in Stuttgart das System „Call a bike“, in Göppingen gibt es eine „Nextbike“-Station. Die Hohenstaufenstadt will zum Winter 2018/2019 von Nextbike auf Regio-Rad umsteigen. Initiiert hat das Angebot die Stadt Stuttgart, betrieben werden die Stationen von der Bahntochter „DB Connect“.

Wichtig sei vor allem eine einheitliche und flächendeckende Vernetzung von solchen Stationen, weiß Marco Schwab vom Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur beim Landratsamt. Bislang ist der Landkreis nicht involviert in die Planungen, wolle künftig aber auch koordinierend und fördernd am System teilhaben. Grundsätzlich begrüße man beim Landratsamt die Planungen eines einheitlichen Systems. Wichtig sei aber auch, dass die Stationen über Kreisgrenzen hinweg reichen. „Der Verkehr hört an der Landkreisgrenze nicht auf“, macht Schwab deutlich.

Auch Kathleen Lumma, die Landesgeschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), plädiert für ein dichtes Netz. Sie verweist auf Paris, wo Leihradstationen im Abstand von 200 bis 300 Meter stehen. Auch zum Zertifikat „Fahrradfreundlicher Landkreis“ könne das neue System beitragen.

Unter den 22 Kommunen, die am 1. Mai mit dem Regio-Rad-Verleihsystem starten, befindet sich die Stadt Eislingen, Böblingen, Ditzingen, Freiberg am Neckar, Gerlingen, Kernen, Leinfelden-Echterdingen, Leonberg, Ludwigsburg, Renningen, Rutesheim, Urbach, Winterbach und Schwäbisch Gmünd.

Weitere Kommunen nehmen als „Optionskommunen“ teil. Darunter im Landkreis Göppingen etwa Wäschenbeuren, Rechberghausen, Ebersbach und die Stadt Göppingen. „Wir werden bis Ende Oktober noch mit Nextbike zusammen unterwegs sein“, berichtet Pressesprecher Olaf Hinrichsen. Die Bahn tauscht Ende des Jahres die bisherigen Nextbike-Räder durch die neuen Regio-Rad-Fahrräder und Pedelecs aus. So soll ein nahtloser Übergang gewährleistet werden, berichtet ein Sprecher der Bahn.

Wäschenbeuren, als kleinste Teilnehmerkommune im Kreis, steigt im Herbst mit fünf Pedelecs zu. Im Hinblick auf die Remstalgartenschau 2019 hoffe man auf zahlreiche Nutzer der Station und darauf, dass sich die rund 25 000 Euro Investitionskosten für die Gemeinde lohnen. „Wenn jeder alles nur hinterfragen würde, kommt die Elektromobilität nicht voran. Man muss schon mutig sein“, bekräftigt Bürgermeister Karl Vesenmaier, der auf weitere Teilnehmer im und über den Kreis hinaus hofft.

Ein Grund für den späten Start vieler Kommunen sind auch Lieferverzögerungen der elektronisch betriebenen Fahrräder. Statt wie geplant im Frühjahr dieses Jahres mit Fahrrädern und Pedelecs zu starten, müssen teilnehmende Kommunen zunächst nur mit Fahrrädern vorlieb nehmen. Erst ab dem 30. September kommen dann die mit einem Elektromotor betriebenen Pedelecs hinzu. Weil der unterlegene Mitbieter, Nextbike, nach der Vergabe des Auftrages ein Nachprüfverfahren anstrebte, gab es Verzögerungen bei der Produktion, teilt ein Bahnsprecher mit. Die Räder werden von einem deutschen Hersteller bezogen und ähneln den bisherigen „Call a bike“-Rädern. Einige dieser Räder sollen in den neuen Regio-Rad-Bestand übergehen, so der Sprecher des Unternehmens.

Die Lieferschwierigkeiten bei den Pedelecs sind nur ein Teil des holprigen Projekt-Starts. Bereits 2017 hätte das System an den Start gehen sollen, die Ausschreibung hatte aber kein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht. Nachdem der Auftrag an DB Connect vergeben wurde, musste der Starttermin vom 1. März noch einmal auf den 1. Mai verschoben werden.

Teilnehmende Kommunen binden sich für vier Jahre und acht Monate. Das ist die vertragliche Mindestlaufzeit. Dafür zahlt die Regio-Rad-Kommune eine Gebühr an die Bahntochter. Anschaffung, Vermietung, Unterhalt und Wartung sind darin enthalten, dafür ist die DB Connect zuständig.

Bei Regiorad wird es zwei Tarife geben: den Basis- und den Komforttarif für VVS-Abonnenten. In beiden Tarifen stehen drei Euro Jahresgebühr als Fahrtguthaben fest. Dazu kommen beim Basistarif für die Fahrradnutzung 1 Euro pro halbe Stunde. Der Tageshöchstsatz beträgt 10 Euro am Tag. Bei Pedelecs sind es 10 Cent pro Minute, höchstens 4 Euro pro Stunde und 16 Euro am Tag. Im Komforttarif ist die erste halbe Stunde kostenlos, dann kostet jede weitere halbe Stunde 1 Euro, höchstens aber 10 Euro pro 24 Stunden.

Für Pedelecs werden 10 Cent pro Minute verlangt, der Stunden- und Tageshöchstsatz liegt bei 3 und 12 Euro. Touristen bekommen Tagespässe für 15 Euro. Auch eine neue App über die man Räder reservieren kann, befindet sich in der Entwicklung.

Das Verleihsystem in der Region Stuttgart sei ein Anfang und ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Kathleen Lumma vom ADFC. Aber „es wird eine Weiterentwicklung und einen Ausbau des Systems brauchen, um das Leihrad zur echten Alternative in der innerstädtischen Mobilität zu machen.“

Vier Kommunen im Kreis steigen in diesem Jahr zu

Eislingen Als eine der ersten Städte im Landkreis nimmt Eislingen mit einer Verleihstation ab Anfang Mai am Regio-Rad-System teil. Die Station soll an den Mobilitätspunkt des Eislinger Bahnhofs angegliedert werden. Es ist vorgesehen, dass vier Fahrräder und drei Pedelecs zum Verleih bereit stehen.

Wäschenbeuren Beitreten möchte die Gemeinde im September. Die Verleihstation soll am Marktplatz vor der Kreissparkasse stehen. In Wäschenbeuren werden fünf Pedelecs auszuleihen sein.

Rechberghausen Die „Optionskommune“ möchte ebenfalls im September einsteigen. Die Verleihstation soll ihren Standort am Edeka-Parkplatz haben. Geplant ist die Station mit sechs Stellplätzen und fünf Pedelecs.

Ebersbach Auch die Stadt Ebersbach ist Optionskommune. Bis zu drei Standorte sind möglich, teilt Jan Werneke von der Stadtverwaltung mit. Eine politische Entscheidung sei aber noch nicht gefällt. „Aber die Zeichen stehen gut“, so Werneke. So könnte im Bahnhofsumfeld eine zentrale Station angesiedelt werden, von der aus je eine Station in einem Gewerbegebiet sowie ein Stadtteil angebunden werden könnte. Ein Beitritt, noch in diesem Jahr, sei möglich. Im Rahmen des Stadtentwicklungsprozesses soll auch die Öffentlichkeit in die Entscheidung mit einbezogen werden.

Göppingen Bislang ist die Stadt Göppingen mit dem Verleihsystem Nextbike unterwegs. Die Räder sollen zum Ende des Jahres durch Regio-Rad-Räder- sowie Pedelecs ausgetauscht werden. Die Verleihstation bleibt am bisherigen Nextbike-Standort. Ein Beschluss der Gremien zum Umstieg auf RegioRad ist kurz vor oder unmittelbar nach der Sommerpause vorgesehen.

Schwäbisch Gmünd Die Stadt Schwäbisch Gmünd plant zu Beginn vier Verleihstationen mit insgesamt zunächst 25 Rädern (Fahrräder und Pedelecs) aufzubauen. Diese sind geplant am Marktplatz und am Bahnhof sowie im Stadtteil Hardt.

Remstal 2019 startet die Remstalgartenschau. Fellbach, Kernen im Remstal, Remseck am Neckar, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Urbach und Waiblingen sind bei Regio-Rad mit an Bord. Lorch, Mögglingen, Winterbach, Essingen, Weinstadt, Remshalden und Böbingen sind Optionskommen.

Finanzen Aus finanziellen Gründen beteiligen sich Kommunen wie Birenbach oder Hattenhofen vorerst nicht am Projekt. In Hattenhofen ist das Thema allerdings nicht entgültig vom Tisch, sagt Hauptamtsleiter Norbert Baar.

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