Rechberghausen Nach Streit: Verkehr wird professionell gezählt

Der Rechberghäuser Kreisel wird oft für das Verkehrsproblem im Ort verantwortlich gemacht. Doch die Gemeinde will beweisen, dass in erster Linie der Durchgangsverkehr die Probleme verursacht, nicht bauliche und planerische Fehler.
Der Rechberghäuser Kreisel wird oft für das Verkehrsproblem im Ort verantwortlich gemacht. Doch die Gemeinde will beweisen, dass in erster Linie der Durchgangsverkehr die Probleme verursacht, nicht bauliche und planerische Fehler. © Foto: Staufenpress
Rechberghausen / Kristina Betz 20.07.2018
Nach den emotionalen Gesprächen und Beratungen zum Rechberghäuser Stauproblem, wird der Verkehr jetzt professionell gezählt.

Ohne verlässliche Zahlen geht es nicht. Da ist man sich im Rechberghäuser Gemeinderat einig. Auch wenn die Gemeinde ihren Handlungsspielraum beim Verkehrsproblem im Ort als gering betrachtet, wolle man dennoch nicht untätig sein. Alleine kann die Gemeinde keine Lösung realisieren. Ob Tunnel oder Umgehung – ohne die Nachbargemeinden, die Stadt Göppingen und Bund sowie Land wird es nicht vorangehen, machten Verwaltung und Gemeinderat in ihrer Sitzung Anfang Juli deutlich. Wie Bürgermeisterin Claudia Dörner bekannt gibt, wird es Ende Juli ein weiteres Gespräch mit Göppingens Oberbürgermeister Guido Till sowie Baubürgermeister Helmut Renftle geben. „Ohne Emotion, auf Sachebene“, wolle man dann das Thema noch einmal angehen.

Um die Mitstreiter auch mit verlässlichen Zahlen mit ins Boot holen zu können, wurden jetzt Verkehrszählungen beschlossen. Thomas Bantzhaff war 14 Jahre Verkehrsplaner bei der Stadt Göppingen und war dort für zahlreiche Verkehrszählungen verantwortlich – auch bereits in Rechberghausen. Nun ist Bantzhaff selbstständig und wurde entsprechend eines Beschlusses Anfang Juni beauftragt, zu den Zählungen zu beraten. Er legte den Kommunalpolitikern verschiedene Varianten für die Zählungen dar.

 Diese einigten sich auf Seitenradargeräte der Firma Data Collect, die auch Bantzhaff empfohl. Auch Zählplatten, die auf der Straße montiert werden, wurden in Betracht gezogen. Für die Seitenradargeräte zahlt die Gemeinde 8700 Euro – außerplanmäßig, im Haushalt sei das allerdings drin, gibt Kämmerer Heiko Grimaldi grünes Licht. So schnell wie möglich soll mit den Zählungen, die dienstags, mittwochs oder donnerstags stattfinden werden, begonnen werden.

Nicht ganz einverstanden mit der neuen Vorgehensweise zeigte sich Gemeinderätin Martina Zeller-Mühleis (Grüne). Sie hatte bereits in der Sitzung Anfang Juli gefordert, den Verkehr nicht bloß zu zählen, sondern auch zu analysieren. „Ich bin der Meinung, der Verkehr ist zum Teil schon hausgemacht“, sagte sie in der jüngsten Sitzung. Deshalb sei es durchaus wichtig zu schauen, wo der Verkehr herkommt.

„Das leisten die Geräte alleine nicht“, stellte Thomas Bantzhaff klar. Der Verkehrsplaner selbst oder ein Mitarbeiter im Rathaus wird die Daten aus den Geräten auswerten. Für eine Analyse jedoch „habe ich nur mit mehr Personal eine Chance“. Vor Jahren sei so etwas auch schon in Rechberghausen gemacht worden. Es wurden beispielsweise LKW angehalten und nach deren Route gefragt. Wie Bantzhaff erklärt, werden bei einer solchen Untersuchung zum Beispiel die Kennzeichen der Fahrzeuge notiert und deren Weg verfolgt. So können dann Rückschlüsse auf den Quell- und auf den Zielverkehr gezogen werden. Eine solche Analyse bewege sich dann auch schon im Bereich von 20 000 bis 50 000 Euro. Zeller-Mühleis stellte dennoch klar: „Uns nützt doch eine Zählung nix, wenn man die Quelle nicht kennt.“

Claudia Dörner beschwichtigte: „Wir brauchen die Zählung, um weiterzukommen.“ Und Bantzhaff ergänzte: „Auf Zahlen, die zehn Jahre alt sind, baut man keine Untersuchung auf.“ Üblicherweise führe man ein bis zwei normale Zählungen durch und baue dann mit einer großen Untersuchung auf die Grundlage auf.

Gemeinderat Dr. Franz Moller (CDU) wies darauf hin, dass es wichtig sei, die alten Zählungen mit den neuen zu vergleichen. So sehe man dann auch, wie der Verkehr zunimmt. „Und das hauen wir dann dem Regierungspräsidium um die Ohren.“

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