Fahrplan Verkehr nach Ulm geht kaputt - Eislinger kritisieren schlechten Bahnservice

Am Eislinger Bahnhof halten im neuen Jahr nur noch Regionalbahnen. Die Regionalexpress-Züge verschwinden aus dem Fahrplan.
Am Eislinger Bahnhof halten im neuen Jahr nur noch Regionalbahnen. Die Regionalexpress-Züge verschwinden aus dem Fahrplan. © Foto: Staufenpress
Eislingen / DANIEL GRUPP 28.07.2016
Wenn ab Dezember keine Regionalexpress-Züge durchs Filstal fahren, entfallen für viele Kommunen schnelle Verbindungen. Die Kritik ist groß.

Der Ruf der Deutschen Bahn ist schlecht und scheint derzeit noch weiter zu leiden. Fast jeder kann über selbst erlebte unangenehme Erfahrungen berichten oder hat von Bekannten davon gehört: Verspätungen, ausgefallenen Klimaanlagen keine Informationen am Bahnhof. „Auf der Filstalbahn gab es massive Verspätungen und auch massive Zugausfälle“, sagte Jörg-Michael Wienecke, der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur des Landkreises, jetzt im Eislinger Gemeinderat.

Wienecke hat den Eindruck, dass sich in den vergangenen Wochen die Situation verschlechtert hat. „Das System ist schwer im Argen.“ Er habe sich deswegen bei der DB Regio beschwert. Die Mängel seien vom Zugbetreiber mit Krankheitsausfällen und Urlauben begründet worden. „Sucht vielleicht das Personal das Weite?“, habe Jörg-Michael Wienecke sich gefragt. Denn für die Tochter der Bundesbahn ist das Filstal eine Auslaufstrecke. Das Land hat die Konzessionen neu vergaben. Ab 2019 wird „Go Ahead“ mit vom Land gestellten Zügen durchs Filstal fahren.

Bis 2019 betreibt allerdings noch DB Regio die Strecke. Die beiden Jahre bis zum Inkrafttreten des neuen Verkehrsvertrags sieht Wienecke als Übergangszeit. Es sei auch noch nicht klar, mit welchen Wagen die Bahn ab Dezember im Filstal unterwegs sein wird. Doppelstockwagen, vielleicht auch die alten Silberlinge. Klar sei, dass derzeit im gesamten Netz die Wagen getauscht würden.

Klar ist auch, dass der neue Fahrplan keinen Regional-Express mehr vorsieht. Das war aus Wieneckes Sicht das Premiumprodukt fürs Filstal, weil diese Züge an fast allen hiesigen Bahnhöfen halten, danach aber die Fahrgäste relativ schnell nach Ulm oder Stuttgart bringen.

Nach dem neuen Fahrplan, von dem auch der Verkehrsplaner überrascht wurde, werden im Studentakt Interregio-Expresszüge (IRE), die in Göppingen und Geislingen halten, das Filstal bedienen. Darin sieht Wienecke eine Verbesserung. Außerdem gibt es aus und in Richtung Stuttgart Regionalbahnen (RB) im Halbstundentakt, von denen eine allerdings eine Wartezeit in Plochingen hat. In Richtung Ulm ist in Geislingen mehr oder weniger Schluss. Denn Fahrgäste müssen dort entweder auf den IRE umsteigen oder 20 Minuten in der RB warten, bis die schnellen Züge überholt haben.

Den Abbau der Leistungen in Richtung Ulm begründet das Land, das die Regionalverkehre in Auftrag gibt, damit, dass von Süßen aus 85 Prozent der Fahrgäste in Richtung Stuttgart fahren. Nur 15 Prozent würden Züge in Richtung Geislingen und noch weniger in Richtung Ulm nutzen, erläuterte Wienecke.

„Der Bahnverkehr aus dem mittleren Filstal nach Ulm wird kaputt gemacht“, stellte Holger Haas (Grüne) fest. „Ulm wird Kaufkraft aus dem Filstal verlieren“, erwartet Oberbürgermeister Klaus Heininger. Er sieht auch Studierende und Berufspendler als Betroffene. Manfred Strohm (CDU) befürchtet, dass viele Pendler nach Ulm ein Problem bekommen und deswegen aufs Auto umsteigen werden. Auch Peter Ritz (SPD) sorgt sich um den Bahnverkehr in der Region Stuttgart. Er pochte darauf, dass auf die Einhaltung der Verträge mit der Bahn gedrängt wird.

Die Wartepausen der RB, die wegen Überholvorgängen von schnelleren Zügen eingelegt werden müssen, könnten erst mit Stuttgart 21 beseitigt werden, meinte Wienecke. Offen blieb die Frage Dietmar Zurmühls: „Was passiert, wenn Stuttgart 21 erst 2031 in Betrieb geht?“ Er hält dies durchaus für denkbar, „wenn die Bahn so baut, wie sie plant“.

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