Adelberg / WERNER SCHMIDT Adelberg ist jetzt einen Schritt weiter auf dem Weg zu einem genehmigungsfähigen Haushalt. Für den Verkauf von Montemaris und Campingplatz werden vorab 780.000 Euro auf der Haben-Seite verbucht.

Nach ausführlicher Diskussion hat sich der Adelberger Gemeinderat mit knapper Mehrheit darauf geeinigt, in den Haushalt einen derzeit noch nicht realisierten Verkaufserlös von 780.000 Euro für Montemaris und Campingplatz einzustellen. Damit könne der Haushalt dann ausgeglichen gestaltet werden, erklärte die Verwaltung.

Zuvor hatte Bürgermeisterin Carmen Marquardt verkündet: "Wir haben eine realistische Chance, in diesem Jahr die Objekte zu verkaufen." Man wolle die Verpflichtungen der Gemeinde erfüllen. Dazu gehört auch die Rückzahlung von Krediten. Andreas Weber würdigte die "enorm großen Anstrengungen" der Verwaltung. Durch die Schulden fehle aber das Geld für die Infrastruktur des Orts. Er sei persönlich der Meinung, in diesem Jahr am "Sparkurs festzuhalten", die Schulden zurückzuzahlen. Allerdings sei es ein "riskantes Unterfangen", Geld für den Verkauf von Campingplatz und Montemaris schon jetzt einzustellen. Man wisse nicht, ob der Verkauf zustande käme, welches Konzept der potenzielle Investor verfolge und letztlich fließe das Geld doch erst, wenn auch die rechtlichen Voraussetzungen für die Planungen des Käufers geschaffen seien.

"Was ist, wenn ein schwarzer Freitag kommt?"

Den Haushalt ohne die Summe für einen künftigen Verkauf der beiden umstrittenen Objekte aufzustellen, bedeute einen Fehlbetrag von knapp 400.000 Euro im Haushalt, machte Kämmerin Beate Schleifer deutlich. Und Marquardt sagte klipp und klar: "Selbst wenn wir sämtliche Investitionen streichen, dann kommen wir dennoch nicht auf 400.000 Euro." Sie glaube fest daran, in zwei bis drei Monaten ein umsetzungsfähiges Konzept präsentieren zu können. Für Weber allerdings war es eine Grundsatzfrage: "Stell ich die Summe ein oder nicht? Was ist, wenn im Herbst ein schwarzer Freitag kommt und der Investor verabschiedet sich von Adelberg? Was machen wir dann?"

Webers Alternative zöge Steuererhöhungen nach sich, ein Schritt, den die Verwaltung jedoch ablehnt. Selbst wenn Adelberg die Grundsteuer auf den kreisweit höchsten Hebesatz bringe, flössen nicht mehr als 60.000 Euro zusätzlich in die Gemeindekasse, sagte Schleifer. Und auch die reichten nicht, den Fehlbetrag auszugleichen.

Sabine Beißwenger, die sich mit einem Verkauf nicht abfinden will, verlangte erneut die teilweise Erschließung des Campingplatzes durch die Gemeinde zum Baugebiet und verlangte erneut die bundesweite Ausschreibung des Areals, um Interessenten zu locken. Dies geschähe bereits seit etwa anderthalb Jahren über einen Stuttgarter Makler, erklärte Marquardt. Erfolgsquote: null.

62.000 Euro ließen sich sofort einsparen

Beißwenger kritisierte zum wiederholten Mal die von der Verwaltung angegebenen Unterhaltungskosten für Montemaris und Campingplatz. Darin enthalten seien rund 40.000 Euro Verwaltungskosten, die sich bei einem Verkauf nur um einen Bruchteil verringerten. Die Verwaltung habe die Unterhaltungskosten immer mit 70.000 bis 100.000 Euro angegeben, erklärte dagegen Carmen Marquardt: "Gas, Wasser, Strom belaufen sich auf 28.500 Euro, Bewachung auf 13 300, Versicherung und Grundsteuer auf 12.100."

Variabel seien die Aufwendungen für den Bauhof und die Verwaltung: "Auf jeden Fall ließen sich rund 62.000 Euro sofort einsparen." Vor allem könnten dann die Mitarbeiter der Verwaltung, die sich derzeit zusätzlich um die ungenutzten Gebäude und Flächen kümmern, ihre Arbeitskraft wieder in den ausschließlichen Dienst für Bürger und Gemeinde stellen.

Dann also doch die bisher nicht erlöste Verkaufssumme in den Haushalt aufnehmen? "Wäre wohl besser", sagte auch Ulrich Decker. Was dann aber nicht bedeute, die Investitionen nicht doch kritisch zu durchforsten: "Die Feuerwehr braucht alles, um zu löschen." Aber für die Feuerwehr stünden auch 20.000 Euro für Ausgehuniformen im Haushalt. Gemeinderat Alexander Hees - selbst bei der Feuerwehr - machte deutlich, dass die Ausgehuniformen wohl nicht notwendig seien, ebensowenig der Austausch von drei defekten Fenstern im Magazin.

Man müsse auch über unpopuläre Themen nachdenken, meinte Ulrich Decker: Eventuell den Vertrag mit der Schurwaldmusikschule kündigen.