Donzdorf Hexenjagd bei Donzdorfer Theaterfestival

Die teuflische Kraft des Aberglaubens: Eindrucksvoll zeigten drei Schauspielerinnen in Donzdorf, wie aus obskuren Geschichten ein Verfolgungswahn wird.
Die teuflische Kraft des Aberglaubens: Eindrucksvoll zeigten drei Schauspielerinnen in Donzdorf, wie aus obskuren Geschichten ein Verfolgungswahn wird. © Foto: Axel Raisch
Donzdorf / Axel Raisch 14.05.2018
Die südafrikanische Version einer Hexenjagd ist beim Theaterfestival Donzdorf ausdrucksstark aufgeführt worden.

Mit einer ausdrucksstarken Vorstellung bot das Movement RSA aus  Johannesburg in Südafrika beim 10. Theaterfestival in Donzdorf eine am Ende stürmisch beklatschte Adaption des Arthur-Miller-Klassikers „Hexenjagd“.

 Die Präsidentin des Landesverbands der Amateurtheater in Baden-Württemberg, Naemi Zoe Keuler, zeigte sich am Rande der Vorstellung stolz und glücklich, dass es gelungen war, „die außergewöhnliche Gruppe“ für einen Auftritt zu bekommen. Dies sei nicht leicht, so Präsidentin Keuler weiter, die sich freute, dass die Vorstellung auch für Jugendliche und damit generationenübergreifend gewesen sei. Beeindruckt zeigte sie sich von der „intensiven, körperbetonten Spielweise“ der drei Schauspielerinnen Nyahallo Ntlotleng, Sanelizime Jobodwana und Anna Tlali, die dem neunköpfigen Ensemble des „Movement RSA“ angehören.

Wo Millers Text in den Gründerjahren der USA angesiedelt ist und aktuelle Bezüge zur US-amerikanischen Politik der 50er-Jahre sucht, sind im Stück der „Kreuzigung von Amagqwirha“ Aberglaube und Ängste in einem südafrikanischen Dorf Gegenstand der Handlung, die zum verhängnisvollen Teufelskreislauf von irrationaler, von obskuren Geschichten gespeister Furcht, Ausgrenzung und Verfolgung führen. Eine gefährliche Mischung, die als Gift in die Gruppe einsickert und dann eine verhängnisvolle Eigendynamik entwickelt.

Statt eines Richters nimmt in der südafrikanischen Version einer Hexenjagd ein junger Stammesführer eine verhängnisvolle Rolle ein. „Verschiedene Figuren, die gut als Adaption passen“, sagt Raphael Wohlfahrt, der künstlerische Leiter des Donzdorfer Aktionstheaters und Mitglied im Organisationsteam des Theaterfestivals, über die Inszenierung von Jovan Muthray and Mlindeli Zondi. Eindrucksvoll dargestellt durch die drei Schauspielerinnen, die mit ihrer Mimik die Geschichte nicht nur spielen, sondern leben und die teuflische Kraft des Aberglaubens und die daraus resultierenden, giftigen und vernichtenden Aggressionen spürbar werden lassen. Und dabei im Gespräch untereinander auch nicht direkt sichtbar werdende Handlungsstränge erlebbar werden lassen.

„Adaption gelungen“

„Gut gespielt“ habe die Gruppe, bestätigt Christoph Schmidt aus Donzdorf im Anschluss an die Vorstellung. Die Adaption des Arthur-Miller-Stücks sei gelungen. Das Thema sei immer aktuell: „Wie oft kommt es vor, dass ein Gerücht gestreut wird?“

Regina Gentsch von der Göppinger Theatergruppe Dacapo hat vor allem die Ausdrucksstärke der Schauspielerinnen beeindruckt. Mit Körper und Stimme seien sie sehr präsent gewesen. Man sei regelrecht in die Geschichte „reingesogen“ worden, lobt die Schauspielkollegin aus Göppingen.

Allrounder des Theaters aus Johannesburg

Ensemble Das neunköpfige Kollektiv The Movement RSA aus Johannesburg spielt nicht nur Theater, sondern schreibt auch seine Stücke selber und ist für Ausstattung wie auch Regie verantwortlich. Ziel ist es, gehaltvolle, im heutigen Südafrika verwurzelte Geschichten zu erzählen. Dazu werden Eigenproduktionen entwickelt, aber auch Klassiker adaptiert.

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