Ein neues Projekt nimmt der Ebersbacher Verein Nepal-Schulprojekt dieses Jahr in Angriff. In einer abgelegenen Gegend in einem der ärmsten Länder der Welt wollen Vereinsgründerin Astrid Vöhringer und ihre lokalen Partner ein Geburtshaus bauen. Zwei Hebammen werden sich dort um die Frauen und ihre Babys kümmern. Gleichzeitig werden dort ein Gesundheitsposten und eine Apotheke für die Bevölkerung entstehen. Die Baukosten, die größtenteils durch Spenden aufgebracht werden, sind schon fast beisammen. Von den benötigten 50 000 Euro fehlen nur noch 13 000.

Dass dieses Geburtshaus überhaupt gebaut wird, ist nicht selbstverständlich, unterstreicht Astrid Vöhringer. Und es beweist, welche Früchte die langjährige Bildungsarbeit des Vereins in der bitterarmen entlegenen Gegend nahe der indischen und chinesischen Grenze inzwischen getragen hat. „Gemäß der Tradition gelten Frauen während der Geburt als ‚unrein’ und ziehen sich deshalb zum Gebären in eine Ecke des Stalls zurück.“ Die Folge ist eine hohe Säuglings- und Müttersterblichkeit infolge von Infektionen. „Sie müssen sich das so vorstellen“, erklärt Astrid Vöhringer, „Die jungen Leute dort haben durch unsere Schulprojekte jetzt eine bessere Bildung. Sie gehen auf die High School, aufs College und können mit Computern umgehen. Deshalb können wir jetzt anfangen, alte Traditionen zu verändern.“

Der lokale Partner des Vereins, Kumar Lama, eine Art ehrenamtlicher „Landrat“ der Region, war begeistert von dem Vorschlag, ein Geburtshaus und einen Gesundheitsposten zu bauen. „Die jungen Leute finden es auch gut. Die jungen Frauen werden das Geburtshaus annehmen, weil die Mädchen jetzt modern erzogen werden“, sagt die Vereinsvorsitzende, „es ist ein Gesundheitsbewusstsein entstanden, die wollen ihre Kinder nicht mehr im Stall auf die Welt bringen.“ Im Herbst möchte die über 70-Jährige mit einer Delegation des Vereins die beschwerliche Reise in die Region Humla auf sich nehmen. Die Stadt Kermi, wo das Geburtshaus gebaut wird, ist von der Distrikt­hauptstadt Simikot, die einen kleinen Flughafen hat, nur über zwei- bis dreitägige Fußmärsche zu erreichen. „Ich hoffe, dass dann schon der Rohbau steht.“

Wie kam Astrid Vöhringer darauf, ein Projekt in einer so entlegenen Gegend zu starten? Sie hatte in Kathmandu Kumar Lama, einen sozial engagierten Lehrer aus Humla, kennengelernt, mit dem sie bis heute eng zusammenarbeitet. Er brachte sie auf die Idee, 2006 selbst in diese Gegend zu reisen, die  vom Bürgerkrieg 2001 bis 2008 hart getroffen worden war. Vöhringer begann, mit Maoisten und lokalen Dorfältesten zu verhandeln und ließ eine leerstehende Schule renovieren. Zugleich wurde ein Hostel als Wohnheim gebaut, für Schüler deren Schulweg zu weit ist. 400 Kinder besuchen heute dort die Schule, sie ist die einzige in einem Einzugsgebiet von 70 000 Einwohnern, die kein Schulgeld kostet.

Schon zahlreiche Projekte angestoßen


Initiative Der Verein „Nepal-Schulprojekt – Zukunft für Kinder“ wurde im Jahr 2000 auf Initiative der Ebersbacherin Astrid Vöhringer gegründet. Nach einer privaten Reise beschloss sie, für die Kinder von Teppichknüpfern, die in Kathmandu am Rande des Existenzminimums lebten, einen Kindergarten zu gründen. Inzwischen unterstützt der Verein auch drei Schulen mit Kindergarten, zwei Schulbibliotheken und einen Gesundheitsposten in Dadhikot südöstlich von Kathmandu.

Projekt Sein zehnjähriges Jubiläum feiert dieses Jahr das große Bildungsprojekt in Humla. Dort hat der Verein in einer sehr abgelegenen Gegend im äußersten Nordwesten des Landes eine Schule renoviert und ein Hostel gebaut, damit Kinder aus weit entfernten Siedlungen die Schule besuchen können. In Humla soll auch das Geburtshaus, das aktuelle Projekt des Vereins, gebaut werden.

Unterstützung Zahlreiche Schulen aus Ebersbach und dem ganzen Kreis Göppingen und einige Firmen unterstützen den Schulprojekt-Verein.