Essen Vegan Backen: Kein Kuchen ist auch keine Lösung

Ihr erstes Backbuch ist für Simone Flohr ein echtes Herzensprojekt. Auf dem Titelbild: Eine kunstvolle Torte und auf dem Tisch der Lieblingskuchen der Autorin: Die Schoko-Bananen-Tarte.
Ihr erstes Backbuch ist für Simone Flohr ein echtes Herzensprojekt. Auf dem Titelbild: Eine kunstvolle Torte und auf dem Tisch der Lieblingskuchen der Autorin: Die Schoko-Bananen-Tarte. © Foto: Giacinto Carlucci
Donzdorf / Kristina Betz 13.01.2018

Sahnetorte, Bienenstich, Tarte und Hefegebäck. Alles ganz normale Backrezepte. Erst beim Überfliegen der Zutaten fällt auf: Es fehlt was. Keine Eier, keine Sahne. Milch? Fehlanzeige. Auch Butter und Gelatine sucht man in Simone Flohrs Backbuch vergeblich.

Die 48-Jährige aus Donzdorf ernährt sich seit sechs Jahren vegetarisch, seit knapp zwei Jahren vegan. Das heißt: Alle tierischen Produkte fehlen seither auf ihrem Speiseplan. Für die gelernte Konditorin war das eine Umstellung, die Zeit braucht: „Der Umstellungsprozess hält immer noch an“, gibt Flohr zu. Veganer behaupteten, man könne alles ersetzen, so einfach sei das aber nicht immer, weiß Simone Flohr aus Erfahrung. In ihren Backrezepten steckt also viel Tüftelei und Kreativität. Bis zu drei Mal buk sie die 41 Rezepte jeweils. Immer wieder veränderte sie Zutaten und Dosierung, bis das Ergebnis perfekt war. „Wir haben eine süßigkeitenreiche Zeit hinter uns“, sagt sie lachend. Die sechsköpfige Familie beglückte immer wieder Freunde und Verwandte mit den vielen selbstgemachten, veganen Kuchen.

Schulprojekt gab den Anstoß

Doch das fliederfarbene Backbuch, das die vielen Rezepte und Tipps zum veganen Backen nun bündelt, ist nicht ihr alleiniges Verdienst, betont Simone Flohr. Den Anstoß hatte vor zwei Jahren ein Schulprojekt ihrer heute 20-jährigen Tochter gegeben. Fast alle Fotos im Buch stammen von ihr. „Sie wollte Fotos machen, ich wollte backen“, fasst es Simone Flohr zusammen. „Irgendwann dachte ich: Eigentlich ist das Ganze zu schade, um es einfach wieder verschwinden zu lassen.“ In der 48-Jährigen keimte die Idee, aus den Rezepten und Fotos ein Backbuch entstehen zu lassen.

Simone Flohrs Bescheidenheit zeigt sich, wenn sie darüber spricht, weshalb sie den Gedanken doch wieder verworfen hatte: „Ich las das vegane Backbuch des Konditoren-Weltmeisters. Dann dachte ich: Dann brauche ich nicht auch noch so etwas machen.“ Der Knackpunkt war dann ein Vortrag von Manuela Kinzel vom gleichnamigen Verlag mit Sitz in Göppingen-Hohenstaufen. „Das hat mich ermutigt“, so Flohr. Die Bilder waren bereits im Kasten. Die Rezepte ausgetüftelt. Das Manuskript war bereit zum Buch zu werden.

Simone Flohr strahlt bis über beide Ohren, wenn sie von der Zusage des Verlags spricht, ihr Backbuch zu verlegen. „Das war richtig cool“, sagt Flohr bescheiden grinsend, „wir haben da so viel Zeit reingesteckt. Das war ein richtiges Herzensprojekt.“ Die Rezeptfindung, ganz ohne die üblichen Backzutaten wie Eier, Milch oder Butter, sei mittlerweile kein Problem mehr, sagt Flohr. In den Rezepten sind stattdessen Zutaten wie Mandeldrink oder Albaöl zu finden. Außerdem auffällig viel Mehl. „Das Ei schlägt normalerweise Volumen in den Teig“, erklärt die Konditor-Meisterin. „Deshalb benötigt man doppelt so viel Mehl für das Volumen – außerdem bindet es den Teig.“ Bei der Auswahl der Zutaten sei es ihr besonders wichtig gewesen, nicht auf Pülverchen und künstliche Ersatzstoffe zu setzen. „Ich wollte keine Schnick-Schnack-Zutaten verwenden.“ Es geht auch ohne, ist sie sich sicher. Ein großer Vorteil des veganen Lebensstils, findet Flohr: „Man isst viel vielfältiger. Man probiert andere Richtungen aus und wird experimentierfreudiger.“ Bei Flohrs zuhause gibt es viel Indisches zu essen. „Auch tolle griechische und italienische vegane Speisen gibt es“, so Flohr. Ihre erwachsenen Töchter essen beide vegetarisch. Bei ihren Söhnen steht Fleisch mit auf dem Speiseplan. Ihr Mann sei seit fünf Wochen Neu-Veganer, freut sich Simone Flohr. Überreden habe sie ihn nicht müssen. Er habe den Entschluss selbst auf einem Vegan-Brunch, der regelmäßig in Geislingen und Aalen stattfindet, gefällt. Seit Ende September ist das Buch mit dem Titel „Kein Kuchen ist auch keine Lösung – vegan, einfach und einfach lecker!“ nun auf dem Markt. Der Laden „Pusteblume“ in Göppingen, der Simone Flohrs Schwester gehört und in dem sie selbst in Teilzeit arbeitet, hat das Buch bereits im Angebot. Beim Verlag selbst ist es erhältlich und auch die Buchhandlung Osiander möchte das Backbuch anbieten. Sich auf dem ersten Meilenstein auszuruhen, kommt für Simone Flohr nicht in Frage. Auf die Frage, ob ein zweites Buch in Planung sei, grinst die 48-Jährige schelmisch. „Letzte Woche haben wir einen Knoten dran gemacht“, freut sich Flohr sichtlich. Ein zweites veganes Backbuch soll jetzt entstehen. Mit einigen Weihnachtsrezepten, Low Carb- und glutenfreien Ideen.

Info Das Buch mit der ISBN: 978-3-95544-083-1 ist für 19,50 Euro beim ­Manuela Kinzel Verlag, bei der Pusteblume in Göppingen sowie bei der Osiander-Buchhandlung in Göppingen ­erhältlich.

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