Wiesensteig Vanessa – eine Erfolgsgeschichte

Von Donaueschingen nach Wiesensteig: Den Berufseinstieg im Christlichen Jugenddorfwerk bereut Vanessa Tolksdorf nicht.
Von Donaueschingen nach Wiesensteig: Den Berufseinstieg im Christlichen Jugenddorfwerk bereut Vanessa Tolksdorf nicht. © Foto: CJD Bläsiberg
Wiesensteig / Claudia Burst 09.11.2018
Als 16-Jährige kam Vanessa Tolksdorf zum CJD Bläsiberg, weil sie Förderbedarf hatte – heute ist sie Malermeisterin und selbstbewusste Ausbilderin.

Mit 16 war Vanessa Tolksdorf extrem schüchtern, unreif und im Umgang mit Gleichaltrigen wenig geübt. Das ist der heute 32-Jährigen nicht anzumerken. Wer sich mit der jungen Frau unterhält, trifft auf eine selbstbewusste Frau.

Als sie die Hauptschule beendete, schlug das Arbeitsamt ihrer Heimatstadt Donaueschingen der jungen Frau vor, den Berufseinstieg im Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) auf dem Bläsiberg bei Wiesensteig zu beginnen. Heute ist sie dafür dankbar: „Das war für mich der optimale Weg“, konstatiert sie. Dadurch musste sie weg von zu Hause  automatisch selbstständiger werden. Mit etwa 70 Jugendlichen lebte sie damals im Internat des CJD Bläsiberg mit sozialpädagogischer Betreuung.

Gelernt, deutlich zu sprechen

Das Miteinander im Jugenddorf stärkte sie, im Lauf der Jahre wurde sie erst Gruppensprecherin, später sogar Jugenddorfsprecherin und spürte dadurch, dass sie von den anderen akzeptiert wurde. Unter anderem engagierte sich Vanessa Tolksdorf während ihrer Freizeit in einer Videogruppe. „Dort habe ich gelernt, deutlich und laut zu sprechen und traute mir langsam immer mehr zu“, erinnert sie sich.

Während der ersten Orientierungswochen fand sie schnell heraus, dass ihr das Malen „richtig viel Spaß macht“. Es sei „einfach schön, weil man den Erfolg sofort sieht. Weil Altes dadurch wieder fast wie neu wird“, begründet sie ihre Begeisterung. In einer einjährigen Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BVB) vor Ort in Wiesensteig lernte sie die Grundkenntnisse des Berufes kennen. Die junge Frau entschied sich für eine dreijährige Ausbildung zur Fachpraktikerin für Maler und Lackierer, die etwas einfacher gestaltet ist, als die übliche Maler-Ausbildung.

In dieser Zeit absolvierte Vanessa außer der Ausbildung in der CJD-Werkstatt drei Praktika zwischen zwei Wochen und einem halben Jahr in Betrieben in Donaueschingen, Weilheim und Göppingen. „Das hat meinen Horizont enorm erweitert“, sagt sie und meint damit zum einen die Bandbreite dessen, was sie als Malerin lernte. Eine Herausforderung sei für sie aber auch gewesen, sich gegenüber den männlichen Kollegen durchzusetzen. Aber es gelang Vanessa Tolksdorf, sich deren Anerkennung zu erringen – sowohl durch ihre zuverlässige Mitarbeit und gute Leistung sowie ihr Fachwissen als auch dank ihrer Freundlichkeit. Am Ende der Ausbildungszeit stand eine sehr gute Abschlussprüfung. Dadurch war Vanessa Tolksdorf in der Lage, in einem zusätzlichen Ausbildungsjahr den gängigen Maler-Abschluss draufzusetzen.

Der Kontakt zu den Mitarbeitern im Jugenddorf blieb die ganze Zeit über erhalten, auch während ihrer Gesellenjahre in verschiedenen Malerbetrieben. In ihrer Freizeit leitete die 32-Jährige über Jahre hinweg ehrenamtlich die Video-Gruppe, in der sie schon als CJD-Bewohnerin aktiv gewesen war.

Trainerin in Jiu Jitsu

Im Jahr 2011 begann Vanessa Tolksdorf mit Jiu Jitsu in der örtlichen Kampfkunstschule Shimboku, die eng mit dem Wiesensteiger CJD kooperiert. „Dort wird viel Wert auf Respekt und gegenseitige Wertschätzung gelegt. Ich bekam Lob und positive Rückmeldungen durch Eugen Keim, den Trainer“, erzählt sie. Dadurch stieg nicht nur erneut ihr Selbstbewusstsein, Eugen Keim ermutigte sie darüber hinaus, selbst zu trainieren. Die Ausbildung dauerte zwei Jahre und seit vier Jahren ist Vanessa Tolksdorf Jiu-Jitsu-Trainerin. „Ich habe festgestellt, dass mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht nur ausgesprochen gefällt, sondern dass ich das auch kann.“

Inzwischen war ihr Wunsch gewachsen, nicht nur den Meister als Malerin zu machen, sondern sogar den Abschluss als staatlich geprüfte Gestalterin in der Fachrichtung Farbtechnik und Raumgestaltung. 2015, mit 30 Jahren, erreichte die inzwischen selbstbewusste junge Frau auf der renommierten Stuttgarter „Schule für Farbe und Gestaltung“ auch dieses Ziel. Während der Sommerferien ihrer Vollzeit-Meisterschule jobbte sie als Assistentin des Maler-Ausbilders im CJD.

Als dort – inzwischen befindet sich der Maler-Ausbildungsbereich beim CJD in Weilheim – im September 2016 eine Stelle als Ausbilderin frei wurde, war es für Vanessa Tolksdorf keine Frage, sich zu bewerben. Sie erhielt die Stelle und ist glücklich. „Ich kann meinen Traumjob als Malerin mit meiner Begeisterung für Kinder und Jugendliche kombinieren.“

Mit dem Lernen ist sie allerdings immer noch nicht zu Ende. Seit Juli und noch bis kommenden März absolviert sie eine „rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation“ für ihren Beruf.

Ausbildung beim CJD

Mehr als 150 Einrichtungen in Deutschland betreibt das CJD. Grundlage ist das christliche Menschenbild mit der Vision „Keiner darf verloren gehen!“

Dies geschieht unter anderem durch die Ausbildung von Jugendlichen mit Lernbeeinträchtigungen, Behinderungserfahrungen oder psychischen Erkrankungen.

Das CJD in Wiesensteig beziehungsweise in Weilheim bietet die Möglichkeiten, in den Berufsfeldern Metall, Farbe und Raumgestaltung, Nahrung/Gaststätten, Gartenbau, Hauswirtschaft, Erziehung und Pflege sowie Bauzeichner oder in einem Büro-Job Erfahrungen zu sammeln oder sich darin ausbilden zu lassen.

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