Adelberg Ursuppe mit Pell-Pantoffeln

Adelberg / HELGE THIELE 26.08.2013
Er jongliert mit der Sprache, schlägt den Bogen zwischen Natur und Heimat, Geschichte und Geschichten: Wenn der Berliner Künstler Bruno Nagel im Schurwald weilt, ist es Zeit für seine Sommer-Lese-Rede.

Er treibt Schabernack mit Worten und Taten. Er erzählt die Geschichte vom "Streuobstriesen", wirft alte Holzlöffel ("die Ursuppe") ins Publikum und erfindet nebenbei die "Dach-Latte Macchiato". Die regenerative Energie, die der aus Geislingen stammende Sprach- und Performance-Künstler Bruno Nagel für seine Kreativität benötigt, bezieht er aus der "Kartoffel-Brennstoffzelle", die er nachts im Keller der Adelberger Zachersmühle erfunden hat. Einmal habe er dort schlaftrunken seinen Pantoffel liegen gelassen - am nächsten Tag sei er auf eine "Pell-Pantoffel" gestoßen. Nagels Wortschöpfungen sind unerschöpflich, er macht aus vermeintlich Bekanntem originell Neues und sucht sich ungewöhnliche Orte aus, um die mitunter verblüffenden Ergebnisse seines Schaffens vorzustellen. Bruno Nagel schlägt den Bogen zwischen Geschichte und Geschichten, Natur und Heimat. Er hat Humor ohne Grenzen, aber die Grenze zur Clownerie überschreitet er nie.

Seine Zuhörer, die er auf spielerische Weise zu Mitwirkenden seiner Auftritte macht, werden nicht nur gut unterhalten. Der Künstler nimmt sein Publikum auch mit auf Reisen, wenn er vom Besuch in Masuren erzählt, wo seine Eltern herstammen, wenn er aus Berlin berichtet, wo Nagel die meiste Zeit des Jahres lebt und arbeitet. Er recherchiert auf Friedhöfen und in Lokalen die Geschichte(n) alter Schlager ("Immer an der Wand lang") - und vergisst nie, die Klammer herzustellen zwischen dem Gestern und dem Heute, zwischen der Vergangenheit und dem Alltag, in dem erstere uns auf Schritt und Tritt begleitet.

Der Spracharbeiter - das ist kein Zufall - liebt das ländliche Leben, die Tradition im Dorf, das alte Handwerk, die Symbiose von Mensch und Natur. Vergangenes Jahr hatte er einen Misthaufen in Oberwälden als Bühne für seine Sommer-Lese-Rede ausgewählt. Diesmal zog es ihn hinauf nach Adelberg - auf den Lagerplatz des Sägewerks Hildner.

Doch es ging sogar noch höher: Mit einem Seil an einem Kran befestigt, schwebt Nagel rezitierend über den knapp 60 Fans, die gekommen sind, weil sie ahnten, dass ihnen der augenzwinkernde Wortakrobat wieder so manches neue Anagramm ("Bundeskanzlerin - "Bankenzinsluder") mitbringen würde. Und den Spaß und die Neugierde, alte Worte neu zu befragen, die Antworten mit Blasmusik zu vermählen und am Vollmond-Tag laut in den Wald zu rufen: "In der Erde liegt das Sein."

Info Mehr von Bruno Nagel gibts im Internet unter: sprachbehausung.blogspot.de/

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