Süßen Urlaub in Wismar statt in Nizza

Harald Görlich mit seinem neuen Roman. Wenn er dramaturgisch zu sehr "auf den Putz geklopft" hat, wirkt seine Frau als Korrektiv. Foto: Monika Uldrian
Harald Görlich mit seinem neuen Roman. Wenn er dramaturgisch zu sehr "auf den Putz geklopft" hat, wirkt seine Frau als Korrektiv. Foto: Monika Uldrian
Süßen / MONIKA ULDRIAN 29.04.2014
"Feuermal und Flammenmeer" heißt der zweite historische Roman von Harald Görlich aus Süßen. Im Fokus steht das Leben der Agnes von Hayden, deren Leben von der Suche nach ihren Kindern bestimmt wird.

Dass auf längeren Bahnfahrten viel gelesen wird, ist nicht neu. Wie sehr sich dieses Verkehrsmittel jedoch anbietet, selbst schriftstellerisch tätig zu werden, davon weiß Professor Harald Görlich zu berichten, dessen historische Romane zu einem großen Teil auf den Schienen zustande kommen. "Bei einer Fahrt hatte ich eine Szene vor Augen, bei der ein Schüler von einem bösen Lehrer eine abkriegt", beschreibt Görlich die Anfänge seines ersten Romans. Die ersten Seiten habe er einfach in seinen Laptop getippt, erst später kam ihm die Idee, eine Geschichte daraus zu entwickeln.

Das jetzt bei Gmeiner erschienene Buch "Feuermal und Flammenmeer" ist bereits der zweite Historienroman des 58-Jährigen, der an der Universität Mannheim mit einer Arbeit über ein historisches Thema promovierte. Für sein Debüt "Kellerkind und Kaiserkrone" erhielt er 2012 viel Lob.

Im Mittelpunkt seines neuen Romans steht eine weibliche Hauptfigur, um deren Leben sich verzweigte Handlungsstränge ranken. Die Frage, wie man Historisches spannend mitteilen könne, wie deutsche Geschichte als "Hintergrundsfolie" fungiere, ohne austauschbar zu sein, führte den in Süßen lebenden Autor in zahlreiche Bibliotheken und Archive.

"Das waren bisher sagenhaft schöne Erfahrungen", so Görlich über die positive Zusammenarbeit mit Museen und Staatsarchiven. Nicht ganz so einfach gestaltete sich die Suche nach einem Verlag. "Der Buchmarkt ist eng gestrickt, die Verlage werden mit Manuskripten regelrecht überschwemmt", weiß der langjährige Pädagoge, der seit den 90ern in der Lehrerbildung arbeitet und als Direktor des Studienseminars Weingarten für die Ausbildung künftiger Gymnasial- und Berufsschullehrer zuständig ist.

Für "Feuermal und Flammenmeer" war Görlich an sämtlichen Schauplätzen, hat Gebäude fotografiert. "Bis auf New York", wie er lachend ergänzt.

Seine Urlaube verbringt der Süßener seitdem auf Recherche-Tour, seine Frau ist die erste Instanz, die seine Geschichten zu lesen bekommt. "Das ist nicht immer einfach, wenn ich dramaturgisch auf den Putz geklopft habe, hat sie mich durchaus schon für die eine oder andere Wendung geschimpft", gibt Görlich schmunzelnd zu.

Ein weiteres Korrektiv auf dem Weg zur fertigen Geschichte sei seine Lektorin, die sich sehr intensiv und kritisch, aber immer positiv mit dem Geschriebenen auseinandersetze. "Die anschließende Korrekturarbeit kann dann jedoch sehr zäh und beanspruchend sein."

Seine knappe Freizeit verbringt der umtriebige Autor gerne mit seiner Familie, den beiden Hunden, beim Sport oder Programmkino-Besuchen. "Meine nächste Station im Urlaub wird Wismar sein - und nicht die Côte dAzur", beschreibt Görlich sein nächstes Ziel, das der Faktensammlung für das nächste Buch dient, an dem er derzeit schreibt. Warum aber überhaupt dieser große Aufwand? Görlich: "Mit dem Schreiben habe ich mir eine neue Welt, neue Wege erschlossen, das macht mir sehr viel Freude."

Kurze Inhaltsangabe zu "Feuermal und Flammenmeer"