Artenvielfalt Geflügelschau: Kulturgut bewahren

Bildschönes Rassegeflügel ist am Wochenende in Heiningen zu sehen. Aber den Vereinen geht es um mehr: Sie wollen auch über artgerechte Haltung und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen informieren.
Bildschönes Rassegeflügel ist am Wochenende in Heiningen zu sehen. Aber den Vereinen geht es um mehr: Sie wollen auch über artgerechte Haltung und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen informieren. © Foto: Sabine Ackermann
Heiningen / Sabine Ackermann 05.01.2018
Bei der anstehenden Staufer-Rassegeflügelschau in Heiningen gibt es auch Infos über Hühner für Selbstversorger.

Der Vorsitzende redet Tacheles: „Nachdem unser Nachbarland Belgien bereits im Sommer und kürzlich auch Holland  landesweite Stallpflicht verhängt hatten, drohte Unheil. Zum Glück war bei uns Bundestagswahl, die keine Mehrheit für eine Koalition brachte.“ Stefan Raindl ist VVorsitzender des Tauben- und Zwerghuhnzüchtervereins 1955 Stauferland, und er möchte dieses brisante Thema auch bei der nunmehr 62. Staufer-Rassegeflügel-
­schau nicht unter den Tisch kehren. Am liebsten würde er das vor allen 170 Mitgliedern, einschließlich der 24 Jugendlichen und ganz besonders vor einer Vielzahl an Besuchern, die am kommenden Wochenende ins Kleintierzüchterheim nach Heiningen pilgern. BSE, Schweinegrippe oder Geflügelpest: Auch in Deutschland werden die Verbraucher seit langem immer wieder mit Tatsachen konfrontiert, die ihre Essgewohnheiten zeitweilig oder sogar komplett vom einen oder anderen Fleischstück Abstand nehmen lassen.

Reagieren die Konsumenten im Einzelfall sehr verunsichert, steht für die Geflügelzucht viel mehr auf dem Spiel. Vornehmlich sind dies Rassegeflügelzüchter, die, völlig gleich, ob als Hobby praktiziert oder auf gewerblicher Basis, ihre oft jahrzehntelange und intensive Zuchtarbeit bedroht sehen. Nicht wenige, die von chaotischen Zuständen wissen, weil die mitunter seltenen Federtiere aufgrund der Stallpflicht seit Wochen eingepfercht sind und infolgedessen aggressiv auf ihre Artgenossen reagieren.

Auch für den Tauben- und Zwerghuhnzüchterverein 1955 Stauferland zählt die Geflügelzucht als uraltes Kulturgut, das führte einst sogar zur Gründung des Vereins.

Förderung der Zucht

Schon davor bewirkte die immer wieder aufflackernde Hühnerpest über Jahre Ausstellungsverbote für allgemeine Flügelschauen und war ein Ärgernis für alle Rassegeflügelzüchter, insbesondere für Albert Wahl aus Eislingen. Auf seine Anregung hin gründeten fünf Aktivisten der Kleintierzucht des Albvorlandes am 11. Dezember 1955 einen überörtlichen Verein mit der Zielsetzung: „Förderung der Zucht und des Ausstellungswesens“. An diesem Tag fanden sich nicht nur 66 Interessenten ein, alle Anwesenden traten zudem geschlossen dem Verein bei. Bereits im Folgejahr gab es die erste Vereinsausstellung mit 461 Tieren, sogar ein Katalog wurde für diese erste Veranstaltung erstellt.

Bei der anstehenden Rassegeflügelschau hofft Stefan Raindl auf viele Interessierte: „Wir haben nach dem „Seuchenjahr“ mit knapp 800 Tieren von 74 Ausstellern ein tolles Meldeergebnis für die 62. Stauferschau erreicht. Und das mit zitternder Hand“, betont der Vereinsvorstand. Trotz der eingetretenen Belastungen kann Stefan Raindl der Situation mit der Vogelgrippe auch etwas Positives abgewinnen.

Seine Sicht: „Es macht der gesamten Bevölkerung klar, auf welchem Weg sich unsere Ernährung befindet. Der übergroße Fleischkonsum ist deshalb eingetreten, weil ein Fleischgericht nicht mehr etwas Besonderes ist“, unterstreicht der preisgekrönte Züchter und fährt fort: „Gleichzeitig werden weltweit gedankenlos die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört, wie man am Bienen- und Insektensterben sieht. Darüber wächst die Aufregung in der Bevölkerung durch das Bewusstwerden, dass täglich Mil­lionen Tiere grausam dahinvegetieren und getötet werden“.

Aufklärung wichtig

Stefan Raindl ist es wichtig aufzuklären. Dass es den Züchtern nicht ausschließlich um eine Bewertung des Federviehs geht. Neben Aussehen, Form, Farben oder Muster sollen die Tiere in erster Linie lebenskräftig bleiben sowie artgerecht gehalten werden: „Wir betreiben nicht,  wie häufig abfällig abgetan, das Hobby des kleinen Mannes, sondern das der ganzen großen Familie“.

Rassegeflügelzüchter zeigen ihre Schätze

Am 6. und 7. Januar findet in der Ausstellungshalle des Kleintierzuchtvereins Heiningen (gegenüber der Voralbhalle) die mittlerweile 62. Staufer-Rasselgeflügelschau des Tauben- und Zwerg­huhn­züchterverein 1955 Stauferland e.V statt.

Einlass ist an beiden Tagen jeweils um 9 Uhr (samstags bis 17 Uhr, sonntags bis 15 Uhr), gezeigt werden Enten, Hühner, Zwerghühner und Tauben. Neben einer Tombola, Bewirtschaftung sowie einer Sonder-Werbeschau von Bantam und Chabo bietet sich darüber hinaus eine gute Kaufgelegenheit der ausgestellten Tiere.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel