Ebersbach Unterwegs zu den Feierfreudigen

Ebersbach / MAX SCHNIEPP 24.08.2018
Die Ehrenamtlichen wollen Jugendliche nicht kontrollieren oder zurechtweisen, sind aber im Notfall zur Stelle.

Wenn Carmen Frank und Bernhard Edenhuizen zusammen mit Schäferhund Charlie als Nachtwanderer durch die Straßen Ebersbachs patrouillieren, ist das für die Jugendlichen im Ort meistens nichts Verwunderliches mehr. Seit fast zwei Jahren geht ein Team von ehrenamtlichen Helfern in den späten Abendstunden auf die Straße, um ein Ansprechpartner für jeden zu sein. Beim Begleiten der beiden auf ihrem Rundgang rund um das Kauffmann-Areal und das Fils­ufer zeigen sie, was die Arbeit der Nachtwanderer besonders macht.

Initiiert wurde das Projekt vom Erbersbacher Amt für Bürgerservice und Soziales unter der Leitung von Jutta Schabel. „Bei diesem Namen denken die meisten, wir würden nachts wandern gehen“, scherzt Schabel. Trotzdem sei der Name passend, denn die Nachtwanderer sollen bewusst keine Kontrolleure sein oder wie die Polizei für Recht und Ordnung sorgen. Vielmehr sollen sie mit ihrer Präsenz und mit Gesprächen zeigen, dass sich in der Stadt überhaupt jemand für eventuelle Probleme der Jugendlichen interessiert.

Dazu erhielten die freiwilligen Helfer spezielle Schulungen wie ein Deeskalationstraining oder einen Erste-Hilfe-Kurs.

Start der Tour ist um 22 Uhr vor dem Rathaus. Es ist Freitagabend, und in den Wirtschaften, Bars und Cafés sitzen jede Menge Erwachsene. Viele junge Leute sind nicht zu sehen, was sich für Carmen Frank leicht erklären lässt: „Gerade im Sommer treffen sich viele Jugendliche abends draußen, da kommt man auch mal erst um elf aus dem Haus.“

Dann geht es los, und für das Dreier-Gespann beginnt die fast zweistündige „Nachtwanderung“. Erster Stopp ist nach wenigen Minuten das Filsufer, das beliebt ist bei jungen Nachtschwärmern. Heute sieht es hier aber ruhig aus. Einzelne sitzen verteilt auf den Bänken, grüßen die Nachtwanderer beim Vorbeigehen und scheinen sich nicht von ihnen und dem Hund gestört zu fühlen.

„Alkohol ist natürlich immer ein Thema“, meint Bernhard Edenhuizen. Trotzdem habe er noch nie einschreiten müssen. Der Konsum von Drogen in der Öffentlichkeit sei dagegen bisher kein Thema gewesen.

Jetzt geht es weg von der Fils, durch die Nebenstraßen der Hauptstraße in einem Bogen zum Kauffmann-Areal. Auf dem Weg erklärt Carmen Frank, warum sie sich für die Sache ehrenamtlich engagiert: „Ich verstehe mich mit Jugendlichen, deshalb möchte ich aktiv sein“, begründet die Rentnerin ihren Einsatz. Gern gehe sie deshalb mit ihrem Kollegen raus und mache etwas.

Nach dem Kauffmann-Areal treffen die beiden Nachtwanderer und Hund Charlie eine größere Gruppe Teenager an, die sich auf einem Parkplatz in der Bahnhofsgegend um ein Auto versammelt haben. „Kann man den streicheln, ist der freundlich?“, fragt einer der Jugendlichen schüchtern. Jetzt hat Charlie seinen Einsatz. „Der Hund ist ein toller Anknüpfungspunkt, weil ganz viele auf den abfahren“, erklärt Edenhuizen. Die Nachtwanderer fangen ein Gespräch mit den Jugendlichen über den Hund an, einige aus der Gruppe sind schon bekannte Gesichter für das Team. Keiner in der Gruppe ist unfreundlich oder scheint nervös wegen der Gegenwart von Carmen Frank und Edenhuizen zu sein. Kurz erklären sie, was sie machen und warum Charlie ein „Nachtwanderer“-Tuch um den Hals trägt. „Und was würdet ihr tun, wenn sich einer hier prügeln würde?“, hakt ein Junge nach. „Die Polizei rufen“, antwortet Edenhuizen. Die Nachtwanderer seien nicht dazu da, sich in Konflikte einzumischen.

Das Konzept, nicht als Aufsichtsperson aufzutreten, sondern durch Präsenz Interesse an jenen zu zeigen, die nachts noch draußen sind, kommt bei den Freunden gut an. Einer von ihnen meint: „Nicht schlecht, ich hab euch schon öfters gesehen und finde das gut. Ich glaube, so unterstützt man die Jugendlichen.“

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