Reisen bildet. Und Fortpflanzung und Bewegungsdrang sind Antriebskräfte vieler Spezies. Nur mit der Fortpflanzung ging es rascher vorwärts als mit der Fortbewegung. Die war recht teuer. Wer im Jahre 1730 mit der Postkutsche von Augsburg nach Venedig reisen wollte, hatte immerhin 66 Goldtaler - Verdienst eines Handwerksmeisters nach eineinhalb Jahren Arbeit - auf den Kutschbock zu blättern. Aber da war ja noch das Testosteron, das schon von Anfang an bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle gespielt hatte und dann auch der Fortbewegung von Uli Boettcher auf die Sprünge half.

"Unterwegs" heißt das Programm des philosophierenden Kabarettisten Uli Boettcher, mit dem er landauf und landab unterwegs ist und auf feinfühlig filigrane Kabarett-Art und -Weise seinem Publikum klar macht: Romantik und Realität passen einfach nicht zusammen. Zum Auftakt der 20. Kleinkunsttage machte Boettcher auf seiner "Unterwegs"-Tour in Süßen und der Zehntscheuer Station. Und vorher schon in Ostafrika. Damals mit und wegen der esoterischen Maja und eben testosterongesteuert. Dumm nur dass esoterisch und erotisch auch nichts miteinander zu tun haben.

Der Weg ist das Ziel und dem Uli war es schließlich egal auf welchem Kontinent er an Maja ran kommen konnte. Einen Austausch von Körperflüssigkeiten hatte er im Visier. Heraus kam am Ende nur eine gemeinsame, stürmische, orale Totalentgiftung der Mageninhalte - auf hoher See an Bord eines unromantischen, schwimmenden Ziegentransportes nach Sansibar. Wer am Ende mit Teilen Mahlzeit übersät ist, weiß: auf Reisen kann man geben und zugleich Erfahrungen sammeln. Das passt zusammen! Und Banales und Philosophisches auch.

Uli Boettcher versteht es, seine eigenen Pointen selber zu genießen. Das macht ihn so authentisch. Mit Wortwitz, Schlagfertigkeit und spitzbübischer Mimik. Da wirkt nichts bemüht oder aufgesetzt. Und er versteht es, sein Publikum gleich mit auf die Reise zu nehmen. So geht gelungenes Kabarett. In Peru ging ihm der Sprit aus und weil dort die Anzahl der versteckten Täler größer ist als die Tankstellendichte gab's Probleme beim Wiederfinden des Jeeps. Seitdem hat der weitgereiste Kabarettist stets einen großen Benzinkanister im Reisegepäck, der in Wahrheit eigene Trinkvorräte enthält. Die am weitesten nach Süßen Angereiste kam aus Stuttgart. Die Glückliche bekam von Boettcher eine ganze Flasche Freibier spendiert. Er selber vom Publikum als Retourkutsche zur Weiterreise tosendem Applaus.