Konjunktur Glaube an weiteres Wirtschaftswachstum

Produktkontrolle bei Märklin: Der Modellbahnhersteller will 2018 insbesondere die Umsätze im Kinderbereich steigern.
Produktkontrolle bei Märklin: Der Modellbahnhersteller will 2018 insbesondere die Umsätze im Kinderbereich steigern. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / Axel Raisch 11.01.2018
Die großen Firmen im Kreis gehen das neue Jahr zuversichtlich an. Die IHK warnt, sich auf den guten Zahlen auszuruhen.

Sie läuft und läuft und läuft. Die Konjunktur scheint die deutsche Wirtschaft in ihr neuntes Wachstumsjahr in Folge zu begleiten. Alle Kennzahlen deuten darauf hin. Mit Fachkräftemangel und steigenden Arbeitskosten stellt die IHK jedoch auch erste Indizien für eine Überhitzung fest. Wir fragten bei Unternehmen im Kreis nach, mit welchen Erwartungen sie ins neue Jahr blicken.

 Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Allgaier in Uhingen, Helmar Aßfalg, ist „bis jetzt sehr positiv gestimmt“, die Auftragsbestände seien gut. Wenn nicht irgendwelche unvorhergesehenen Dinge passierten, wie Kriege, Krisen oder wirtschaftliche Verwerfungen, sei er „sehr optimistisch“.

Auf der Risikenseite sieht Aßfalg das noch nicht absehbare Ergebnis der Tarifauseinandersetzungen, da „in den vergangenen Jahren die Arbeitskosten in Deutschland gegenüber europäischen Wettbewerbern deutlich gestiegen sind“. Werde hier überzogen, habe dies sicherlich Auswirkungen negativer Art, gibt der Geschäftsführer des Automobilzulieferers zu bedenken. „Ich hoffe, dass es einen vernünftigen Tarifabschluss gibt“, sagt Aßfalg. Weil Allgaier selbst ausbilde und seit einigen Jahren auch Arbeitsplätze für Studenten der dualen Hochschule anbiete, spüre Allgaier zwar auch den Fachkräftemangel, sei aber „nicht so brutal betroffen“ wie andere Unternehmen, die nicht ausbildeten. Die „bekanntermaßen gute Ausbildung“ bei Allgaier zahle sich hier aus.

 Zuversichtlich blickt man auch bei Märklin ins neue Jahr. „Wir erwarten und freuen uns auf eine gelungene Eröffnung des ersten Bauabschnitts des ,märklineums’, die für Mitte des Jahres geplant ist“, sagt Märklin-Chef Florian Sieber. Darüber hinaus habe sich der Göppinger Modelleisenbahnhersteller das Ziel gesteckt, die Umsätze, insbesondere im Kinderbereich, zu steigern und somit insgesamt ein moderates Wachstum zu erreichen.

Auch die Schuler AG rechnet 2018 mit einer weiterhin positiven Konjunkturentwicklung in den für den Pressenhersteller größten Märkten China, Europa und Nordamerika. „Für unser Unternehmen selbst gehören die fortgesetzte Digitalisierung unserer Produkte und Unternehmensprozesse, die Entwicklung innovativer Produkte der Umformtechnik zur Marktreife und die Rekrutierung geeigneter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insbesondere in den Bereichen IT und Software zu den wichtigen Aufgaben der kommenden zwölf Monate“, erklärt Pressesprecher Hans Obermeier.

 Die große Frage sei, so Dr. Peter Saile, Geschäftsführer der IHK in Göppingen, wie lange das ungebrochene Wachstum noch anhalte.

Angesichts außenpolitischer Risiken sowie anstehenden Aufgaben, wie der Bewältigung des Fachkräftemangels, der Digitalisierung sowie notwendigen Investitionen in Bildung und Infrastruktur warnt IHK-Präsident Wolf Ulrich Martin davor, sich auf den guten Konjunkturzahlen auszuruhen. Die Erfahrung lehre und zeige, dass man in guten Zeiten die Weichen rechtzeitig stellen müsse, um wirtschaftliche Abschwünge, die mit Sicherheit auch wieder kämen, besser bewältigen zu können.

„Die Grundlagen künftiger struktureller Defizite werden mit zu hohen konsumtiven öffentlichen Ausgaben in Zeiten hoher öffentlicher Einnahmen gelegt“, so Martin.

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