Flüchtlinge Unterkunft im Nassachtal wird aufgegeben

Uhingen / Ingrid Zeeb 15.02.2018

Die Gemeinschaftsunterkunft in Nassachmühle wird Ende Juli aufgegeben. Der zweijährige Mietvertrag zwischen Stadt Uhingen und Landratsamt lief zum 1. Februar aus. Jetzt hat der Gemeinderat einer Verlängerung um ein halbes Jahr einstimmig zugestimmt. Dann ist definitiv Schluss. Was mit dem Gebäude, einem ehemaligen Gasthof direkt neben der Grundschule, geschehen soll, steht noch nicht fest. Es ist in keinem guten Zustand, sagte Bürgermeister Matthias Wittlinger: „Was daraus wird, bewegt die Nassachtäler natürlich. Sie wünschen sich eine Wohnbebauung dort.“ Aber entscheiden müsse es der Gemeinderat „zu gegebener Zeit“. Ortsvorsteher Eberhard Hottenroth berichtete, dass es sehr gut gelaufen sei in diesen zwei Jahren, auch dank des großen Engagements aus der Bevölkerung.

Dabei hatte es zunächst Vorbehalte im Nassachtal gegeben, als ab November 2015 bis zu 50 Geflüchtete in dem alten Gasthof einquartiert wurden. Doch die Stimmung änderte sich schnell. Der Begleiterkreis Refugiu organisierte Grill- und Kaffeenachmittage, die auch von den Alteingesessenen gern besucht wurden. „Da sind Beziehungen gewachsen, es war schon Trauer zu spüren“, berichtete Susanne Widmaier (SPD) von einer Bürgerinformation, die am Vorabend stattgefunden hatte. „Eine junge Syrerin sprach ein Schlusswort, in dem sie sich bei der Verwaltung und den Gemeinderäten und ganz besonders bei der Bevölkerung des Nassachtals für die herzliche Aufnahme bedankte“, berichtete Ortsvorsteher Hottenroth. 40 Menschen wohnen laut der Stadtverwaltung derzeit noch dort. Auch der Ortschaftsrat hat nichts gegen die Verlängerung.

Die Gemeinschaftsunterkunft in Nassachmühle war von Anfang an auf zwei Jahre ausgelegt, mit einjähriger Verlängerungsoption. Wegen des Standorts direkt an der Grundschule sagte das Landratsamt zu, vorwiegend Familien dort unterzubringen. „Dass es nun ein halbes Jahr länger geht, dem können wir voll und ganz zustimmen“, sagte Sabine Braun für die CDU-Fraktion, „zumal das Gebäude auch nicht mehr viel länger durchhält.“ Nachdem die Zahl der Flüchtlinge deutlich gesunken ist, hat auch der Druck auf Uhingen nachgelassen, Unterkünfte bereitzustellen: „Wir müssen jetzt nur noch 128 Plätze zur Verfügung stellen statt wie in den Hochzeiten der Flüchtlingskrise 235“, erklärte Bürgermeister Matthias Wittlinger.

Er sei froh, dass der Landkreis von Anfang an eine dezentrale Lösung anstrebte, das habe die Integration erleichtert. Aber: „Die Aufgabe wird bleiben, wir sind bei der Integration erst am Anfang.“ Den Ehrenamtlichen sei es zu verdanken, dass es in Uhingen so gut lief und keine „Brennpunkte“ gab: Begleitung bei Arztbesuchen, Sprachkurse und die Vermittlung von Beschäftigung – die Helfer leisteten eine Menge seit Herbst 2015.

Auch im Sudetenweg 12 kann die Zahl der Plätze reduziert werden. Das Untergeschoss hat das Landratsamt zum 31. Januar offenbar bereits geräumt. Das Dachgeschoss soll aber bis Jahresende noch als Gemeinschaftsunterkunft genutzt werden. Das Erdgeschoss, die ehemalige Gaststätte der Naturfreunde, stehe derzeit leer. Es werde auch künftig nicht genutzt, sagte Hauptamtsleiter Reinhard Goldmann: „Der bauliche Zustand ist auf Dauer nicht tragbar.“ Das Untergeschoss sei angedacht als vorübergehende Unterbringung des Jugendhauses, wenn das Gebäude Kirchstraße 1 umgebaut wird. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

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