Normalerweise wird an den beiden Albaufstiegstunneln der ICE-Neubaustrecke rund um die Uhr geschuftet, gesprengt und gebaggert. Am Donnerstag blieben aber alle Räder still, die Arbeit ruhte: Gut 400 geladene Gäste, darunter 350 Tunnelbauer, haben in einer der beiden Röhren des Steinbühltunnels ihr traditionelles Barbarafest gefeiert – dieses findet immer am 4. Dezember zu Ehren der Schutzpatronin der Bergarbeiter statt.

Dank an die Heilige Barbara

„Wir feiern unsere Leistung, die wir im vergangenen Jahr erbracht haben“, sagte Kurt Joham von der Geschäftsführung der „Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg“. Abgesehen von kleineren Unfällen sei man 2014 von Unglücken bewahrt worden, deshalb gelte der heiligen Barbara der Dank. Doch auf die Schutzpatronin allein dürfe man sich nicht verlassen. Joham appellierte an die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und an die Pflicht der Firmen, ihren Beschäftigten ein sicheres Arbeitsumfeld zu bieten. Joham gab auch einen kleinen Rückblick: So wurde der Steinbühltunnel in diesem Jahr 4000 Meter vorgetrieben, beim Boßlertunnel waren es 1100 Meter. Seit Beginn der Arbeiten im Juni 2013 sind damit 7,5 von 20 Kilometern Tunnel geschafft worden. Ab Januar soll es ans Eingemachte gehen. Dann wird sich die riesige Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ von Aichelberg aus in den Boßler graben.

Weltweit erstes Konzert in einer Tunnelbaustelle

Nach einem Grußwort von Bahn-Projektleiter Matthias Breidenstein sowie der Andacht mit Betriebsseelsorger Wolfgang Herrmann und dem Weilheimer Pfarrer Hermann Ehrensperger gab es den Höhepunkt der Feier: das laut Kurt Joham weltweit erste Konzert in einer Tunnelbaustelle. Unter Leitung von Dirigent Martin Gunkel spielte das Jugendsinfonieorchester aus Göppingen die Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ von Antonin Dvorák. Dank der hervorragenden Akustik in der zehn Meter breiten Tunnelröhre und dem Können der Musiker geriet das 40-minütige Stück zu einem einzigartigen Klangerlebnis. Schade nur, dass nicht alle Tunnelbauer den musikalischen Leckerbissen zu hören bekamen – viele Mineure zogen es vor, in der Küche des Containerdorfes vorzufeiern und stießen erst später zur Festgesellschaft im Tunnel.