Technik Uhingen war eine Wiege der Windkraft

Uhingen / Axel Raisch 09.05.2018

Durch die Förderung regenerativer Energien rückt auch die Windkraft in den Fokus – und ist nicht selten Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Nicht zuletzt in und um Uhingen. Dass dort aber auch eine Wiege der Windkraft in Deutschland liegt, ist wohl weitgehend unbekannt. „Davon schwätzt keiner mehr“, meint der Uhinger Fred Bubeck.

Während andernorts aufgrund weniger bedeutsamer Ereignisse Gedenksteine aufgestellt und Tafeln angebracht werden, ist es weitgehend vergessen, dass der heute allgemein als „Windpapst“ bekannte Professor Ulrich Hütter seine ersten Anlagen in Uhingen konstruierte und testete. Der Dozent für Flugzeugbau an der Universität Stuttgart war von 1946 bis 1959 Konstruktionsleiter bei Allgaier in Uhingen. Es entstanden „Allgaier Windkraftanlagen System Dr. Hütter“.

Dort wo heute der 1963 gegründete Tennisclub Uhingen seine Anlage hat, befand sich in den 1950er Jahren nicht nur eine Versuchswerkstatt, die später bis 1988 als Umkleidekabine und Vereinsheim diente. Auf dem heutigen Tennisplatz hätten sich auch die Testanlagen zur Nutzung der Windkraft befunden, erinnert sich Fred Bubeck.

Eine große Zukunft als Testfeld war dem damals wie heute im Besitz der Stadt befindlichen Grundstück am Uhinger Haldenberg jedoch nicht beschieden. Stattdessen wurde die Versuchsreihe in Schnittlingen fortgesetzt, wo das Gelände daraufhin den bis heute geläufigen Namen „Hütter-Windpark“ erhielt. Professor Hütter sei bereits ab dem Jahr 1943 damit betraut gewesen, Windkraftanlagen im Rahmen des „Generalplanes Ost“ für die Zeit nach dem von den Nationalsozialisten erhofften so genannten „Endsieg“ zu planen, weiß der Uhinger Fred Bubeck. Diese Pläne zerschlugen sich aber: „Dann kam Stalingrad und es war aus“, sagt Bubeck. Nach wie vor aktuell blieb jedoch das Thema Windkraft. Die Firma Allgaier habe damit in der Nachkriegszeit anfänglich vor allem die Wasserförderung im Sinn gehabt und Hütter zum Aufbau dieses Geschäftsfeldes, bei dem später wie heute die Stromgewinnung Zweck war, ins Unternehmen geholt.

Bevor der Tennisclub Uhingen nach einem Intermezzo des örtlichen Hundevereins die komplette Anlage übernahm, sei dort auch „noch eine Weltneuheit konstruiert“ worden, erzählt der 91-jährige Uhinger: Das erste komplett aus Kunststoff gebaute Segelflugzeug, „die HS 30, versehen mit einem Düsenmotor“, zum Selbststart und Rückflug. Entwickler waren Wolfgang Hütter, Bruder des damaligen Allgaier-Konstruktionsleiters, sowie der damals in Uhingen-Holzhausen wohnhafte Allgaier-Versuchsleiter Heinz Kensche.

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