Verkehr Über Verschwenkung nachdenken

Blick von der Steige auf den Ort: Gammelshausen denkt über eine Verschwenkung nach
Blick von der Steige auf den Ort: Gammelshausen denkt über eine Verschwenkung nach © Foto: Staufenpress
Gammelshausen / Jürgen Schäfer 17.07.2018

Der Lärmaktionsplan spielt uns nicht in die Karten“, klagt Gammelshausens Bürgermeister Daniel Kohl.  Die lärmgeplagten Anwohner der Hauptstraße bekommen von diesem EU-Verfahren keine Hilfe.  Die Lärmwerte sind nicht hoch genug. Von zuviel Lärm, gemessen an den Richtlinien, sei tagsüber so gut wie kein Anwohner betroffen, und nachts nur wenige. So fasst es Bürgermeister Daniel Kohl zusammen. Die Gemeinde hatte gehofft, wenigstens nachts ein Tempo-30-Limit in der Ortsmitte zu bekommen.

Jetzt weiß man: Kein Tempo 30 in der Hauptstraße. So habe es der Leiter des Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt, Manfred Gottwald, entschieden. Kohl berichtet, dass der Amtsleiter dies ungern sage, weil er die Situation in Gammelshausen kenne, aber anderes gegenüber der EU nicht vertreten könne.

Enttäuschung für die Anwohner: In der Anhörungsfrist haben sich fast 50 auf eine Initiative von Gemeinderat Hans Hohlbauch und Nachbarn getroffen und Forderungen zusammengestellt. Sie wollen Tempo 30 im südlichen Ortsteil, ab der Ortsmitte bis zum Ortsende. Dort, wo die Autofahrer Anlauf nehmen zur Steige. Die Anlieger sehen vier Gefahrenstellen an Einmündungen und einem Zebrastreifen.

Die Gemeinde hat an der letzten Kurve zur Steige bereits vor vier Jahren eine Verschwenkung ausprobiert, um den Fahrern den Schwung zu nehmen. Allerdings mit dem ernüchternden Ergebnis, dass dies gar nichts bringe. Kohl hat erst dieser Tage von einem Anwohner etwas Gegenteiliges gehört: Dass die Autos durchaus langsamer in der Verschwenkung gewesen wären. Aber dann auch wieder aufgedreht hätten.

„Verschwenkung“ wird jetzt ein neues leuchtendes Stichwort: Anwohner wollen eine Verschwenkung vor dem Ortsausgang zur Steige. So wie in Hattenhofen. Und am unteren Ortseingang ebenfalls.

Die obere wäre „natürlich wünschenswert“, sagt Bürgermeister Kohl. „Eine Traumlösung für das verkehrsbelastete Gammelshausen.“ Der Haken daran: Es sei ein großer Flächenverbrauch und  koste viel Geld. Zuschüsse werde die Gemeinde kaum bekommen. Das Land als Besitzer der Straße werde sagen: Das könnt ihr machen, aber auf eigene Rechnung.

Das soll jetzt mal ausgelotet werden. Der Schultes sieht die Bereitschaft dazu im Gemeinderat. Allerdings nur für den oberen Ortsausgang. Für den unteren weniger. Dort habe man ja schon den Kreisel als Tempobremse.

Aber von dort kommen auch Klagen. Der Verkehrslärm sei hoch, die CO2 -Belastung ebenfalls. Die Abbiegespur zum Supermarkt trage dazu bei. Die Verkehrszählung vor Jahren habe gezeigt, dass die Belastung groß sei. Und der Kreisel selbst sei auch eine Lärmquelle, weil Lkw über die Pflastersteine im Innenkreis rumpeln. Die Forderungen: die Steine rausnehmen und mit Asphalt glattziehen, ferner Lärmessungen und CO2-Messungen. Gegebenenfalls solle man den Anwohnern Schallschutzfenster anbieten.

Der Schultes sieht Nachteile, wenn das Pflaster verschwände. Rausnehmen würde er es nicht. Sonst würden alle die Kurve schneiden und sie nicht mehr ausfahren, der Verkehr würde schneller. Außerdem sei das Pflaster auch optisch ein Gewinn. Kohl kannte die Klage vor der Anhörung noch nicht. Er hat festgestellt: Es gebe im Pflaster sowie an den Randsteinen „extrem viele schadhafte Stellen“, das müsse man sanieren.

Lärmessungen: Das ist eine Forderung in allen Gemeinden, die mit Straßenlärm zu tun haben. Aber Fachfrau Gudrun Bentele, die den Lärmaktionsplan betreut, sagt es auch in Gammelshausen: Bei Messungen komme nichts Höheres heraus als bei den Berechnungen, die zugrunde gelegt werden.

Schallschutzfenster und eine Motorradlärmanzeige sind das einzige, was im Lärmaktionsplan geblieben ist. Aber es gibt neue Ansätze. Wenn Gammelshausen zusätzliche Blitzer bekäme, „das bringt definitiv was“, sagt der Schultes. Er muss allerdings feststellen, dass eine Säule, die man heute nimmt, weit über 50 000 Euro koste. Man müsse schauen, ob es Zuschüsse gebe, sagt Kohl. Er setzt noch auf einen Vorschlag von Gemeinderat Dr. Grünwald: Die Markierung „50“ rot auf weiß auf die Straße zu malen, und so genannte Light-Boys ab der Kornbergstraße bis zur erste Kehre der Serpentinen auf die Mittellinie zu setzen – kleine Warnbaken, die man  überfahren kann, aber die zum moderaten Tempo mahnen. Auf dieser Geraden gilt Tempo 50. Das hat die Gemeinde ebenso erreicht wie ein konstantes Tempolimit 70 auf der Strecke nach Heiningen.

Schützenhilfe kommt vom Radwegekonzept. Die Gemeinde bekommt einen Radschutzstreifen vom Kreisel bis hinauf zum Kornbergweg. „Das ist auch eine gewisse Verkehrsbremse“, sagt Kohl.  Mitte August soll er kommen. Vorher hätte es keinen Sinn gemacht, weil ja aktuell Baustellen der Telekom und der Netze BW in die Hauptstraße hineinspielen.

Beschlossen ist der Lärm­aktionsplan noch nicht. Die neuen Vorschläge sollen bei einer Verkehrsschau im September besprochen werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel