Wiesensteig / Jürgen Wahr

Samstagnachmittag, kurz nach 15 Uhr: Bei der Notrufzentrale in Göppingen geht ein Anruf über die Notrufnummer 112 ein: Eine junge Frau befindet sich offensichtlich verletzt im unwegsamen Waldgelände unterhalb des Papierfelsens im Bereich nahe des Filsursprungs bei Wiesensteig. Aus ihren klagenden Worten entnehmen die Mitarbeiter der Leitzentrale, dass ihr Begleiter beim Absturz über eine der Felskanten wohl schwerer als sie verletzt worden sei.

Sofort wird die Bergwacht Geislingen und Wiesensteig alarmiert, die kurz danach bei leichtem Nieselregen mit je einem  allradgetriebenen Einsatzfahrzeug und insgesamt 23 Berg­rettern gemeinsam vom Wiesensteiger Stützpunkt ausrückt. Gott sei Dank geht es glücklicherweise um keinen Ernstfall, sondern ist die Ausgangslage der Jahres-Hauptübung.

Am Sammelpunkt unterhalb der Felsengruppe angekommen, teilen sich die Retter in zwei Gruppen auf. Die eine fährt mit ihrem Fahrzeug auf die Hochfläche nahe an die besagte Felskante, um  nach dem Verunglückten zu suchen, die Art der Verletzungen zu bestimmen sowie eine entsprechende medizinische Erstversorgung vorzunehmen. Die Bergwachtleute sind in Notfallmedizin ausgebildet, damit sie sich um verletzte Personen kümmern können, bis der Notarzt eintrifft.

Dieses Lagebild wird im realen Fall über Funk an den Notarzt übermittelt, wie auch die Entscheidung, ob man einen Hubschrauber anfordern muss. Bei gravierenden Rückenverletzungen und somit schonendem Transport sei dies in der Regel dringend angesagt, beschreiben die beiden Einsatzleiter Niko Schneider und Florian Rademacher den Rettungsablauf.

Die Rettungskräfte klettern zum Verletzten und bergen ihn in den Luftrettungssack, der zusammen mit dem Rettungsschlitten abgeseilt wurde. Mit einem Flaschenzug wird der Verletzte dann nach oben gehievt und für den Lufttransport klar gemacht – alles klappt wie am Schnürchen. Die an der Felskante stehenden Einsatzleiter sowie der Wiesensteiger Gebhard Tritschler sind zufrieden mit dem Zusammenspiel der Bergwachtler.

Derweil wird die am Bein verletzte Begleiterin im unteren Bereich des steilen Waldhangs versorgt und abtransportiert. Auch dort sind die Einsatzleiter Jonas Keck und Frieder Arnold mit den Abläufen zufrieden. Die zu bergenden Personen wurden von Mitgliedern der Bergwacht realistisch gespielt.

Als es langsam dunkel wird, versammeln sich die Mitglieder der Bergwacht in der Bergwachthütte im Schöntal zur Jahresfeier.