Serie Uditorium ist längst eine Marke in der Region

Uhingen / Sabine Ackermann 17.08.2018

Kaum ein Gebäude spaltete derart die Gemüter der Bevölkerung, wurde so kontrovers diskutiert wie das Uditorium in Uhingens Mitte. Er wolle sich bloß ein Denkmal setzen, wurde dem damaligen Bürgermeister Klaus Walter von vielen Einheimischen unterstellt. Andere sahen wie Walter in dem geradlinigen lichtdurchflutenden Gebäude aus Sichtbeton das „i-Tüpfelchen“ der Stadtkernsanierung.

„Ins Uditorium? Do gang i net nei“, gab es doch einige, die den gläsernen Kubus auch aufgrund der Baukosten von acht Millionen Euro boykottierten, erinnert sich Annette Rupp an die ersten „Bauchweh-Jahre“ rund um das vom Deutschen Patentamt als Markenname geschützte Uditorium. Und heute? „Wir können uns Uhingen ohne das Uditorium gar nicht mehr vorstellen“, bekommt die Kulturmanagerin von vielen Besuchern aus dem ganzen Kreis Göppingen zu hören.

Je nach Interesse des Publikums ist das Gebäude flexibel einsetzbar. Im rund 335 Quadratmeter großen Saal finden in der Reihenbestuhlung exakt 435 Personen Platz. Ist eine Veranstaltung ausverkauft, wird die faltbare Zwischenwand zum Foyer geöffnet, und schon sind es insgesamt 543 Zuschauer, die verteilt auf 465 Quadratmetern einen guten Blick auf die Bühne haben.

Rund 80 Sitzplätze fielen 2017 der neuen Versammlungs-Vorschrift eines Mittelganges zum Opfer, verrät Annette Rupp. Generell seien Bühnenanweisungen und Ausrichtung der Bestuhlung sowie die Auflage zur „freien Platzwahl“ Teil des Gastspielvertrags. Nummerierte Plätze gebe es meist nur bei hauseigenen Veranstaltungen, informiert die Kulturmanagerin. Mittlerweile sind es über 160 Belegungen im Jahr, wobei Messen, interne Firmenevents oder Workshops bisweilen mehrere Tage dauern und einige Kabarettisten, Comedians sowie A-cappella-Gruppen aufgrund großer Nachfrage gleich zweimal in Folge auftreten. Das Sammelsurium an Unterhaltung, Kunst und Kultur ist vielfältig. Kaum ein Genre, in dem Künstler noch nicht auf der knapp hundert Quadratmeter großen, über zwei Treppen erreichbaren Bühne standen.

Mit dem Konzept vom 26. April 2002, das Kulturzentrum nicht wie üblich in einer Ebene, sondern Veranstaltungs-, Versammlungs- und Sanitärräume sowie Künstlergarderoben auf drei Geschosse zu verteilen, überzeugte ein Stuttgarter Architekturbüro. Am 15. Februar 2003 erfolgte der erste Spatenstich für das bis dato größte Hochbauvorhaben in der Geschichte Uhingens, Anfang Oktober 2004 feierte der gläserne Kubus seine Eröffnung. Neben den großzügigen Glasfronten setzen Dachterrasse und Profiküche, der „kleine Saal“ mit 180 Sitzplätzen, zwei Konferenzräume für je 50 Personen, zwei Foyers, Garderoben sowie ein Aufzug weitere Akzente. Vor drei Jahren wurde nochmals zusätzlich in die Beschallung investiert. Für Konzertantes steht ein Steinway-Flügel parat. Im hochgelegenen Regieraum sorgen der technische Leiter Benjamin Bartoszewsky und Veranstaltungstechnikerin Meike Parys für guten Klang und passendes Licht. „Barrierefreiheit und die kostenfreien 150 Parkplätze rund ums ,U’, davon 70 in der Tiefgarage, sind für mich Besonderheiten“, verrät Annette Rupp, die das Kulturmanagement nach Beendigung von Corinna Keppelers Elternzeit ab Herbst wieder zur Hälfte mit ihrer Kollegin teilt.

Doch die 48-Jährige nennt auch die Nachteile beim Namen. Einerseits sei dies der Platzmangel im Foyer während der Pause, was freilich bauliche Gründe hätte, andererseits müsse man aufgrund der hohen Auslastung vielen privaten Feiern absagen. „Die Enttäuschung der Hochzeitspaare tut uns dann immer leid, aber auch 2019 ist schon fast ausgebucht“, so Annette Rupp.

Nachgefragt bei Annette Rupp, Kulturmanagerin

Frau Rupp, was war Ihr schönstes Erlebnis im Uditorium?

Annette Rupp: Eines? Da gab es viele. Aber besonders in Erinnerung sind mir „Die Mobilés - Moving Shadows“ geblieben. Die Gruppe hat mich künstlerisch wie menschlich beeindruckt, sehr nette Franzosen. Ihr Schattentheater zauberte eine tolle Atmosphäre, selten war ein Publikum vor lauter Erstaunen so leise.

Das größte Lob, das es fürs Uditorium oder Veranstaltungen gab?

Total menschlich ist Ingo Appelt, hat sich im Smalltalk 100 Mal bedankt, er habe sich hier super wohlgefühlt. Auch viele Künstler oder Firmen loben persönlich das Team oder schreiben bereits ins dritte Gästebuch, dass alles gepasst hat.

Gab es einen besonders peinlichen Zwischenfall?

2004 hatten wir bei unserer ersten Veranstaltung vergessen, die Brandmeldung auszuschalten. Mitten in Christoph Sonntags Programm kam die Durchsage: Achtung, Achtung, bewahren Sie Ruhe – parallel gingen geräuschvoll die Fenstervorhänge auseinander. Das war schon ein kurzer Schockmoment. Die Nebelmaschine hatte den Alarm ausgelöst. Sonntag hat das gleich mit eingebaut und erzählt das in jeder Show im U.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch im Uditorium sehen oder hören?

Ben Zucker,  Max Giesinger oder Marc Forster – also Deutsch-Rock-Pop.

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