Im Januar hätte sie loslegen sollen. So hat es die Bahn im alten Jahr angekündigt und lange daran festgehalten. Jetzt steht die Riesenmaschine für den Vortrieb des Boßlertunnels noch immer an der Großbaustelle bei Aichelberg, mit dem Kopfstück im Portal. Die Erklärung seit Wochen: Es fehle noch an der Feinjustierung. So eine Bohrmaschine sei ein Unikat, angefertigt für eine bestimmte geologische Beschaffenheit, sagt ein Sprecher des Kommunikationsbüros Stuttgart 21. Und das müsse eingestellt werden.

Am Fildertunnel war das schon ein großes Thema. Dort hatte sich der Baustart im November verzögert, weil am Anfang viel Feinjustierung nötig sei, wie Projektsprecher Wolfgang Dietrich berichtete. Auch später hat es erheblich geklemmt, was teilweise der Feinjustierung zugeschrieben wurde. Der Bohrmaschine, die den Namen "Suse" trägt, hat das von Stuttgart-21-Gegnern beißenden Spott eingetragen: sie sei eine Transuse.

Wann die Bohrmaschine bei Aichelberg in den Berg stößt, ist offen. Die Bahn will derzeit keinen Zeitraum nennen. Klar ist hingegen die Aussage, wie viel Strecke die Maschine bohren soll: 2,7 Kilometer - wie es immer gesagt worden ist.

Zwischenzeitlich wurde allerdings auch bekannt, dass die Bahn prüft, mit der Tunnelbohrmaschine sehr viel mehr Strecke zu machen. Das würde das mühsame Sprengen verkürzen, das für den Großteil des 8,8 Kilometer langen Boßlertunnels vorgesehen ist. Es gibt Anzeichen, dass die Bahn noch darauf setzt. Bisher ist nur eine Röhre des Boßlertunnels in Arbeit, knapp 780 Meter sind hergestellt. Das läuft über den Zugangsstollen vom Umpfental bei Gruibingen, gesprengt wird hauptsächlich bergabwärts. Auf der anderen Trasse tut sich nichts, obwohl das anders angekündigt war. So hat die Bahn noch die Option, die Gegenfahrbahn auf 5,3 Kilometer ab der Höhe Umpfental ganz der Bohrmaschine zu überlassen. Sie würde in diesem Fall nicht nach 2,7 Kilometer herausgezogen, sondern im Berg bleiben und wenden. So wie es am Fildertunnel auch laufen soll.

Neubaustrecke

Die Neubaustrecke von Wendlingen (Neckar) nach Ulm ist die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke entlang der Autobahn A8. Baden-Württemberg wird dauerhaft an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Der Bau der Neubaustrecke ist ein Projekt des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege.