Autofahrer und Anwohner haben ihren Augen nicht getraut, als Ende Mai aus heiterem Himmel eine große Staubwolke aufzog. "Das war unerträglich", berichtet Bürgermeister Martin Eisele. "Sie zog unter der Autobahnbrücke durch, auch über die Autobahn in den Ort." Er hat daraufhin den Projektleiter der Bahn alarmiert und sei auf offene Ohren gestoßen.

Was dahinter steckte: Die Tunnelbohrmaschine, die jetzt 1000 Meter tief im Berg ist, sei auf sehr sehr trockenes Gebirge gestoßen, berichtet ein Bahnsprecher. Das sei Ende Mai ohne ausreichende Beregnung bis zum Abtransport durchgelaufen: über das lange Förderband, das eine Beregnungsanlage hat, und vor zum Förderturm, der den Abraum zu großen Halden aufschüttet, was dann die Staubwolke auslöste.

Das sei in der Lernphase gewesen, die jeder Tunnelbau mit Maschine mit sich bringe, sagt der Bahnsprecher. Die sei jetzt nach zwei Monaten beendet. Auf solch trockenes Gestein sei man trotz der Vorauserkundungen in der Vergangenheit nicht gefasst gewesen. Wobei der Feuchtigkeitsgehalt des aktuellen Abraums im Boßler auch stark schwanke. Man habe dafür erst ein Gefühl entwickeln müssen. Das habe man anfangs nicht gehabt und deswegen vielleicht auch zu spät mit Wasser draufgehalten, als die Staubwolke hochging.

Die Bahn reagiert mit einem Maßnahmenmix. Der Wasserdruck für die Beregnungsanlage werde derzeit erhöht, dazu seien neue Anlagenteile notwendig, sagt der Bahnsprecher. Die Abraumhalden, die etliche Meter hoch nahe der Landstraße nach Weilheim aufgetürmt werden, würden noch extra beregnet. Beim Verladen auf Lkw benässt eine Kehrmaschine den Platz. Und es soll sogar zur Straße hin noch ein Schutzzaun aufgestellt werden, um den Wind aus der Hauptrichtung Westen abzuhalten.

Warum das Gestein erst mal aufgeschüttet wird? Es sei logistisch nicht zu organisieren, dass es direkt aus dem Förderturm auf die Lkw verladen wird, sagt der Bahnsprecher. Es muss dann von den Halden mit Bagger auf Lkw gebracht werden. Was kontinuierlich geschehe.