Ausstellung Tuckernde Traktoren und dampfende Maschinen

Bad Boll / SABINE ACKERMANN 31.07.2017
Ihr 30-jähriges Bestehen haben die Schwungradfreunde aus Bad Boll am Wochenende mit einem zweitägigen Fest gefeiert.

Wir kommen jedes Jahr zu den Schwungradfreunden“, verrät Friedrich Gösselmeier und muss angesichts des „neuen Präsentationsortes“ feststellen: „In Eckwälden finde ich es viel gemütlicher.“ Mit seiner Meinung steht der 77-Jährige aus Birenbach keineswegs alleine da, nicht wenige, die das enge Dorfambiente vor ihrer Werkstatt „hoimeliger“ finden. Doch der Senior ist schnell beruhigt. Als er hört, dass die Schwungradfreunde 30 Jahre alt werden, stellt er fest: „Dann müssen freilich auch die Platzverhältnisse stimmen.“

Für Herbert Richard, der als pflichtbewusster „Türsteher“ die Einfahrt aufs Schulgelände im Blick hat, ist es noch aus einem andern Grund ein ganz besonderes Datum: Heute auf den Tag genau, vor 20 Jahren, sei er zu den Schwungradfreunden gekommen, erzählt der Besitzer eines Traktors der Marke Güldner, Baujahr 1961 mit satten 25 PS. Nicht nur Schlepper-Lieblinge aus dem Hause Allgaier, Kramer oder Lanz sind zu sehen, auch unbekanntere Marken wie beispielsweise „Normag“, besser bekannt unter „Normag-Zorge“.

Was für Laien wie ein Vehikel vom fast gleichnamigen Discounter oder aus dem tiefsten Osten klingt, „sei eine echte deutsche Marke“, klärt Anne Schmid auf und betont stolz: „Der läuft mit seinen 15 PS wie dr Deifel.“ Man spürt sofort, das „Mädchen“, das eigentlich ein Junge werden sollte, hat Diesel im Blut, ist genau richtig bei den „Schlepperfreunden Wangen“. Scheint aber auch eine fröhliche Gruppe zu sein, zu acht sind sie mit fünf Fahrzeugen von Wangen nach Bad Boll getuckert. „Wir unterstützen mit unserem Dasein die Schwungradfreunde“, berichtet Roland Herbst und lädt diese gleich zu ihrem Treffen am kommenden Sonntag in die Schurwaldgemeinde ein. Irgendwie sind die Traktoren- und Standmotorenbesitzer aus dem Kreis Göppingen wie eine Familie.

„Einwandfrei, alles prima, die Organisation ist top“, lobt Karl Bezler, der gleichfalls einen Normag, Baujahr 1946 aus Wangen lenkt. „Der hat aber 24 PS und ist enzianblau und nicht moggelesgrün, wie der Anne ihrer.“ Die Stimmung ist allererste Sahne, Wolkenbruch hin oder her. Nicht ganz so euphorisch ist Wolfgang Bögel, „der will nemme“, so der Schwungradfreund über seinen Stationär-Motor aus den 30er Jahren. „Der Filter ist zu, da läuft kein Sprit mehr durch“, informiert er und deckt die „Hauptattraktion jeden Festes“ mit einer Plane ab.

Dann halt auf Mark Adams Lanz Bulldog konzentrieren, der mit einer Lötlampe den Glühkopf zum Glimmen bringt. Immer ein Hingucker, besonders für die Dreikäsehochs. Ein Auto mit Flamme? Warum hat mein Papa das nicht, scheinen sie wohl zu denken. „Die Leute zeigen sehr großes Interesse, fragen gezielt nach der Motortechnik“, berichtet Joachim Döring von den Schwungradfreunden.

Wie die Besucher, haben auch die Aussteller ihr Kommen nicht angemeldet. „Das geht spontan. Ist das Wetter gut, passt es und man macht sich auf den Weg.“ Allerdings hatten die Schwungradfreunde doch mit etwas mehr Ausstellern gerechnet. „Etwa 130 waren da“, schätzt Herbert Richard, der für die genaue Zahl erst mal die Urkunden, die am Ende jeder für seinen Beitrag zum guten Gelingen der Veranstaltung bekommt, durchzählen müsste. Den weitesten Weg hatte ein Traktor-Fahrer aus dem Raum Ulm.