Gussenstadt TSV Gussenstadt sucht weiter einen Vorsitzenden

Abschied von verdienten und die Ehrung langjähriger Mitglieder beim TSV Gussenstadt (v.l.): Verabschiedet wurden der Vorsitzende Bernd Maurer, Beisitzerin Birgit Thierer und Turnjugendleiterin Sigrid Maurer. Für langjährige Mitgliedschaft geehrt wurden Karl-Heinz Häcker (40 Jahre und damit Ehrenmitglied), Petra May, Patrik Fronz, Marion Janik (alle 15 Jahre). Der ehemalige 2. Vorsitzende Thomas Thierer bleibt als Beisitzer für den neu geschaffenen Bereich Technik und Sportgelände im Vorstand weiter aktiv.
Abschied von verdienten und die Ehrung langjähriger Mitglieder beim TSV Gussenstadt (v.l.): Verabschiedet wurden der Vorsitzende Bernd Maurer, Beisitzerin Birgit Thierer und Turnjugendleiterin Sigrid Maurer. Für langjährige Mitgliedschaft geehrt wurden Karl-Heinz Häcker (40 Jahre und damit Ehrenmitglied), Petra May, Patrik Fronz, Marion Janik (alle 15 Jahre). Der ehemalige 2. Vorsitzende Thomas Thierer bleibt als Beisitzer für den neu geschaffenen Bereich Technik und Sportgelände im Vorstand weiter aktiv. © Foto: Thomas Hehn
Gussenstadt / THOMAS HEHN 18.03.2014
Der TSV Gussenstadt ist weiter auf der Suche nach einem Vorsitzenden. Da auch bei der Hauptversammlung am Freitag kein Kandidat gefunden wurde, führt vorerst ein "Notvorstand" die Geschäfte.

Es hatte sich schon im Vorfeld abgezeichnet. Und so überraschte es nicht, dass sich auch bei der Hauptversammlung des TSV Gussenstadt am Freitag keine Nachfolger für das amtsmüde Führungsduo Bernd Maurer und Thomas Thierer fanden. "Gibt es Vorschläge für den 2.Vorsitzenden?" - "Keine. Damit bleibt das Amt unbesetzt." "Gibt es Vorschläge für den 1. Vorsitzenden?" - "Keine. Damit bleibt das Amt unbesetzt." Fast schon teilnahmslos spulte der sichtlich frustrierte Vereinschef im voll besetzten Sportheim die wohl wichtigsten Tagesordnungspunkte in der 110-jährigen Geschichte des TSV herunter. "Und was kommt nun?", stellte Maurer lakonisch fest. Ohne Vorsitz sei der Verein nicht geschäftsfähig "und müsste eigentlich zum Amtsgericht gehen, um einen Notvorstand zu beantragen", lieferte Maurer die Antwort selbst.

Die Geschäftsfähigkeit ist die juristische Seite. Dass der mit über 500 Mitgliedern in etlichen Abteilungen, Sparten und Gruppen mit Abstand größte Verein in Gussenstadt durchaus lebendig ist und zumindest an der Basis gut funktioniert, hatten zuvor die Berichte der Abteilungsleiter gezeigt. Von den Kiga-Zwergen im Jugendturnen, über Fußballer und Volleyballer bis zur Seniorengymnastik ist Leben im Verein - "es fehlt nur an den Köpfen", sah Ortsvorsteher Werner Häcker zwar Grund zur Sorge, wollte aber keinesfalls verzweifeln: "Der TSV liegt nicht darnieder", unterstrich Häcker, warnte aber im gleichen Atemzug vor dem "negativen Image für den ganzen Ort", wenn der TSV seine Führungskrise nicht in den Griff bekomme.

Nach diesem eindringlichen Appell fanden sich mit "TSV-Ehrenpräsident" Otto Thierer, Ortsvorsteher Werner Häcker, seinem Stellvertreter Georg Jäger, Dieter Borth und Martin Rebhan zumindest fünf Freiwillige, die als "Notvorstand aus den eigenen Reihen" die Geschäfte des Vereins weiterführen. Zentrale Aufgabe wird es aber sein, das "Führungsproblem" zu lösen. Bis zum 30. Juni sollen ein oder mehrere Nachfolger an der vakanten Vereinsspitze gefunden werden.

Und so stehen die TSV-Mitglieder weiter vor der Frage, die ihnen der scheidende Vorsitzende bereits zu Beginn der Versammlung mit auf den Weg gegeben hatte: "Was erwarte ich vom TSV und was bin ich bereit, dafür zu tun?", hatte Bernd Maurer in seinem letzten Rechenschaftsbericht nach zehn Jahren an der Spitze des Vereins in den Raum gestellt. Nach der Einführung des "Aktiven-Beitrags" und der letztendlich doch wieder verschobenen Sanierung des Clubhauses steht der Verein finanziell gut da. Allerdings plagen den TSV wie viele andere Sportvereine auch Sorgen. Vor allem der demografische Wandel macht dem Sportverein zu schaffen: Zwar hat der 500 Mitglieder starke TSV mit 280 aktiven Sportlern immer noch ein großes Potenzial, allerdings ist der Altersschnitt in den letzten zehn Jahren spürbar gestiegen: 2004 lag er noch bei 33,5 Jahren, inzwischen ist man bei 41 Jahren angelangt. Mit jeweils 40 Ein- und Austritten pro Jahr ist die Fluktuation relativ hoch. In den vergangenen zwei Jahren sei "es leider mehr ein Gehen als ein Kommen", bedauerte Maurer. Vor allem bei den unter 14-Jährigen (minus 35 Prozent) und 18- bis 40-Jährigen (minus 30 Prozent) musste der TSV in den vergangenen zehn Jahren dramatische Rückgänge verkraften.

Ob es dem TSV gelingt, diesen Trend zu stoppen, muss man abwarten. Auch bei der Suche nach einem neuen Vorsitzenden wird man sicher nicht von heute auf morgen fündig. Offenbar müssen hier zuvor auch intern einige Wogen geglättet werden. So hat Ortsvorsteher Werner Häcker am Freitag dazu geraten, "jetzt erst mal die Fenster zu öffnen und den Rauch im Vorstand abziehen zu lassen." Wenn sich der verzogen habe, werde man sicher auch wieder Verantwortliche finden, war Häcker optimistisch. Ehrenpräsident Otto Thierer nahm die Mitglieder noch deutlicher in die Pflicht: "Es wäre geradezu ein Verbrechen an der Jugend und damit der Zukunft des Vereins, wenn wir das nicht hinbringen."

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