Kuchen Trotz flauem Magen ist alles halb so schlimm

Kuchen / KATHARINA DEGENFELD 20.03.2014
Das DRK hat am Dienstag in Kuchen zum Blutspenden aufgerufen - und 280 Spendenwillige kamen in die Ankenhalle, 25 von ihnen waren Erstspender. Auch ich war da: Und es war gar nicht so schlimm.

In der Kuchener Ankenhalle wird an diesem Tag kein Sport betrieben. Vielmehr kommen die Leute, um sich "hinzulegen". In der Halle stehen Liegen und Tische, Stationen sind aufgebaut und durchnummeriert - so sieht es aus, wenn das DRK zum Blutspenden bittet.

Bei der Anmeldung schwenken alle in der Schlange stolz ihren quietschgelben Blutspende-Pass. Auch ich kann ihn zücken. Nach der Registration bekomme ich einen medizinischen Fragebogen. Ich muss beispielsweise angeben, ob ich in den vergangenen vier Wochen gepierct wurde oder mich im vergangenen halben Jahr in Malaria-Gebieten aufgehalten habe. Das DRK möchte auch wissen, ob ich nach Großbritannien gereist bin: Fehlanzeige, bin ich nicht.

Jetzt geht es zur ärztlichen Voruntersuchung. Im Wartezimmer sitzt rechts von mir ein älterer Herr, der lachend erzählt, er sei zum 75. Mal da, und links ein junger nervöser Erstspender. Schon bin ich an der Reihe: Ich verschwinde in einer halboffenen Kabine, in der mich ein Arzt aus Göppingen untersucht. Blutdruck, Puls und Temperatur sind in Ordnung. Ich sei spendefähig, lautet seine Entscheidung. Fröhlich plaudert er mit mir. Sichtlich freut er sich über junge Spender.

Dann geht es runter ins sogenannte Labor: In der Mitte befinden sich etwa 15 Liegen, auf denen den Spendern das Blut abgezapft wird. Ehrenamtliche Helfer in weißer Kluft sowie DRK-Assistenten und Ärzte wuseln beschäftigt durch die Halle. Bevor es für mich ans Spenden geht, piekst mir eine Ärztin in den rechten Mittelfinger. Sie will feststellen, ob ich genug roten Blutfarbstoff habe. Obwohl der Stich kaum sichtbar ist, tut er weh. "Haben Sie heute schon genug getrunken?", fragt sie. "Ich habe mich bemüht, mehr als anderthalb Liter sind aber es nicht geworden." Es folgen ein strenger Blick und die Verordnung, in den nächsten Tagen viel zu trinken. Mein Hämoglobinwert stimmt. Die Ärztin drückt mir den Plastikbeutel und Schläuche in die Hand und schickt mich zur nächsten Station: Der Blutspende.

Alle anderen um mich herum sind ganz entspannt und ruhig. Mir schießt der Gedanke durch den Kopf, wieder zu gehen: Den Stempel für die Blutspende habe ich ja schon bekommen. Nein - ich ziehe es durch, beschließe ich. Und schon wird eine Liege frei, zu der mich eine Helferin bittet. Ich lege mich hin und mache meinen Arm frei, der auf ein Kissen gelegt wird.

Eine Weile muss ich noch warten. Zwei Damen kümmern sich um mich: Eine Ehrenamtliche aus Geislingen und eine Professionelle vom DRK. Die Geislingerin erzählt, wie lang sie schon mit im Team ist, während die Blutspendefrau immer wieder kommt und verschwindet. Endlich geht es los: Meine rechte Armbeuge wird desinfiziert. Ich sehe, wie eine riesige Nadel meinem Arm näher kommt. "Was mache ich hier eigentlich?", frage ich mich. Ich schaue weg, ein flaues Bauchgefühl kommt auf. Wie ich wieder auf den Arm schaue, ist die Nadel schon in der Vene versenkt. Eigentlich habe ich es kaum bemerkt. Die Helferin erzählt munter weiter, dass gerade drei Blutspender weggekippt sind. "Die liegen jetzt da drüben", sagt sie und zeigt auf ein paar Ruheliegen. "Aber Ihnen geht es gut", diagnostiziert mir die gut gelaunte Helferin und erklärt, sie merke es, wenn den Spendern weiß um die Nase werde. Ihre Aufgabe ist es, an meiner Liege zu bleiben und nach meinem Befinden zu schauen.

Auf einem Gerät kann ich ablesen, wie viel Blut schon im Beutel ist. Mit der Hand muss ich pumpen, damit es schneller rauskommt. Die Zeit vergeht sehr langsam. "180 Milliliter", steht auf dem Display. Ein halber Liter soll es werden. Ich vermeide es, die Nadel oder die durchsichtigen Schläuche, die sich dunkelrot füllen, anzuschauen. Dann endlich. Das Gerät gibt an, dass nur noch 50 Milliliter fehlen. Bei 470 Milliliter piepst es, bei 500 tutet es von irgendwoher drei Mal laut. Der Stauschlauch wird vom Oberarm abgenommen. Jetzt kommt das Schlimmste: Die Nadel muss raus. Davor habe ich wirklich Angst. Die DRK-Frau kommt und werkelt an dem Beutel rum. Ich schaue weg. Als ich mich wieder zu ihr hinwende, ist die Nadel längst aus meinem Arm entfernt. Schon wieder habe ich kaum etwas bemerkt! Gottseidank, es ist geschafft.

Ein DRK-Assistent führt mich zu den Ruheliegen. Dort halten sich einige Spender ihren Arm hoch. Ein paar sehen müde aus, andere wollen gleich wieder aufstehen. Mir geht es gut, die Pause brauche ich aber. Nach einer Viertelstunde gibt es in einem anderen Raum Spaghetti für Spender und Helfer. Essen sagt mir in dem Moment gar nicht zu, aber nach einer Kaffee bin ich wohlauf und fit zum Heimfahren.

Erfreulich viele Erstspender kamen nach Kuchen
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