Hitze Trockenheit setzt Getreide und anderen Pflanzen zu

Der Wasserstand an der Fils ist noch nicht dramatisch niedrig. Jedoch bringt das Wasserkraftwerk, das Armin Kuhn am oberen Wehr bei Süßen betreibt, derzeit nicht einmal ein Drittel seiner durchschnittlichen Leistung.
Der Wasserstand an der Fils ist noch nicht dramatisch niedrig. Jedoch bringt das Wasserkraftwerk, das Armin Kuhn am oberen Wehr bei Süßen betreibt, derzeit nicht einmal ein Drittel seiner durchschnittlichen Leistung. © Foto: Giacinto Carlucci
KARIN TUTAS 16.07.2015
Notreifes Getreide, Gärtner im Dauergießeinsatz. Hitze und Trockenheit machen vor allem den Landwirten im Landkreis zunehmend zu schaffen. Eine durchgreifende Wetteränderung ist nicht in Sicht.
Riesige Risse tun sich im Boden auf, auf Rasenflächen dominiert die Farbe braun. Dieser Monat hat das Zeug, einer der trockensten Julis seit 1946 zu werden. Zumindest nach den Aufzeichnungen der Wetterwarte Stötten. 5,6 Liter Regen sind bislang auf der Alb gefallen, „das sind nur sechs Prozent des üblichen Niederschlags“, erklärt Wetterbeobachter Martin Melber. Normalerweise würden im Juli durchschnittlich 100 Liter gemessen.

Regen wird vor allem in der Landwirtschaft schmerzlich vermisst. Den Bauern im Landkreis mache vor allem die Kombination aus Trockenheit und der großen Hitze zu schaffen, erklärt Bernhard Schmid vom Landwirtschaftsamt Göppingen.

Die Wintergerste habe noch mit einem ordentlichen Ertrag eingefahren werden können, aber für die Getreidesorten, die noch auf den Feldern stehen, sieht Schmid schwarz. Die Hitze beschleunige die Reifung des Getreides, Winterweizen und Dinkel drohe die Notreife.

„Die Körner sind kleiner und der Ertrag fällt geringer aus“, erklärt der Landwirtschaftsexperte, dem das Herz blutet, wenn er sich derzeit auf den Feldern umsieht. „Ich sehe die Kulturen und jeden Tag sieht’s schlechter aus.“

Wenig zu ernten gibt’s auch für die Grünlandbetriebe, die immerhin 50 Prozent der Landwirtschaft im Landkreis ausmachen. Mangels Regen wachse das Gras sehr langsam oder überhaupt nicht mehr. Die Folge: Den Landwirten fehlt frisches Futter für ihre Tiere.

Pudelwohl bei Temperaturen deutlich über 30 Grad fühlt sich dagegen der Kartoffelkäfer. Die Schädlinge seien auf dem Vormarsch und setzten dem Grün der Nachtschattengewächse zu. Chancen sieht Bernhard Schmid noch für den Mais, „aber dazu müsste es länger regnen“.

Einen länger anhaltenden Landregen wünscht sich auch Gärtner Manfred Frank aus Bad Boll. Obwohl die Grundwasservorräte dank des feuchten Frühjahrs lange gehalten hätten. Mehr als die Trockenheit setze die Hitze dem Gemüse zu, „die Qualität leidet schon“, meint Frank. Durch den Anbau unempfindlicher Sorten versucht sich der Bad Boller Gärtner auf die höheren Temperaturen infolge des Klimawandels einzustellen.

Das Rasenmähen kann derzeit ausfallen. Gießen, gießen, gießen lautet stattdessen in diesen Tagen die Devise beim Betriebshof der Stadt Göppingen – „von Dienstbeginn bis Dienstende“, berichtet der stellvertretende Leiter Jochen Doster.

Acht Stunden am Tag seien die Mitarbeiter mit drei Tankfahrzeugen im Stadtgebiet unterwegs, um Blumentröge, Pflanzbeete und vor allem die Bäume in den Mittelinseln der Straßen zu wässern. Die Folge: Der Wasserverbrauch ist enorm in die Höhe geschossen. 44.000 Liter pro Tag, hat Doster ausgerechnet, „locker das Doppelte“ dessen, was sonst verbraucht werde.

Die Trockenheit sei schon extrem, meint Doster. Bis in 80 Zentimeter Tiefe sei der Boden knochenhart, hätten seine Mitarbeiter dieser Tage festgestellt, als sie in Bezgenriet ein Loch gegraben hätten.

Noch nicht dramatisch ist die Lage bislang für die Betreiber der Wasserkraftwerke an der Fils. „Wir hatten schon deutlich weniger Wasser und auch schon abgeschaltet“, erklärt Armin Kuhn, der ein Kraftwerk am oberen Wehr bei Süßen betreibt. Allerdings liege die Leistung derzeit nur bei 20 Kilowatt, der Durchschnitt liege bei 70 Kilowatt.

Wenn es zu trocken ist, wird das auch für die Dampfeisenbahner vom Amstetter Albbähnle ein Problem: Funkenflug könnte Waldbrände verursachen. Ob die Bahn am Sonntag fährt, liege im Ermessen des ehrenamtlichen Eisenbahnbetriebsleiters, erklärt Vereinsvorsitzender Heinrich Biro.

Der Sommer bleibt auch in der kommenden Woche

Trockenheit: 5,6 Liter Niederschlag verzeichnet die Wetterstation Stötten bislang in diesem Juli, den Wetterbeobachter Martin Melber zu den trockensten seit 1946 zählt.

Rekordhalter: Am trockensten war es in Stötten im Juli 1969, damals fielen 10,9 Liter Regen. Am meisten Regen fiel im Juli 1987 mit 262,6 Litern.

Aussichten: Auch am Samstag soll es sehr heiß werden. Örtlich kann es Gewitter geben, die sich auch zu Unwettern entwickeln können. Zuvor soll es nochmal bis zu 34 Grad heiß werden und sehr schwül. Eine durchgreifende Wetteränderung stellt Melber jedoch nicht in Aussicht. In der kommenden Woche sollen die Temperaturen wieder auf über 30 Grad klettern. (ela)

Grillen Verboten

Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen und der langanhaltenden Trockenheit ist das Grillen und Feuermachen am Grillplatz im Göppinger Oberholz bis auf weiteres untersagt. Das teilte die Stadtverwaltung am Freitagvormittag mit. Auch die Einhaltung des generellen Rauchverbots im Wald vom 1. März bis 31. Oktober mahnt die Verwaltung an. (SWP)