Uhingen Trio KGB mit Michael Gaedt in Uhingen

Comedy der gröberen Art zelebrierten (v.li.) Roland Baisch, Michael Gaedt und Otto Kuhnle im Uditorium.
Comedy der gröberen Art zelebrierten (v.li.) Roland Baisch, Michael Gaedt und Otto Kuhnle im Uditorium. © Foto: Giacinto Carlucci
Uhingen / Sabine Ackermann 09.11.2018
„KGB…der Jubel rollt“: Mit überdrehtem Nonsens und Wodka beweisen Kuhnle, Gaedt und Braisch: das Leben ist doch ein Ponyhof.

Gut vorbereitet scheint das Trio allemal. Die drei haben ihr Plansoll an der Wolga erfüllt, sich in exorbitante Pelzmäntel gehüllt und dazu noch über 100 Schnapsgläser mit Wodka gefüllt. Nun verteilt die schwäbische Troika das russische Nationalgetränk – und das bereits vor ihrer Show – an die beseelten Zuschauer. „Wir haben schon in größeren Sälen gespielt, doch nie so viele Leute gehabt“, belieben die sich im Herbst ihres Lebens befindenden Herren zu scherzen. „Wodka to Go“ direkt aus dem Zehn-Liter-Gebinde – nicht nur diese völkerverbindende „Abfüllung“ dürfte im Uditorium, ebenso wie das am Schluss auf der Bühne hinterlassene Schlachtfeld, eine Premiere gewesen sein.

„KGB“ besteht aus dem Kuhnle Otto, dem Gaedt Michael und dem Baisch Roland. Die drei haben ein für Schwaben unüblich üppiges Sammelsurium an Instrumenten nebst vielen irren Ideen mitgebracht. Von Akkordeon und Banjo über Blechtrommel und Gitarre bis hin zu Ukulele und Saxophon wissen alle drei, wie’s geht – und was den Kultur-Clash mit hoher Gag-Integration angeht, sowieso.

Ganz schön frech, wenn Gaedt, der Mann mit der gelben Brille, ein Kissen mit Löwengesicht auf den Schoß einer Zuschauerin wirft, nach und nach seine Beine drauflegt und sich von ihr die Schuhe zubinden lässt. Ganz schön skurril, wenn er bei seiner WC-Dressiernummer mit Standard, Villeroy und Boch, ihres Zeichens die „letzten frei lebenden Tiefspülungen“, diese mit Klosteinen füttert und aus einem Lokus unter brüllendem Gelächter klatschnass eine Blume fischt. Besonders lustig, als einer der drei Toiletten ihren Dienst verweigert. Und ganz schön cool, als er anschließend mit Swing und Stepptanz a la Fred Astaire beweist – nicht jeder braucht mit 60 Jahren „Doppelherz“, sondern bringt die der Frauen lieber zum Schlagen.

Ganz klar, Michael Gaedt ist der Mann fürs Grobe. Ob er bauchfrei mit klassischen Pirouetten und Flamenco-Schritten jongliert, als Lonesome-Cowboy zum Country-Song „Hab ´nen Sarg in Honolulu“ auf selbigem gen Westen reitet oder mit dem Segway singend und einhändig einen auf Schumi macht – dem Mann graust es vor nichts.

Eher als Feingeist entpuppt sich da „Magic-Otto“, ein Zauberer, der einfach mal so fünf Tischtennisbälle im Mund gut sichtbar „verschwinden“ lässt. Und das macht Otto Kuhnle mimisch und sprachlich so genial, dass sich das Publikum wegschmeißt vor Lachen. Und gesangstechnisch haut der Mann in Weiß mit bleckenden Zähnen und jaulenden Koloraturen als „Königin der Nacht“ in „Johann Sebastian“ Mozarts Zauberflöte einen raus.

Die Spielfreude ist auch beim dritten KGBler Roland Baisch offensichtlich, der Senior kaspert sich unter anderem als flotter Torero durch das Kalauergewässer – wobei es Donald Trump als „Michelinmännchen“ nicht gebraucht hätte.

Zu den Glanzlichtern in der etwas unstrukturierten Show zählte auf jeden Fall die „Laubsauger-Tücher-Performence“ zu Rammsteins „Engel“ – darauf muss man erst mal kommen.

Wenig Russland und viel Multikulti – dennoch, die über sich selbst lachenden grauen Bühnenberserker haben es auf ihre Art immer noch drauf.

Von Kleiner Tierschau bis zu den Shy Guys

KGB sind Otto Kuhnle (1963), Ex-Trio Blamage, Ex-Comedy Factory und Spezialist für visuelle Spaßbehandlung (SfvS); Michael Gaedt (1957), Ex-Kleine-Tierschau, Soko Stuttgart und der Mann fürs Grobe (MfG); Roland Baisch (1954), Ex-Scherbentheater, Ex-Shy Guys, Ex-Comedy Factory, Ex-Gag-Schreiber für Harald Schmidt, Männerabend und Senior Comedian (SC). Alle drei haben rund 40 Dienstjahre auf dem Buckel.

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