Gammelshausen Trinkwasser: Noch keine Entwarnung

Gammelshausen / JÜRGEN SCHÄFER 19.07.2016
Ob das Trinkwasser in Gammelshausen weiterhin abgekocht werden muss, stellt sich erst am Dienstagmittag heraus. Bürgermeister Daniel Kohl ist zuversichtlich.

Am Montagmittag hat der Gammelshäuser Schultes eine Trinkwasserprobe nach Stuttgart gebracht – die erste seit dem Befund vom Samstag. Der besagte: Ein Bakterium „Escherichia Coli“ auf 100 Milliliter  – zwar eine sehr geringe Menge, so Kohl, aber für Säuglinge oder immungeschwächte Menschen ein Risiko für Durchfallerkrankungen. Übers Wochenende sei eine Wasseranalyse nicht möglich gewesen. Jetzt braucht die Analyse 24 Stunden.

Man habe alles getan, sagt Kohl: die eigenen Quellen gleich abgehängt, das Leitungsnetz gespült, auf Fremdwasser umgestellt und gechlort.  Wie die Verunreinigung ins Netz kommen konnte – dazu holt die Gemeinde ein Ingenieurbüro, das ihre Wasseraufbereitung bereits gut kennt. Es soll die Schwachstelle herausfinden.

Gammelshausen ist schon länger dran an einer neuen Technik. Die alte hat schon 40 Jahre auf dem Buckel und soll ersetzt werden durch moderne Ultrafiltration, die keinen Keim mehr durchlässt. Es hängt nur am Geld. Der Zuschussantrag vom letzten Jahr ging ins Leere, weil das Gammelshäuser Wasser „zu sauber“ war, wie Kohl feststellt. Dieses Jahr hat er sich sehr gute Chancen ausgerechnet, weil die Gemeinde auch ein Strukturgutachten vorlegen kann, das ihr viel Eigenwasser bescheinige. Jetzt weiß er: „Die Modernisierung ist noch dringender als gedacht.“  Die aktuelle Verunreinigung wird er auch geltend machen. Es sei die erste in Gammelshausen und auch sonst selten: „Im Landkreis ist das seit Jahren nicht mehr vorgekommen.“ 300.000 Euro würde die neue Technik kosten, die Gemeinde hofft auf 240.000 Euro Zuschuss.

Vereinzelt Kritik bekam Kohl, weil seine Handzettel die Bevölkerung nicht systematisch erreichten. Die Amtsbotin, Feuerwehrleute und er selbst verteilten die eilends gedruckten Zettel an Haushalte, und mindestens teilweise landeten sie still im Briefkasten, wo Samstag nachmittag niemand hineinschaut. „Kritik darf schon sein“, sagt Kohl, „in Maßen“, weil aus dem Stand sehr vieles über Stunden zu bewältigen war. „Wir haben das nicht geprobt.“ Über Radio habe man die Bevölkerung informiert und vor Ort durch die Feuerwehr, die in jeder Straße Schächte öffneten. „Wir haben nicht die Technik für Lautsprecherdurchsagen.“

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