Debütroman Treffen drei Menschen aufeinander

Das Buch-Cover von Christa Schmiegs Debüt-Roman zeigt jenen Ort, an dem das Verhängnis seinen Lauf nimmt.
Das Buch-Cover von Christa Schmiegs Debüt-Roman zeigt jenen Ort, an dem das Verhängnis seinen Lauf nimmt. © Foto: Buchcover
Geislingen / Von Bettina Verheyen 03.05.2018

Winterfrühling ist ein gelungener Buchtitel. Er macht neugierig.  Und ist der Leser erst einmal auf der ersten Textseite des gut 300-seitigen Romans gelandet, zieht ihn Christa Schmieg sofort geschickt in die Geschichte hinein: Die Autorin geht in medias res, erzählt im Präsens, und lässt als erstes Christina aus dem Schlaf schrecken, weil die Polizei an ihrer Haustür klingelt. Christina erfährt: Ihre Mutter liegt im Krankenhaus, nein, es war kein Verkehrsunfall, alles weitere werde sie in der Klinik erfahren.

Kaum steht Christina am Krankenbett ihrer Mutter Johanna springt Schmieg einige Wochen in der Zeit zurück. Die Handlung entfaltet sich – behutsam zwar, aber der Leser bleibt dran, weil er ja wissen will, warum Johanna „zwischen Apparaturen und Schläuchen“ daliegt. „Ihr Gesicht ist kaum zu sehen, von Pflastern und Verbänden weitgehend verdeckt.“

Christa Schmieg ist in Wiesensteig aufgewachsen und lässt einen Teil der Geschichte zwischen Geislingen und dem Städtchen am Filsursprung spielen. Die Ortsnamen hat sie allerdings verfremdet, das habe ihr mehr Freiheit beim Schreiben gegeben, sagt sie. Mit selbst Erlebtem – die Arbeit in einem Rathaus in den 1960er-Jahren, ein Kurswechsel durch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, die Arbeit im Traumberuf Lehrerin ­– haucht sie Johanna und deren Mitbewohnerin Vera Leben ein. Beides sind Frauen ihrer Generation, Johanna geht gerade in den Ruhestand – Schmieg hat 2009 aufgehört, in ihrem Beruf zu arbeiten. Johanna muss schon nach kurzer Zeit erkennen: „Sie hat nichts, wofür sie brennen kann.“ Schmieg hat sich in die Schriftstellerei gestürzt. An ihrem Wohnort, Tübingen, hat sie sich einer Schreibgruppe angeschlossen, ihr Debüt-Roman ist zu großen Teilen im Lesesaal der Universitäts-Bibliothek entstanden.

Johanna war die erste Figur, die Schmieg im Kopf hatte. Sie wollte ein Szenarium  entwerfen, bei dem ein zufälliges Zusammentreffen von Menschen mit jeweils sehr unterschiedlichem Hintergrund zu einem Ereignis mit weitreichenden Folgen für alle führt.  Für dieses Ereignis, das auf den Seiten 125/126 passiert, bringt Schmieg den 15-jährigen Jan und den nur etwas älteren Fino mit Johanna zusammen. Bei einer Schlägerei, die Fino lostritt und in die er Jan mithineinzieht wird Johanna, die dem Opfer beistehen will, schwer verletzt.

Feinfühlig und empathisch erzählt Schmieg, wie es zu dieser Schlägerei kommen konnte, wie sich ihre Charaktere zu dem entwickelt haben, was sie in diesem verhängnisvollen Moment sind. Im gleichen Ton führt sie dem Leser vor, was für Konsequenzen diese Schlägerei für die Beteiligten hat. Schmieg dreht die Handlung noch insofern weiter, dass sie allen dreien einen Menschen zur Seite stellte, der auf sie eingeht, sich ihres Dilemmas annimmt. Daraus ergibt sich eine interessante und schlüssige Sozial- und Gesellschaftsstudie.

Schmieg selbst nennt als Hauptthema ihres Romans die Entwurzelung – tatsächlich sind ihre drei Hauptpersonen auf jeweils unterschiedliche Weise davon betroffen. Auch will sie aufzeigen, wie wir miteinander umgehen. Für weitere Interpretationen ist sie offen: „Es kommt immer drauf an, was der jeweilige Leser herausliest.“

Info Christa Schmieg, „Winterfrühling“, SWB Media Publishing, 320 Seiten, 14,80 Euro (erhältlich auch als E-Book).

Christa Schmieg und wie ihr Buch entstand

Christa Schmieg wurde in Wiesensteig geboren und wuchs dort auf. Nach acht Jahren Volksschule besuchte sie in Geislingen die Höhere Handelsschule. Es folgte eine Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst und verschiedene Anstellungen.Ihr Traum war es jedoch als Lehrerin zu arbeiten, und als sich die Gelegenheit erbot, studierte sie in Tübingen Wirtschaftswissenschaften auf Lehramt.

„Winterfrühling“ war Ende 2016 fertiggestellt. Nachdem Christa Schmieg zuerst selbst versucht hatte, einen Verlag zu finden, suchte sie schließlich Unterstützung bei einer Literatur-Agentin. Im November erhielt sie die Zusage von „SWB Media Publishing“ in Waiblingen.

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