Nahverkehr „Eberbänke“ für Tramper gehen an den Start

An Tafeln können Autofahrer ablesen, wohin Wartende mitgenommen werden wollen. Die neuen Mitfahrbänke stehen in Bünzwangen, Ebersbach, Roßwälden und Weiler.
An Tafeln können Autofahrer ablesen, wohin Wartende mitgenommen werden wollen. Die neuen Mitfahrbänke stehen in Bünzwangen, Ebersbach, Roßwälden und Weiler. © Foto: Staufenpress
Ebersbach / Maren Bertits 02.11.2018
In Ebersbach gibt es nun Mitfahrbänke. Rund vier Jahre Vorlauf hatte das neue Angebot bis es Mitte Oktober an den Start ging.

Das gewünschte Fahrtziel bestimmen, auf die Eberbank setzen und warten bis ein Autofahrer vorbeikommt: Die Mitfahrbänke in Ebersbach sind einfach zu erkennen, denn sie haben die Form eines Ebers – angelehnt an das Logo der Stadt.

Vor ihnen stehen Klappschilder, an denen Wartende angeben können, in welche Richtung sie mitgenommen werden möchten. „Zusätzlich gibt es die Funktion: ‚Wo anders‘. Da könnten sich Fahrer, die nach Göppingen unterwegs sind, entschließen, diese Person einzusammeln“, erklärt Stadtplaner Jan Werneke vom Bau- und Umweltamt Ebersbach. Das habe den Vorteil, dass Vorbeifahrende sofort erkennen, in welche Richtung es gehen soll.

„Moderne Form des Trampens“

„Das ist eine moderne Form des Trampens“, ergänzt Werneke. Die sogenannten Eberbänke seien Teil eines Dorfentwicklungsprozesses, der seit 2012 läuft. Der erste Vorschlag dafür wurde 2014 gemacht. „In den Teilorten Roßwälden und Weiler war das Nahverkehrsangebot noch nie so berauschend. Drei Jahre später kamen wir dann dem Wunsch nach einem ergänzenden Verkehrsangebot nach“, berichtet der Ortsvorsteher von Weiler, Oliver Knur. Ein gemeinsamer Antrag der CDU-Fraktion und der drei Teilorte sei für 2017 einstimmig beschlossen worden.

Im Dorfentwicklungsprozess des Ebersbacher Teilortes Weiler befinden sich für derartige Konzepte zwei Arbeitsgruppen: Die Gruppe „Dorfleben und Kultur“, die sich unter anderem der bestmöglichen Anbindung der Stadtteile widmet, und die Gruppe „Gestaltung und Entwicklung“. In ihr werden Themen zur Bebauung im Ort ausgearbeitet.

Ortsvorsteher Oliver Knur hat sich dem Thema in Ebersbach angenommen und arbeitete mit Bünzwangen und Roßwälden zusammen. Stadtplanerin Franziska Schneider erstellte den Entwurf der Eberbank und betreute das Projekt mit. „Die Bank sollte etwas Besonderes sein und nicht aussehen wie alle anderen“, betont Jan Werneke. So kam die Form des Ebers zustande. Daraufhin beriet sich Werneke mit Knur über die Standorte der Bänke. Anschließend wurde der ausgearbeitete Plan mit den Busfahrunternehmen und dem Landratsamt abgestimmt, woraufhin im September beschlossen werden konnte, dass die Bänke an den Haltestellen aufgebaut werden.

Problematisch seien bei der Umsetzung die Fragen nach dem genauen Standort der Bänke und die Kooperation mit den Busunternehmen gewesen. „Wir wollten keine Konkurrenz neben den Bussen sein, sondern Synergien schaffen“, merkt Werneke an. Sollte ein Bürger auf der Eberbank sitzen, warten und „ein Bus kommt, kann er auch direkt diesen nehmen“. Zusätzlich stand im Raum, wie die Mitfahrer abgesichert werden. So sind Fahrer und Mitfahrer über die normale Kfz-Haftpflicht versichert.

Der Bauhof von Ebersbach setzte den Entwurf um. Die Bank ist ein Baustein in einem Gesamtkonzept, parallel zum bestehenden Bürgerbus und der Verbesserung für Radfahrer. Oliver Knur zufolge sind die ersten Bänke Mitte Oktober eingeweiht worden. Wenn das Angebot ankomme, könnten weitere dazu kommen.

Während der Testphase stehen vier Mitfahrbänke nahe der Kirche in Roßwälden, in Weiler am Ortseingang, an der Ecke Fritz-Kauffmann-Straße in Ebersbach sowie in der Ortsmitte von Bünzwangen. Die Arbeitsgruppe erwägt weitere Standorte in der Kernstadt, etwa Richtung Lidl und Aldi, einzurichten. In Weiler ist noch eine zweite Bank möglich. „Wir wollen den älteren Leuten den weiten Weg zur Haltestelle am Dreieck ersparen“, betont Oliver Knur.

Die Mitfahrbänke sind keine neue Idee. Schon seit längerem gibt es sie im Nassachtal. Dort funktioniert das Konzept seit Juni vergangenen Jahres. „Die Idee ist in erster Linie durch die schlechte Verkehrsverbindung entstanden“, erklärt Eberhard Hottenroth, Ortsvorsteher von Nassachtal-Diegeslberg. Ein ähnliches Manko hätten manche Teilorte von Ebersbach – auch wenn es in der Stadt einen Bürgerbus gebe.

In den anderen Teilorten von Ebersbach wie Sulpach oder Krapfenreut stehen die Bänke noch nicht. Sulpach sei bereits gut angebunden und „falls Krapfenreut Bedarf entwickelt, haben wir die Schablone in der Schublade,“ erklärt Knur.

Stadtplaner Jan Werneke hat bisher nur gute Rückmeldungen zu den neuen Mitfahrgelegenheiten erhalten. Es gebe trotzdem noch Potenzial nach oben. Wichtig anzumerken sei, dass die Mitfahrbank keine Erfindung aus dem Schwabenland ist. Die gebe es schon lange im Allgäu und auch in anderen Bundesländern. Bänke in Form des Wahrzeichens von Ebersbach dürfte es allerdings nur im unteren Filstal geben.

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