Salach Tolle Wolle aus Salach

Das alte Emailschild der Firma Schachenmayr hängt jetzt am Eingang des Werksverkaufs in Salach und erinnert an vergangene Zeiten.
Das alte Emailschild der Firma Schachenmayr hängt jetzt am Eingang des Werksverkaufs in Salach und erinnert an vergangene Zeiten. © Foto: Petra Biebrich
ELKE BERGER 12.09.2015
Anfang September 1990 fällt die Entscheidung: Schachenmayr in Salach stellt zum Jahresende die Produktion ein. Das Handstrickgarn Regia soll nur noch im Mutterkonzern in Schottland produziert werden.

"Bis zum Jahresende werden auch die letzten 50 Arbeitnehmer die Kündigung erhalten", gab die Geschäftsleitung der Salacher Firma Schachenmayr in einer Betriebsversammlung bekannt, wie die NWZ am 6. September 1990 schrieb. Der Grund: Wegen der negativen Entwicklung im Bereich Handstrickgarn werde der schottische Konzern Coats-Patons, der Schachenmayr 1984 übernommen hatte, die Produktion des Handstrickgarns Regia in der Bundesrepublik aufgeben und nur noch in Schottland herstellen. Die Firma Schachenmayr werde dann nur noch ein Großhandelsunternehmen ohne Produktion sein. Die Verhandlungen über einen Sozialplan auf Grund der letzten 50 Kündigungen waren für den 8. September 1990 angesetzt.

Der 1822 gegründete, älteste und größte Industriebetrieb in Salach, hatte in den Dreißigerjahren noch 2500 Beschäftigte gezählt. Im August 1984 wurde Schachenmayr an die schottische Firma Coats-Patons verkauft. Ein Jahr später wurde eine Investition über 15 Millionen Euro für das modernste vollautomatische Hochregallager Europas für Wolle angekündigt. Zu dessen Einweihung 1988 war die Zahl der Mitarbeiter bereits auf 860 geschrumpft, dann folgte es Schlag auf Schlag: 150 Entlassungen im Mai, weitere 400 im September 1988. Färberei und Maschinenproduktion waren bereits geschlossen, nur die Garnproduktion wurde bis dato weiter betrieben.

Trotz allen Umbruchs existiert der Name Schachenmayr sowie das Garn "Regia" bis zum heutigen Tag. Auf dem Schachenmayr-Areal steht noch immer das Zentrallager für Handstrickgarne, knapp 70 Leute arbeiten dort. Ein Teil der Verwaltung ist seit vergangenem Jahr in Göppingen angesiedelt, Regia wird mittlerweile in Italien produziert.

Was sonst noch geschah . . .

6. September 1990: In den Kinos im Kreis laufen die Filme "Indiana Jones und der Tempel des Todes" mit Harrison Ford, "Ein Vogel auf dem Drahtseil" mit Mel Gibson, "Tödliche Fragen" mit Nick Nolte sowie der Zeichentrickfilm "Oliver & Co.".

7. September 1990: Es wird bekannt, obwohl es Polizei und Landratsamt verheimlichen wollten: Vor einigen Wochen wurde in Wiesensteig die rund 70 000 Mark teure Kamera aus einem Radar-Kasten entwendet. Eine zweite ist noch in Betrieb.

9. September 1965: Der fast 140 Meter hohe Polizeifunkturm auf der Aufhausener Alb ist fertiggestellt. Der Turm hat einen Durchmesser von sechs Metern. Sobald die Parallel-Station bei der Landespolizei-Direktion in Stuttgart steht, geht die Station in Betrieb.

SWP